Tierheim in Mulmshorn nimmt ab Januar wieder Fundtiere auf - Von Dennis Bartz

Rotenburg als Türöffner

Ordnungsamtsleiter Frank Rütter (links) und Bürgermeister Andreas Weber unterstützen die Arbeit von Silke Wingen vom Tierschutzverein für den Landkreis Rotenburg.
 © Foto: Dennis Bartz

Mulmshorn. Wer einen entlaufenen Hund findet, kann diesen ab Januar wieder im Tierheim in Mulmshorn abgeben. Das ist das Ergebnis der Gespräche zwischen dem Rotenburger Bürgermeister Andreas Weber und der Vorsitzenden des Tierschutzvereins für den Landkreis Rotenburg, Silke Wingen.

Die Leiterin des Tierheims hatte den Verein im Mai von der langjährigen Vorsitzenden Regina Buchhop übernommen und kurz darauf angekündigt, die Fundtiere zurück nach Mulmshorn holen zu wollen. Die endgültige Entscheidung darüber, ob ihr das geglückt ist, fällt zwar erst kurz vor Weihnachten, wenn der Rat der Stadt Rotenburg am 20. Dezember tagt. Da sich aber neben der SPD unter anderem auch die CDU öffentlich zum Tierheim in Mulmshorn bekannt hat, kann Wingen aber bereits fest mit den zusätzlichen Einnahmen von immerhin 18.000 Euro pro Jahr planen.

4.500 Euro zahlt die Stadt Rotenburg als Vorauszahlung quartalsweise an den Tierschutzverein – unabhängig davon, wie viele Fundtiere tatsächlich im Tierheim abgegeben werden. „Das gibt dem Verein Planungssicherheit, die er dringend benötigt“, so Weber, der mit dieser Regelung bereits gute Erfahrungen gesammelt hat.

Denselben Betrag erhält bislang der Verein Bund gegen Missbrauch der Tiere (BMT), der unter anderem das Tierheim Arche Noah in Brinkum betreibt. Dort werden die Rotenburger Fundtiere seit Sommer 2017 betreut. Der BMT war damals kurzfristig eingesprungen, nachdem Buchhop einen Aufnahmestopp für Fundtiere verhängt hatte. „Für die spontane Hilfe sind wir sehr dankbar“, so Weber, der die gute Zusammenarbeit mit dem Verein lobt. Diese endet nun mit Ablauf des Jahres, obwohl sich der Vertrag mit dem BMT bereits automatisch bis zum 31. Dezember 2019 verlängert hatte – „aber der BMT lässt uns frühzeitig aus dem Vertrag“, erklärt Weber.

Am Dienstag besuchte er zusammen mit Ordnungsamtsleiter Frank Rütter das Tierheim in Mulmshorn. „Ich war zuletzt vor zwei Jahren dort – zu diesem Zeitpunkt war das Gelände in einem besorgniserregenden Zustand“, berichtet Weber. Dieses Mal zeigte er sich zufrieden: „Es verdient Hochachtung, was bisher geleistet wurde – auch von den vielen ehrenamtlichen Helfern.“ Der Aufnahmestopp im Mai 2017 sei zwar ein Ende mit Schrecken gewesen, aber auch die Chance für einen Neubeginn – und diese habe Wingen genutzt. „Es war uns wichtig zu sehen, dass die Standards, die wir aus Brinkum kennen, auch hier erfüllt und vom Kreisveterinär Dr. Joachim Wiedner bestätigt wurden. Frau Wingen hat den benötigten Sachkundenachweis erbracht – es spricht daher nichts dagegen, die Fundtiere wieder hier unterzubringen“, so der Bürgermeister.

Die zusätzlichen Einnahmen in Höhe von 18.000 Euro spülen dringend benötigtes Geld in die knappen Kassen des Tierschutzvereins, der sich hauptsächlich durch Spenden finanziert. Der Verein sei damit aber noch nicht gerettet, macht Wingen deutlich: „Um langfristig zu überleben, brauchen wir noch mindestens zwei bis drei weitere Gemeinden – am liebsten hätte ich alle. Dann ist unsere Existenz langfristig gesichert.“

Die Stadt Rotenburg soll als eine Art Türöffner in Bothel, Scheeßel, Sottrum, Visselhövede und Fintel dienen. „Ich werde bald die Gespräche mit den Gemeinden aufnehmen und hoffe, dass ich noch vor Weihnachten Termine bekomme.“

Weber selbst möchte ein gutes Wort bei seinen Amtskollegen einlegen: „Ich werde ihnen davon berichten, welche Erfahrungen wir machen.“ Wie die Tiere nun in Mulmshorn untergebracht sind, sei Werbung für den Tierschutzverein. Für das Tierheim in Rotenburg spreche zudem die Nähe zu den Ortschaften. „Finder haben kürzere Wege und die Zuordnung der Tiere geht schneller. Es ist außerdem leichter, Tiere zu vermitteln.“

Das habe in den vergangenen Wochen bereits sehr gut geklappt, betont Wingen: „Wir haben für Hunde und Katzen, die zum Teil seit Jahren im Tierheim und in der ehemaligen Tieroase Minstedt untergebracht waren, ein schönes Zuhause gefunden.“

Das Tierheim in Rotenburg hat Platz für insgesamt fünf Hunde, davon vier Dauerplätze und eine Notbox. Derzeit betreuen die Mitarbeiter zwei Hunde, ein weiterer lebt in einer Pflegestelle. Außerdem kann das Tierheim 40 Katzen aufnehmen – 28 Plätze sind bereits belegt, eine Katze lebt dauerhaft in einer Pflegestelle. Im Frühjahr bekommt das Tierheim ein neues Kleintiergehege.

Wingen hat noch viel vor: „Wir haben damit begonnen, ein Netzwerk aufzubauen, zum Beispiel zur Tierhilfe in Rotenburg, aber auch zu anderen Tierheimen und Organisationen.“ Sie setzt dabei auf die Unterstützung von 250 Mitgliedern sowie ihren ehrenamtlichen und festangestellten Mitarbeitern. „Wir sind weiterhin dringend auf Spenden angewiesen“, so Wingen, die ab Januar eine Notfall-Handynummer anbieten will. „Wir sind rund um die Uhr erreichbar.“

Wer mehr über die Arbeit des Tierschutzvereins erfahren und das Tierheim besichtigen möchte, hat dazu am morgigen Sonntag, 9. Dezember, Gelegenheit. „Wir veranstalten von 12 bis 17 Uhr unseren Gabentisch für Tiere. Es gibt Kaffee, Punsch und selbstgebackene Waffeln“, so Wingen.

Tiere zum Mitnehmen gibt es dann aber nicht, macht sie deutlich: „Tiere gehören einfach nicht unter den Weihnachtsbaum. Interessierte können jederzeit zum Kuscheln kommen und ein Tier reservieren, wir geben es aber erst im neuen Jahr raus.“

• Weitere Infos über den Tierschutzverein gibt es auf der Internetseite unter www.tierschutzvereinrotenburg.de.

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
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 dennis.bartz@rotenburger-rundschau.de

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