Simbav entwickelt neue Ideen in der Coronazeit - Von Dennis Bartz

„Schwere Zeit für Familien“

Simbav-Leiterin Ina Helwig (links) und Koordinatorin Constanze Fuchs-Darley freuen sich darüber, dass die Eltern-Kind-Gruppen starten.
 ©Foto: Dennis Bartz

Rotenburg. „Schlaf gut, Anna! Schlaf gut, Louis!“ Es erinnert an die Schlussszene der Fernsehserie „Die Waltons“, wenn sich Gruppenleiterin Carmen Sel-Bülter von den Kindern verabschiedet, die gemeinsam mit ihren Eltern an Laptop, Tablet oder vor dem Smartphone sitzen und sich dabei gegenseitig sehen können. Jeden Mittwoch um 18.45 Uhr lädt das Familiennetzwerk Simbav Kinder im Alter bis sechs Jahren zu einer Gute-Nacht-Geschichte ein. Zum Abschluss folgt ein gemeinsames Lied, ehe es dann heißt: Ab ins Bett!

Es ist eines der Online-Angebote, die Simbav-Leiterin Ina Helwig und Koordinatorin Constanze Fuchs-Darley mit ihrem Team während des Corona-bedingten Lockdowns auf die Beine gestellt hat, um Familien zu entlasten. Über sämtliche Termine und weitere Angebote sowie aktuelle Themen informiert Simbav seit Kurzem in einem Newsletter, den Interessierte bequem und kostenlos über die Internetseite www.simbav.de abonieren können. Darin finden Eltern auch die Zugangsdaten zu den jeweiligen Online-Angeboten.

Genauso wie die Gute-Nacht-Geschichte ist auch die Idee für den Newsletter während der Coronakrise entstanden – und soll wie einige weitere besonders beliebte Online-Angebote auch danach fester Bestandteil der Familienarbeit bleiben. „Die Eltern sind genauso wie wir begeistert davon. In der kurzen Zeit haben wir bereits mehr als 70 Anmeldungen für den Newsletter erhalten und wir freuen uns auf alle, die auf diesem Wege immer auf dem aktuellen Stand bleiben wollen“, so Helwig, die sich darüber freut, dass in dieser Woche einige Eltern-Kind-Gruppen ihre Arbeit wieder aufnehmen konnten, weil diese als Familienbildung anerkannt sind.

Als die Bundesregierung das Kontaktverbot verhängt hatte, musste Simbav von heute auf morgen alle Eltern-Kind- und Kurs-Angebote stoppen. Auch im Treffpunkt Düt & Dat gab es Einschränkungen. „Aber wir haben es Eltern ermöglicht, dort Kinderkleidung zu kaufen. Viele Familien haben nicht die finanziellen Möglichkeit, diese online zu bestellen“, so Helwig.

Außerdem gibt es im Düt & Dat montags und mittwochs ein Mittagsmenü sowie dienstags eine Frühstückstüte zum Mitnehmen, „mit selbst gebackenen Brötchen und frisch zubereiteten Marmeladen“, hebt Helwig hervor. Die Angebote werden im Rahmen der frühen Hilfen vom Landkreis Rotenburg gefördert und vom Simbav-Team umgesetzt. Familien haben außerdem zu jeder Zeit die Möglichkeit, sich beraten zu lassen. „Als Kompetenzzentrum Hilfe für den Landkreis Rotenburg haben wir Familien telefonisch, in dringenden Fällen auch persönlich beraten“, erklärt Helwig.

Als den Verantwortlichen klar wurde, dass die Coronapandemie das Leben der Familien noch länger belasten würde, entwickelten sie im Frühjahr ein Konzept für Online-Angebote. „Die technischen Voraussetzungen zu schaffen, war für einen kleinen Verein wie uns eine besondere Herausforderung. Die Daten müssen ja geschützt übermittelt werden“, so Helwig.

Sie hat in den vergangenen Wochen mit vielen Eltern über die besondere Belastung seit Ausbruch der Pandemie gesprochen. „Viele sind stark gefordert, weil sie neben den finanziellen Sorgen aufgrund der Kurzarbeit das Homeschooling sowie die wechselnden Betreuungszeiten in Schule und Kindergarten organisieren müssen. Die Großeltern standen als Unterstützung lange Zeit nicht und heute oft nur eingeschränkt zur Verfügung“, gibt Helwig einen Einblick in das Seelenleben mancher Eltern.

Wegen der Pandemie stehen Simbav derzeit weniger Ehrenamtliche zur Verfügung. „Alle freuen sich darauf, dass es wieder losgeht. Aber einige brauchen noch Geduld, weil sie selbst Kinder im Homeschooling betreuen oder zur Risikogruppe gehören. Es bleibt für Familien eine schwere Zeit. Sie brauchen Verständnis und sollten beachtet werden“, fordert Helwig.

Weil nicht alle Familien einen eigenen Garten zum Entspannen haben, hat das Simbav gefördert von der Aktion Mensch und der Stiftung Town & Country ein Garten-Projekt gestartet. Familien treffen sich im Rotenburger Hopfengarten, um dort beispielsweise Gemüse anzubauen.

