Steuer-Razzia beim DFB: Fahnder durchsuchen Wohnhaus - Von Dennis Bartz

Grindel droht Nachspiel

Reinhard Grindel erklärte im April 2019 seinen Rücktritt als DFB-Präsident u2013 nun droht ihm neuer Ärger.
 ©Archivfoto: Philipp Reinhard

Rotenburg. Im April 2019 war der Rotenburger Reinhard Grindel nach nur drei Jahren von seinem Amt als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zurückgetreten. Damit hatte er auf die Korruptionsvorwürfe gegen ihn reagiert. Es ging um die Annahme einer wertvollen Uhr als Geschenk des ukrainischen Oligarchen Grigori Surkis. Nun droht Grindel neuer Ärger: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main durchsuchte am Mittwochvormittag gemeinsam mit Beamten der Steuerfahndung, des Bundeskriminalamtes und der Bundespolizei neben den Geschäftsräumen des DFB auch die Privatwohnungen von gegenwärtigen und ehemaligen DFB-Verantwortlichen –  darunter das Haus Grindels in Rotenburg.

Wie Oberstaatsanwältin Nadja Niesen mitteilt, waren an den Durchsuchungsmaßnahmen in Hessen, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachen und Rheinland-Pfalz insgesamt etwa 200 Beamte beteiligt. Die Beschuldigen stehen im Verdacht, Einnahmen aus der Bandenwerbung von Heimländerspielen der Fußball-Nationalmannschaft aus den Jahren 2014 und 2015 bewusst unrichtig als Einnahmen aus der Vermögensverwaltung erklärt zu haben, um sich damit einen steuerlichen Vorteil in Höhe von etwa 4,7 Millionen Euro zu erschleichen.

„Als eingetragener Verein besitzt der DFB steuerrechtlich unterschiedliche Vermögenssphären. Während die Einnahmen aus dem Bereich der Vermögensverwaltung steuerfrei sind, sind die Einnahmen aus dem Bereich des wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs steuerpflichtig“, erklärt die Staatsanwaltschaft Frankfurt.

Durch Vertrag vom 11. Dezember 2013 hatte der DFB die Rechte zur Vergabe der Werbeflächen in den Spielstätten von Länderspielen der Fußball-Nationalmannschaft für den Zeitraum 2014 bis 2018 an eine schweizerische Gesellschaft verpachtet. Dieser Gesellschaft soll allerdings bei der Auswahl der Werbepartner kein Handlungsspielraum verblieben sein. Vielmehr soll sie sich verpflichtet haben, die Exklusivität des Generalsponsors und des Generalausrüsters der Nationalmannschaft zu berücksichtigen und keine Rechte an deren Konkurrenten zu vergeben.

Stattdessen soll der DFB trotz der Verpachtung der Rechte über seine Sponsorenverträge aktiv bei der Vergabe der Bandenwerbeflächen mitgewirkt haben. „Dies hat zur steuerrechtlichen Konsequenz, dass die Einnahmen aus der Verpachtung nicht der steuerfreien Vermögensverwaltung, sondern dem steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zuzuordnen sind und somit zu versteuern gewesen wären“, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Nach den bisherigen Ermittlungen bestehe der Verdacht, dass die Beschuldigten von dieser steuerlichen Unrichtigkeit wussten. Der DFB erklärte auf Nachfrage, mit den Ermittlern bei der Klärung der im Raum stehenden Vorwürfe zu kooperieren. Grindel selbst äußerte sich zu den neuerlichen Vorwürfen gegen ihn nicht. Es sind nicht das erste Mal, dass Grindel für negative Schlagzeilen sorgt: Der Spiegel hatte zunächst berichtet, dass Grindel 2016 und 2017 Zusatzeinkünfte in Höhe von 78.000 Euro als Aufsichtsratschef der DFB-Medien Verwaltungs-Gesellschaft geheim gehalten haben soll. Der Skandal um die teure Luxusuhr Grindels schließlich besiegelte kurze Zeit später sein Aus als DFB-Präsident. Nur eineinhalb Jahre stehen erneut Vorwürfe gegen Grindel im Raum.

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
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