Tierschutzverein lädt zum Sommerfest ein / Zukunft ungewiss - Von Dennis Bartz

„Ohne Tierheim? Ohne mich“

Silke Wingen, Vorsitzende des Tierschutzvereins für den Landkreis Rotenburg, vor dem neuen Kaninchengehege.
 ©Foto: Dennis Bartz

Mulmshorn. Ausmisten, den maroden Schuppen abreißen, Wände streichen, mit dem Bau eines Hundeauslaufs beginnen und ein Gehege für Kaninchen- sowie Meerschweinchen errichten – wie fleißige Heinzelmännchen wirbelten die Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer in den vergangenen Monaten durch das Tierheim in Mulmshorn. „Es ist höchste Zeit, allen Interessierten zu zeigen, was sich in der Zwischenzeit getan hat“, sagt Silke Wingen, Vorsitzende des Tierschutzvereins für den Landkreis Rotenburg. Die Leiterin des Tierheims in Mulmshorn lädt für Sonntag, 18. August, 12 bis 17 Uhr, zum Sommerfest ein.

Die Besucher haben dann die Möglichkeit, während einer Führung das neu gestaltete Gelände und die renovierten Räume zu besichtigen. „Wir werden die beiden Hunde im Tierheim keinen Stress aussetzen und geben ihnen ein ruhiges Plätzchen ohne Besucher“, sagt Wingen. Sie bittet um Verständnis, dass die beiden Pitbulls nur zu den regulären Öffnungszeiten besucht werden können. Aktuell leben zusätzlich 29 Katzen im Tierheim, 26 von ihnen suchen derzeit ein neues Zuhause.

Der Sommerfest-Besuch soll sich auch für all jene lohnen, die einen entspannten Tag mit der Familie verbringen wollen. „Dafür sorgt unser umfangreiches Rahmenprogramm, bei dem uns die Igelpflege Rotenburg, die Kelputt-Imker, die Tagesstätte Quab, die mobile Tierheilpraktikerin Barbara Kruse und eine tierische Ernährungsberaterin mit je einem eigenen Infostand unterstützen“, kündigt Wingen an.

Dazu gibt es einen kleinen Flohmarkt und eine Tombola mit attraktiven Preisen: „Wir verlosen unter anderem ein Igelhaus und einen Hospitationstag in der Redaktion der Rotenburger Rundschau“, so Wingen. Aktionen für Kinder und ein umfangreiches Kaffee- und Kuchenbüfett runden demnach das Programm ab. Wer es lieber deftig mag, macht sich über die Leckerein vom Grill her. Auch Veganer und Vegetarier kommen voll auf ihre Kosten, verspricht Wingen.

Die Tierheimleiterin hofft darauf, auch die Bürgermeister des Altkreises beim Sommerfest begrüßen zu können. „Ich werde sie in den nächsten Tagen persönlich dazu einladen und führe sie gerne über das Gelände.“

Wingen hat bei allen Gemeinden einen offiziellen Antrag auf Wiederaufnahme der Fundtiere gestellt. „Wir haben eine ausführliche Leistungsbeschreibung beigelegt – vielen Menschen ist nämlich noch immer nicht bekannt, was wir alles machen: Wir beraten Tierhalter, nehmen Praktikanten auf, planen Aktionen mit Schulen, sind Partner des Maßregelvollzugs in Brauel und oft erster Ansprechpartner, wenn jemand ein verwaistes oder verletztes Tier findet, und das Tag und Nacht an sieben Tagen in der Woche“, zählt Wingen auf.

Die aktuellen Zahlen des Schatzmeisters, die sie ebenso den Gemeinden vorgelegt hat, machen ihr große Sorgen. „Daraus wird ganz deutlich, dass der bestehende Fundtiervertrag mit der Stadt Rotenburg nicht ausreicht, um das Tierheim zu erhalten. Wir brauchen dafür die Zusage der weiteren Gemeinden“, so Wingen, die noch einmal klar macht: „Schließen sie den Vertrag nicht mit uns ab, müssen wir das Tierheim Anfang des Jahres schließen.“

Wie es dann weitergehen würde, weiß sie noch nicht. „Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgebeben, einen Plan B gibt es aber noch nicht. Wir müssten klären, was mit den Tieren passiert“, so Wingen, die auch ihre eigene Arbeit infrage stellt: „Ich stecke mein ganzes Herzblut in den Verein, jeden Tag viel Zeit und Kraft in das Tierheim. Ich kann mir aktuell nicht vorstellen, dass ich weitermache, wenn der Verein kein Tierheim mehr hat.“

Unbeachtet dessen ziehen die Helfer mit Herz um Ulrich Dannenberg aus Bothel weiterhin alle Fäden, um den Traum vom Tierheimneubau am Leben zu erhalten. „Die Gruppe leistet tolle Arbeit hier im Tierheim und knüpft zudem Kontakte zu potenziellen Geldgebern. Wir haben uns darauf abgestimmt, dass die Helfer mit Herz das ohne den Tierschutzverein machen. Der Vorstand kommt erst dann ins Spiel, wenn es konkret wird. Wir kämpfen derweil täglich um die Existenz und sorgen für das Wohl der Tiere.“

Wingen freut sich, dass die Stadt Rotenburg Wort hält und das für den Tierheimneubau vorgesehene Grundstück weiterhin zur Verfügung stünde. „Mit den Fundtieren, einer Pension, einem Tierfriedhof, einem Veranstaltungsraum und Spenden würde sich das Tierheim von alleine tragen. Wir sind uns einig darin, dass eine Wohnung wichtig ist, damit das Tierheim auch in Zukunft nachts besetzt ist.“

Das Aus für das Tierheim und womöglich sogar die Auflösung des Vereins ist das wahrscheinliche, der Tierheimneubau das gewünschte Szenario. „Diese Ungewissheit ist für alle sehr kraftraubend – es geht mir auch um die Zukunft meiner Mitarbeiter und Helfer. Sie brauchen Sicherheit und eine Perspektive“, so Wingen.

Kraft gibt ihnen die erfolgreiche Vermittlungsquote – im ersten Halbjahr hat das Tierheim insgesamt 92 Tiere aufgenommen – zwei Drittel davon haben ein neues Zuhause gefunden oder sind zurück bei ihrem Besitzer. Dazu macht dem Team die Arbeit im renovierten Tierheim viel Spaß. „Die Mitarbeiter sind stolz darauf und freuen sich, es den Besuchern beim Sommerfest am 18. August zu präsentieren“, so Wingen.

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
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