Um für den Start der Eltern-Kind-Gruppen vorbereitet zu sein, hat das Simbav-Team ein Hygienekonzept entwickelt. Und dieses stellte die Mitarbeiter vor eine besondere Herausforderung, berichtet Helwig: „Es sind offene Gruppen, und dabei soll es auch bleiben. Den Eltern ist es sehr wichtig, dass sie sich nicht bereits Tage vorher anmelden müssen, gerade in dieser Zeit, in der sie viel organisieren müssen. Sie können deshalb weiterhin ohne Anmeldung kommen und die Gruppenleiterinnen entscheiden dann je nach Größe, ob die Gruppe geteilt wird. Wir wollen damit die Familien unterstützen“, stellt Helwig klar und bittet um Geduld: „Wir werden nicht an allen Orten gleichzeitig starten können, weil zum einen noch nicht alle Räume zur Verfügung stehen und zum anderen unsere Gruppenleitungen ja auch fast alle Mütter sind.“

Über die Sorgen und Nöte der Eltern sowie über die Arbeit des Simbav informierten Helwig und Vorsitzende Antje Jäger kürzlich Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber und den heimischen Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil (beide SPD). Das Familiennetzwerk hatte sich an den Abgeordneten gewandt, um mit ihm über die Probleme der Familien zu sprechen.

Klingbeil erklärte, er wisse um die großen Herausforderungen: „Bei mir haben sich in den vergangenen Wochen viele Eltern und vor allem Alleinerziehende gemeldet, die an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stoßen. Sie müssen derzeit Erzieher, Lehrer, Arbeitnehmer sowie Spielkamerad gleichzeitig sein. Das ist eine unglaublich große Aufgabe“, so der 42-Jährige.

Die strikten Maßnahmen wie Kita- und Schulschließungen sowie Kontaktbeschränkungen hätten aber immer ein Ziel verfolgt: die Infektionszahlen niedrig zu halten, damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird. Das schnelle und umfassende Agieren zu Beginn drücke sich nun in den rückläufigen Infektionszahlen aus.

Klingbeil betonte, worauf es seiner Meinung nach nun ankomme: „Eltern brauchen Unterstützung und zudem Perspektiven für die kommenden Wochen.“ Diesen Forderungen schlossen sich auch Jäger und Helwig an.

Kurz nach dem Gespräch beschloss das Bundeskabinett, den Anspruch auf Lohnfortzahlung für Eltern von sechs auf bis zu zehn Wochen für jeden Sorgeberechtigten zu verlängern. „Für Alleinerziehende auf bis zu 20 Wochen“, so Klingbeil.

Mit Blick auf weitere Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung stellte er klar: „Kinder und Familien müssen bei einem Konjunkturpaket im Mittelpunkt stehen.“ Deswegen hatte er sich für einen einmaligen Kinderbonus in Höhe von 300 Euro pro Kind ausgesprochen, der auf das Kindergeld aufgeschlagen wird.

Neben finanziellen Hilfen standen bei dem Gespräch im Simbav auch Schutzmaßnahmen für Erzieherinnen sowie die Notbetreuung im Fokus, die derzeit vor allem Kindern von Eltern in „systemrelevanten“ Berufen vorbehalten ist. Gerade problembelastete Eltern, Alleinerziehende sowie Familien, die durch die Coronakrise stark belastet sind, bräuchten laut Helwig oft mehr Unterstützung.

Klingbeil hat nach eigenen Worten mit Bundesfamilienministerin Franziska Giffey über Vorschläge und Hinweise aus dem Simbav gesprochen. „Sie hat diese dann mit in die Beratungen mit den Kultusministern der Länder einfließen lassen. Daraus ist zum Beispiel die Maßnahmeregelung um den Punkt erweitert worden, dass Eltern sich offiziell bei der Kinderbetreuung gegenseitig unterstützen dürfen, ohne gegen Vorgaben zu verstoßen“,so Klingbeil.

• Weitere Infos über die Arbeit des Simbav gibt es auf der Internetseite www.simbav.de und telefonisch unter 04261/9438996.

Angebote in der Woche vom 22. bis 26. Juni

Folgende Eltern-Kind-Gruppen sind gestartet, in Rotenburg: Baby-Gruppe am Mittwoch, Krabbler-Gruppe am Montag, Kunterbunt am Dienstag, Kunterbunt am Donnerstag; Hellwege: Kunterbunt am Mittwoch; Reeßum: Kunterbunt am Freitag; Visselhövede: Baby-Gruppe am Freitag, Kunterbunt am Donnerstag; Lauenbrück: Baby-Gruppe am Donnerstag, Kunterbunt am Dienstag; Scheeßel: Outdoor-Gruppe: „Spiel, Spaß & Entdecken“, neu jeden Montag ab 29. Juni, 15.15 Uhr, Treffpunkt: Parkplatz am Schützenhaus.

Weitere Angebote
Kunterbunt (online) am Montag, 22. Juni, 16 Uhr: Bastelspaß für Kinder von eineinhalb bis sechs Jahren und ihre Eltern.
Waldgruppen (mit Anmeldung): in Rotenburg und Visselhövede jeden Mittwoch und in Lauenbrück jeden Dienstag. Start jeweils um 15.15 Uhr.

Angebote für Eltern
Evening-Talk (online) am Dienstag, 23. Juni, 20.15 Uhr;
Tonwerkstatt am Montag, 13. Juli, ab 19.30 Uhr. Anmeldung unter 0171/3369552.
Erste Hilfe am Kind (online) am Samstag, 11. Juli, 14 bis 16 Uhr.
„Wen habt ihr eigentlich lieber...?“ Online-Vortrag zur Bedeutung von Geschwisterbeziehungen am Montag, 29. Juni, um 20 Uhr.

Angebote für Kinder
Gute-Nacht-Geschichte (online) am Mittwoch, 24. Juni, ab 18.45 Uhr.
Tonwerkstatt am Dienstag, 23. Juni, und Dienstag, 14. Juli, jeweils um 16 Uhr, Anmeldung unter 0171/3369552.

Die Zugangsdaten zu den Online-Kursen und Informationen zu den kulinarischen Angeboten erhalten Interessierte im aktuellen Newsletter. Mehr zur Arbeit des Simbav unter www.simbav.de.

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
 04261 / 72 -430
 dennis.bartz@rotenburger-rundschau.de

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