Sturmholzabbau rund um Rotenburg: Eckhardt räumt auf - Von Andreas Schultz

Zeyneps letzter Stamm

Noch eben ein gemeinsames Foto vor dem Rücker "Bigfoot": Förster Henning Küper (l.) und Maschinist Dominik Eckhardt sind in der Revierförsterei Luhne fertig mit der Sturmholzbeseitigung.
 ©Schultz

Rotenburg – Dominik Eckhardt drückt aufs Gas, und der 22 Tonnen schwere „Bigfoot“ setzt sich auf dem recht trockenen Waldboden in Bewegung. Das 2,98 Meter breite Gefährt rollt mit seinen acht Meter-Reifen den Waldweg ein Stück runter, begleitet vom ratternden Motor. Mit der HSM Forwarder hat Eckhardt in den vergangenen Wochen Baumstamm um Baumstamm aus dem Unterholz der Wälder rund um Rotenburg aufgenommen und feinsäuberlich am Wegesrand abgelegt. Der letzte Baumstamm glitt in diesen Tagen aus der Zange auf einen Holzstapel. Denn die Revierförsterei Luhne ist vorerst fertig mit der Holzernte.

Seit Februar stehen die Tätigkeiten des Forstamts Rotenburg rund um die Kreisstadt vor allem im Zeichen der Sturmschadenbeseitigung. Sie hatten seitdem alle Hände voll damit zu tun, in den Wäldern das wegzuräumen, was Orkantief „Zeynep“ dort an Bäumen entwurzelt oder so weit beschädigt hatte, dass die Verkehrssicherheit beeinträchtigt war. Sturmholzabbau heißt das im Fachjargon – und dieses Aufräumen zieht sich. „Der Sturm hat uns böse zugesetzt. Wir sind erst jetzt damit durch, obwohl wir früh angefangen haben“, sagt Revierförster Henning Küper. Aber das Projekt hat es auch in sich. Bestände sichten, Schäden per App dokumentieren, Arbeits-trupps sowie Holzvollernter koordinieren und die Revierförsterei Stück für Stück abarbeiten: Luhner Forst, Weiße Berge, Trochel, Hartwedel, Rosebruch, Ahe und andere – „eine große Runde um Rotenburg“, fasst Küper zusammen.

Zeitplan und Bilanz hat Zeynep damit ordentlich durchgewirbelt: Während das Gebiet der Revierförsterei mit seinen rund 2 000 Hektar in der Regel um die 8 000 Festmeter Holz pro Jahr abwirft, kommen beim Sturmholzabbau in etwa 15 000 Festmeter zusammen. Und auch, wenn sich die Stämme ebenso gut in Industrie- und Bauholz einteilen lassen: Der Abbau ist teurer. Der Gewinn für den Verkauf schmälert sich zwischen zwei und 3,50 Euro pro Festmeter, weil zusätzliche Arbeitsgänge notwendig werden. Zum Beispiel der des Abstockers, der die Stämme der umgekippten Bäume von den Wurzeltellern absägt. Darüber hinaus hätten der Sturmholzabbau und das damit größere Angebot aber keinen Einfluss auf die Preise gehabt. Die für die Region typische Douglasie bleibe im Sortiment der hohen Qualität etwa bei 100 Euro pro Festmeter. „Da kommt es auch wieder auf die Stärke des Holzes an. Aber es läuft momentan sehr gut“, so Küpper.

Als Dominik Eckhardt nach Ende seiner kurzen Frischluftpause die Hände aus den Taschen seiner schwarzen Latzhose zieht und sich in Richtung Bigfoot aufmacht, hält er inne. „Ich sehe gerade etwas, das mir gar nicht gefällt“ – hat einer der großen Reifen etwa weniger Luft als die anderen? Eckhardt grübelt, rödelt kurz im Werkzeugkasten und zieht einen Hammer hervor. Zwei, drei Schläge auf das Gummi und der 32-Jährige atmet auf. Der Reifendruck stimmt. Falscher Alarm.

14 000 Betriebsstunden hat der Forwarder bereits hinter sich. Einen großen Teil dieser Zeit hat der Forstmaschinenfahrer darauf verbracht – mit wachsender Begeisterung. Seit 2012 geht er diesem Beruf nach, abgesehen von dem zwischenzeitlichen Wechsel auf den Bagger, aber das sei nicht das Richtige für ihn gewesen. „Der Wald ist mein Zuhause“, sagt er und fügt hinzu: „Mich hat das Waldfieber gepackt.“ Dabei muss man einiges an Ausdauer und ein dickes Fell mitbringen – einerseits, weil der aus Augsburg kommende Maschinist „auf Montage“ in Rotenburg seine zehn bis zwölf Stunden auf dem Bock durchzieht; andererseits, weil ihm andere Waldfreunde nicht ausschließlich Gutes wünschen. Oft hagele es wüste Beschimpfungen bis hin zu Morddrohungen. „Die Leute verstehen nicht, dass unsere Arbeit dem Wald hilft. Wir räumen das Schadholz weg, damit schädliche Käferarten sich nicht einnisten und den Leuten nicht kaputte Kronen auf den Kopf fallen. Wir sind keine Waldzerstörer.“

Die Spezialreifen sollen den Waldboden schonen, aber ein leichtes Profil auf dem Forstweg hinterlassen sie doch, als Eckhardt die nächste kleine Ansammlung an Stämmen ansteuert, die Harvester und Waldarbeiter dort für den Abtransport abgelegt haben. Der Bigfoot bleibt auf dem Weg stehen wie ein Fels, während der Maschinenfahrer aus der Kabine heraus den Arm so behände steuert, fast als wäre er aus Fleisch und Blut.

Die Zange greift ins raschelnde Grün, platziert zwei Stämme auf der Ladefläche – und wieder von vorne. So lange bis das Fahrzeug 34, 35 Tonnen wiegt. Dann geht’s zum Sammelplatz, wo die Stämme ebenso geschickt zu hohen Stapeln werden und für die Abholung durch Lastwagen bereitstehen. Nach dem Abladen des letzten Stamms geht es für Eckhardt und die Zwei-Personen-Firma, in der er arbeitet, in Hepstedt weiter. Denn auch da hat Zeynep jede Menge Arbeit hinterlassen.

Autor

Andreas Schultz Andreas Schultz
 04261 / 72 -434
 andreas.schultz@rotenburger-rundschau.de

28.02.2021

Landpark Lauenbrück

12.02.2021

Winterlandschaft in Rotenburg

22.12.2020

Weihnachtsbilder

29.10.2020

Herbstfotos der Leser