Tierschutzverein informiert Mitglieder auf Jahreshauptversammlung

„Auch Katzen sind Fundtiere“

Mulmshorn (db). Neue Hoffnung, aber keine Sicherheit. Dies vermittelte Vorsitzende Silke Wingen am Wochenende bei der Jahreshauptversammlung des Tierschutzvereins für den Landkreis Rotenburg den Mitgliedern. „Lange Zeit sah es so aus, als müssten wir im Frühjahr 2021 das Tierheim schließen. Eine Erbschaft verschafft uns nun aber wieder etwas Luft“, so Wingen.

Durch den Verkauf eines Hauses im Wert von 39.000 Euro in Fintel weist der Jahresabschluss für 2019 ein leichtes Plus in Höhe von 4.359 Euro aus. „Das ist aber eine Ausnahme und natürlich nicht jedes Jahr möglich. Obwohl wir alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben und sparen, wo wir nur können, stünde ohne den Verkauf ein Minus von 34.640 Euro zu Buche“, erklärt Wingen. Im Jahr zuvor war es nach ihren Angaben ein Defizit von 83.690 Euro, 2017 sogar ein Defizit von 138.000 Euro. Auch im laufenden Jahr kann der Tierschutzverein die Kosten voraussichtlich nicht decken: Geplante Einnahmen von 92.900 Euro stehen Ausgaben von 124.520 Euro gegenüber – macht einen Fehlbetrag von 31.620 Euro.

Ein Ausweg aus der Misere ist nicht in Sicht, denn auch weiterhin bringt nur die Stadt Rotenburg ihre Tiere in Mulmshorn unter. Alle weiteren Gemeinden im Altkreis Rotenburg arbeiten weiterhin lieber mit dem Tierheim Arche Noah in Brinkum zusammen. Für Wingen unverständlich: „Unsere Finanzierung steht und fällt mit den Gemeinden, aber die kommen definitiv bis auf Weiteres nicht zurück. Die Stadt Visselhövede hat uns mitgeteilt, dass wir uns wieder melden sollen, wenn wir ein neues Tierheim haben – einen Beitrag wollen sie dazu aber nicht leisten. Sottrum hat ohne Begründung abgesagt. Und die Gemeinden Scheeßel, Fintel und Bothel haben auf unseren Antrag auf Übernahme von Fundtieren im Jahr 2021 bis heute nicht einmal reagiert.“

Dabei hätte die Zusammenarbeit für alle Seiten nur Vorteile, glaubt Wingen, die aufzählt: „Die Bürger haben einen Ansprechpartner vor Ort, der rund um die Uhr erreichbar ist, dazu kürzere Wege, die Fundtiere haben weniger Stress und die Gemeinden insgesamt geringere Kosten. Die Erklärung, dass der Platz im Tierheim nicht ausreichen könnte, ist für mich vorgeschoben: Wir waren zu keinem Zeitpunkt annähernd voll. Unsere Vermittlungszahlen sprechen zudem für sich.“

In 2019 hat das Tierheim 142 Katzen, 25 Hunde und zwei Kaninchen aufgenommen. 81 davon waren Fundtiere und fünf sichergestellt durch das Ordnungsamt der Stadt Rotenburg. Die Restlichen waren Abgabetiere oder sind im Tierheim geboren. Zum Ende des Jahres suchten noch 14 Katzen und drei Hunde ein neues Zuhause.

Aktuell sind im Tierheim drei Hunde, ein weiterer in einer Pflegestelle, außerdem 16 Katzen, drei weitere in Pflegestellen. Drei Katzen sind bereits reserviert. Außerdem lebt ein Kaninchen in den beiden neuen Nagerhäusern, das für elf Meerschweinchen und sechs Kaninchen zugelassen ist.

Wingen sprach bei der Versammlung des Weiteren über aktuelle Pläne: „Wir möchten gerne ein Vordach vor dem Eingang bauen, suchen Unterstützung bei Pflasterarbeiten und hätten gerne einen Seecontainer, um darin Baumaterial zu lagern.“ Zunächst geplante Veranstaltungen fallen wegen der Coronapandemie aus.

Wingen möchte nicht locker lassen und ein weiteres Mal Anträge auf Übernahme der Fundtiere bei den Gemeinden stellen: „Bisher konnte mir niemand ein überzeugendes Argument liefern, woran die Zusammenarbeit tatsächlich scheitert. Mit der Stadt Rotenburg klappt jedenfalls alles sehr gut. Wir hören zudem immer wieder, dass einige Gemeinden Katzen als Fundtiere ablehnen. Das ist falsch: Denn ein gefundenes Haustier ist immer auch ein Fundtier. Es hat folglich ein Recht auf Fürsorge durch die zuständige Behörde, beispielsweise durch Pflege im Tierheim.“

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
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