Schüler der Integrierten Gesamtschule lernen, sich selbst zu behaupten

Mutig im Alltag

Aufgaben gemeinsam lösen, das üben die beiden Jugendlichen gemeinsam mit Helge Kraus (zweiter von rechts). Sandra Röger bereitet als Schulsozialarbeiterin den Trainingstag gemeinsam mit den Lehrern vor.
 ©Foto: Judith Tausendfreund

Rotenburg (jt). Selbstbehauptung hat auch etwas damit zu tun, seine eigenen Bedürfnisse zu spüren und diese gegen andere durchzusetzen. Wie Schüler dies erreichen können, ohne dabei gegenüber anderen aggressiv oder gar übergriffig zu werden, erarbeitete Helge Kraus einen ganzen Tag lang mit insgesamt neun Jungen aus der Klasse 7.4. der IGS in Rotenburg.

Dabei stand auch Teamwork im Fokus: „Wir arbeiten zum Beispiel mit einem Zahlencode – da geht es vor allem um die Idee, am Ende eine Aufgabe gemeinsam zu lösen“, erklärte der Diplom-Sozialwissenschaftler.

Kraus ist seit acht Jahren unter anderem an der IGS in Rotenburg aktiv. Angestellt ist der Bildungsreferent für Jungen- und Männerarbeit beim Verein „Mannigfaltig“, der auch an anderen Schulen sein Training anbietet.

„Es geht um Konfliktfähigkeit, um die Frage, wie man miteinander redet“, berichtet er. Dabei werden auch Handlungsstrategien erarbeitet – diese helfen den Schülern, indem sie auch den Weg zur Selbsthilfe aufzeigen.

Im Vorfeld hatte Schulsozialarbeiterin Sandra Röger gemeinsam mit den Lehrern etwas genauer hingesehen – im Blick hatten alle Beteiligten dabei die bestmögliche Unterstützung für die Jugendlichen. Denn nicht nur die Jungs, auch eine Gruppe von Mädchen kam zu einem auf ihre Bedürfnisse ausgelegten Training. Während dieses bei den Jungs unter dem Motto „Jungen stärken“ stattfand, hieß die Übung bei den Mädchen „Wehr dich/Trau dich“.

Zuständige Referentin war Juliane Kiss. „Wir machen mit elf Mädchen Präventionsarbeit“, berichtete sie. Zwar hatte auch hier Röger vorab ein wenig sondiert, wo die Mädchen am meisten Probleme haben, dennoch ließ Kiss diese auch selber berichten, wovor sie zum Beispiel im Alltag Angst haben. Zum Beispiel um die Unsicherheit im Dunkeln, dass sie verfolgt werden könnten oder sie jemand vom Fahrrad reißt“, so Kiss.

Dabei sprach sie von einem Fall, der sich wirklich zugetragen hatte und zu einem Besuch bei der Polizei geführt hatte. „Viele Kinder und Jugendliche haben Angst, weil sie Dinge in den Medien mitbekommen“, berichtete die Diplompsychologin.

Dabei ginge es unter anderem um Pädophilie, selbst die Wahl des amerikanischen Präsidenten sei ein Thema gewesen.

Da sie bereits seit 32 Jahren in dem Bereich tätig ist, habe sie einen geschulten Blick, „im Bedarfsfall kann ich auch weitere Beratungsstellen benennen und die Kinder auf der Suche nach Hilfe unterstützen“, so Kiss.

Schwerwiegende Probleme könnten an einem solchen Trainingstag nicht gelöst werden, aber der Umgang mit der Angst, der konnte durchaus geübt werden. „Ich überlege dann mit den Jugendlichen gemeinsam, wo kommt die Angst eigentlich her? Ist es eine reale Bedrohung, die ich spüre?“, berichtete die Trainerin weiter.

Dabei helfen ihr auch Rollenspiele: „Ich fordere die Mädchen dann auf, sich vorzustellen, sie wären jetzt der Schutzengel“, so Kiss. Gemeinsam werde dann überlegt, wie ein Schutzengel sich verhalten würde. „Es geht dabei aber auch immer um individuelle Lösungen, die wir mit den einzelnen Jugendlichen erarbeiten“, führt sie weiter aus. An dem Training nehmen alle siebten Klassen teil.

Ermöglicht wird der etwas andere Unterricht mithilfe der finanziellen Unterstützung durch den Präventionsrat Rotenburg, das Jugendamt Rotenburg, die Sparkasse Rotenburg sowie der Landesschulbehörde.

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