Warnstreik vor der dritten Tarifrunde: Situation im Landkreis ruhiger als gedacht - Von Ann-Christin Beims

Für mehr Aufmerksamkeit

Mit Bussen sind die Streikenden am Startpunkt, dem Bremer Weserstadion, angekommen. Von dort aus führt ihr Marsch sie in die Innenstadt. Auf dem Marktplatz ist um 12 Uhr eine Kundgebung geplant. Foto: Björn Blaak
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Landkreis Rotenburg/Bremen. Busse und Bahnen fahren vielerorts nicht, Flugzeuge bleiben auf dem Boden und auch die Müllabfuhr, Stadtreinigung und Kitas beteiligen sich an den Warnstreiks in Hannover und Bremen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Damit soll kurz vor der kommenden dritten Tarifverhandlungsrunde für Bund und Kommunen der Druck auf die Arbeitgeber erhöht werden. Auch im Landkreis Rotenburg bleiben einige Kitas am Donnerstag geschlossen, in der Gemeinde Scheeßel betrifft es vier Kindertagesstätten.

Die Gewerkschaften fordern für die Beschäftigten sechs Prozent mehr Lohn, was die Arbeitgeber als zu hoch erachten. Generell ist es aber im Landkreis weit ruhiger geblieben als anfangs befürchtet. Auch in der Kinderbetreuung gibt es bis auf Scheeßel keine größeren Ausfälle in der Umgebung, im Visselhöveder Raum, in der Stadt Rotenburg und im Bereich Lauenbrück und Fintel öffnen die Kindergärten beispielsweise wie gewohnt. „Unsere Mitarbeiter streiken nicht“, sagt Nora Rudolf von der Samtgemeinde Fintel. In Bremervörde ist die Kita Zaubermühle geschlossen, in den anderen Kindergärten läuft der Betrieb ebenfalls normal weiter.

Dort, wo gestreikt wird, verläuft dennoch alles in ruhigen Bahnen. „Das läuft ganz gut hier, die Kollegen haben uns Bescheid gegeben“, erklärt Stefan Behrens, Fachbereichsleiter für Inneres, Schulen und Kultur der Gemeinde Scheeßel. So hat die Verwaltung im Vorfeld einige Dinge organisieren können und die Eltern mit Ankündigungen in den Tagesstätten auf den Streik hingewiesen, so dass diese sich vorbereiten konnten. In der Gemeinde Scheeßel sind am Donnerstag der Kindergarten Krümeltreff in Hetzwege, der Kindergarten Wohlsdorf, die Rappelkiste in Jeersdorf und der Integrationskindergarten im Sperlingsweg in Scheeßel geschlossen. In allen anderen Einrichtungen war die Betreuung soweit gesichert, dass diese öffnen konnten. Unter anderem haben die Krippenleiterinnen in Scheeßel aus ihren vier Gruppen kurzerhand zwei gemacht und Kollegen aus geschlossenen Kindergärten, die nicht streiken waren, haben vertretungsweise in den anderen Tagesstätten ausgeholfen. „Das ist für die Kinder natürlich eine komische Situation, viele haben uns gefragt, warum morgen frei ist für sie. Das haben wir ihnen dann erklärt. Wir gehen mit den Kindern offen und ehrlich um, auch bei so einem Thema“, sagt Ina Petersen, Leiterin des Jeersdorfer Kindergartens Rappelkiste.

Nach Medienberichten wollten etwa 10.000 Beschäftigte aus dem öffentlichen Dienst in Bremen und Niedersachsen am Donnerstag ihre Arbeit niederlegen und sich dem Warnstreik anschließen. Aus dem Beekeort ist ein Bus mit 47 Kollegen nach Bremen aufgebrochen, darunter Mitarbeiter aus dem Fachdienst Straßen und Grün, der Kläranlage und Reinigungskräfte und Hausmeister aus den Schulen. „Es war ein breites Spektrum von Streikenden, insgesamt 3.500 Teilnehmer, erwartet hatte man 1.500. Das war überwältigend zu sehen“, erzählt die Leiterin am Abend. Der Demo-Zug ist vom Weserstadion aus am Osterdeich Richtung Rathaus gezogen, wo es um 12 Uhr eine Kundgebung gab.

Petersen hat aus Solidarität von ihrem Streikrecht Gebrauch gemacht: „Ich bin ver.di-Mitglied, ich trage das natürlich dann mit. Ich bin zwar passives Mitglied, aber wenn es um Aktionen geht, bin ich bereit, Aufgaben zu übernehmen und die Werbetrommel zu rühren – das war hier gar nicht vonnöten, da viele Kollegen von Anfang an gesagt haben, wir sind dabei.“ Sechs Prozent klängen zunächst nach einer großen Forderung, aber „man muss ja davon ausgehen, es werden ja nicht sechs Prozent sein“. Für Petersen ist es wichtig herauszustellen, dass es ebenfalls um die Lehrlinge geht, sowohl was das Gehalt als auch den Urlaub angeht. Die Streikenden möchten Aufmerksamkeit und Wertschätzung für die Arbeit wecken, die in allen Bereichen des öffentlichen Dienstes geleistet wird. „Wir bekommen einfach keine Leute mehr, es entscheiden sich immer weniger Frauen oder Männer, diesen Beruf zu erlernen. Und wir merken das ganz stark, Fachkräftemangel ist ein Thema im öffentlichen Dienst“, merkt Petersen an.

Dass es in punkto Organisation im Vorfeld nicht so reibungslos lief, schließt die Erzieherin nicht aus: „Ich denke schon, dass es bei Eltern auch Not gab, der Kindergarten am Sperlingsweg war geschlossen, die Einrichtung betreut um die 70 Kinder, unsere Einrichtung war geschlossen, wir betreuen 65 Kinder, Wohlsdorf und Hetzwege waren zu, in der Beeke-Krippe war es auf zwei Gruppen minimiert, da waren auch Kinder betroffen. Die Einrichtungen, die geöffnet waren, deren Eltern können sich glücklich schätzen.“ Statt ärgerlicher Kommentare hätten die Erzieherinnen aber durchweg positiven Zuspruch erhalten, obwohl es für die Eltern viel Organisation bedeutet. „Natürlich haben sie nicht Hurra geschrien, aber es gab keine bösen Worte, das muss man ganz klar sagen. Sie haben gesagt, es ist euer gutes Recht und letztlich für unsere Kinder ein Vorbild, für seine Rechte einzustehen und darum zu kämpfen. Viele Eltern haben uns viel Glück gewünscht“, erzählt Petersen.

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