Stadt stellt Pläne für Friedhofskapelle vor - Von Nina Baucke

Trauern im Oktagon

Auffälligster Teil der neuen Kapelle ist das große Oktagon, das reichlich Platz für Trauergäste bieten soll.
 ©Rotenburger Rundschau

Rotenburg. Eine idyllische Parklandschaft, viele Bäume, viel Grün – und dazwischen die alte Kapelle: Das Bauwerk, das bereits einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat, bildet einen Anlaufpunkt auf dem Rotenburger Waldfriedhof. „Schon länger ist klar, dass die Kapelle baufällig ist und auch nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik entspricht“, sagt Bauamtsleiter Clemens Bumann. Seit zehn bis zwölf Jahren denkt die Stadt über einen Neubau nach – jetzt macht sie Nägel mit Köpfen.

„Wir haben 2019 bereits die Baugenehmigung beantragt, die liegt nun vor, und dazu haben wir vor 14 Tagen den Rohbau vergeben“, sagt er. Auf die Ausschreibung hatten sich lediglich drei Firmen beworben. Doch das Stader Unternehmen, das den Zuschlag bekommen hatte, bewegt sich mit seiner Vorstellung im von der Stadt Rotenburg anvisierten Kostenrahmen. „Dasselbe gilt für die Firma Carstens, die die Zimmerei und Dachdeckerarbeiten übernimmt“, so Bumann.

„Uns ist es wichtig, diese Mittel zu investieren, da wir schon lange das Problem mit den feuchten, engen Räumen in der Kapelle auf dem Waldfriedhof haben“, betont Bürgermeister Andreas Weber. Für 900.000 Euro entsteht exakt am Standort der bisherigen Kapelle ein Gebäude mit einer Gesamtfläche von 428 Quadratmetern, den größten Platz nimmt dabei die Kapelle selbst ein – ein Oktagon, dessen große Fenster viel Licht hineinlassen sollen. „Von außen werden die Fenster uneinsehbar sein“, sichert Bumann zu. Derzeit fasst der Raum der Kapelle maximal 130 Personen. „Oft haben wir daher bei Trauerfeiern Besucher, die an der Wand oder sogar draußen stehen müssen“, so der Bauamtsleiter. Der neue Raum soll auf 215 Quadratmetern 185 Personen Platz bieten, für weitere 45 ist auf der Empore Platz. Dazu kommt ein weiterer Raum mit 53 Quadratmetern, in dem Trauergemeinden die Möglichkeit haben, im kleineneren Rahmen mit maximal 20 Personen Abschied zu nehmen.

„Wir haben vor der Planung bei Bestattungsunternehmen ermittelt, welche Bedarfe es derzeit so gibt“, erklärt Stephan Lohmann, Amtleiter für Verkehr, Entsorgung und Umwetlschutz. Ergebnis ist, dass der neue Bau über keine Kühlräume verfügen wird, da bereits viele Bestatter diesen Service bieten. Neu ist allerdings ein sogenannter Schneewittchensarg, ein Raum, der vor allem Eltern und Familien den Raum gibt, sich angemessen am offenen Sarg zu verabschieden. „Wir haben zudem festgestellt, dass diese Art des Abschieds auch bei Spätaussiedlern üblich ist – und dort im großen Rahmen“, so Lohmann. Da die Umgebung der Kapelle relativ dunkel ist, hat sich die Stadtverwaltung als Bauherr für einen hellroten Sandstein als Baumaterial entschieden. „So soll sich das Gebäude gut in die Umgebung einfügen“, hofft Bumann.

Weil bereits am 30. März Bagger für den Abriss angerückt sind, sind derzeit keine Trauerfeiern möglich. Ab der 15. Kalenderwoche steht ein Zelt als Übergangslösung, zugleich beginnen die Arbeiten am Rohbau, voraussichtlich am 6. April. „Wir hoffen auf eine Fertigstellung Ende des Jahren“, so Bumann. Pläne, während der Bauzeit auf die Kapelle in der Lindenstraße auszuweichen, hatte die Stadt verworfen. „So müssten ja die Trauergäste von für die Beisetzung den Weg vom einen Friedhof zum anderen in Kauf nehmen“, so Weber. „Wir wollen trotz der Bauarbeiten eine möglichst würdevolle Bestattung ermöglichen.“

Zudem wird das Zelt ohnehin vorerst ungenutzt sein und lediglich der Aufbahrung dienen. Denn aufgrund der Allgemeinverfügung zur Corona-Krise bleiben Trauerfeiern auf zehn Teilnehmer und das auch noch unter freiem Himmel beschränkt. „Das ist sehr misslich, vor allem für große Familien“, bedauert Weber. Daher bietet die Stadt an, auf Wunsch auch Trauerfeiern später nachzuholen. Er ist sich sicher, dass die neue Kapelle mit dem größeren Platz den Trauerfeiern gerecht wird – „und dass wir gleichzeitig damit mehr Lebensqualität in Rotenburg schaffen.“

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
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 nina.baucke@rotenburger-rundschau.de

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