Rundschau-Serie „Ich bin dann mal weg“: Aarons erste Tage in China

Satt trotz Stäbchen

Aaron Kruse ist gut in China angekommen. Er berichtet, dass die Menschen ihn freundlich empfangen.
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Rotenburg/Wenxian. Der 18-Jährige Rotenburger Aaron Kruse tauscht die Schulbank gegen das Lehrerpult. Der frisch gebackene Abiturient unterrichtet elf Monate im Rahmen des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes Weltwärts Englisch an der No. 1 Senior High School in Wenxian (China). In der Rundschau berichtet Kruse alle zwei Wochen über das, was er dort erlebt.

Montag, 5. August: Meine Reise ins Unbekannte beginnt. Elf Monate China liegen vor mir, elf Monate neuer Begegnungen, elf Monate neuer Erfahrungen, aber auch elf Monate so unglaublich weit weg von Zuhause.

Über Hannover geht es für mich nach Amsterdam und von dort aus nach China. Nach einigen Komplikationen mit meinem Reisepass und einem gestrichenen Flug komme ich schließlich nach 24 Stunden Flug und mit viel zu wenig Schlaf in Nanjing, China, an.

Das erste, was mir entgegenkommt, als ich chinesischen Boden betrete, ist allerdings nicht mein Begrüßungskommando, sondern die unglaubliche Hitze und Luftfeuchtigkeit. Beides zusammen ist wahrlich eine fatale Kombination.

Nach kurzer Fahrt zum Hotel und einem kurzen Kennenlernen mit den anderen neun deutschen Freiwilligen ist der Moment gekommen, in dem ich das erste Mal die kulinarische Vielfalt Chinas erlebe.

Eine wahre Fülle an Speisen und Essgewohnheiten erwartet mich. So bestellen unsere chinesischen Verantwortlichen verschiedene Gerichte, die, anders als in Deutschland üblich, in die Mitte des Tisches auf eine Drehplatte gestellt werden. Die Folge ist ein heiteres Gezanke um die besten beziehungsweise exotischsten Stücke des Büfetts.

Neben allerlei fleisch- und fischhaltigen Gerichten gibt es diverse vegetarische Pendants. Varianten mit Lotusblumen und diversen Reisspeisen mischen sich mit bekannten Gemüsesorten wie Kartoffeln und Blumenkohl.

Das für mich zuvor noch kompliziert anmutende Essen mit Stäbchen geht mir schneller von der Hand als gedacht, sorgt allerdings nach wie vor für viele belustigte Blicke und Kopfschütteln an den Nachbartischen. Am Ende zählt nur eines: Ich bin bisher jedes Mal satt geworden.

Am ersten Abend spazieren wir durch den Stadtpark von Nanjing und sind sprachlos von den Menschenmassen, die sich gegen 21 Uhr Ortszeit noch auf der Straße vergnügen. Die Beobachtung wiederholt sich an den folgenden Abenden.

Anders als bei uns findet das Leben dort mehr in der Öffentlichkeit statt. Besonders die ältere Generation nutzt die Zeiten vor und nach dem normalen Tagesgeschehen, um etwas mit ihren Familien zu unternehmen. In den eigenen vier Wänden verbringen die Menschen offenbar die Zeit nur wenn es draußen zu kalt ist, oder zum Schlafen.

Im Park werden gemeinsam Tea-Times abgehalten, Feng-Shui praktiziert, es wird zusammen getanzt und unglaublich komplex anmutende Brettspiele praktiziert – ohne Außenstehende dabei auszugrenzen. Ich werde so einige Male zum Tanzen eingeladen, doch bislang halte ich mich noch zurück. Ich brauche Zeit, um wirklich in dieser völlig fremden Welt anzukommen. Die Menschen dort machen es mir leicht: Ein jeder freut sich, wenn ich mich als „Fremder“ in der Landessprache probiere und ist hilfsbereit.

In den folgenden drei Tagen besuchen wir einige Einrichtungen unserer christlichen Organisation in China. Neben der größten Bibel-Druckerei Chinas, betreibt sie einige inklusive Bäckereien im Großraum von Nanjing und Shanghai, in welchen die geistig Beeinträchtigten in den Arbeitsprozess als vollwertige Mitarbeiter eingebunden sind und ausgebildet werden. Wir werden herumgeführt, und die Mitarbeiter versuchen, uns mit Vorträgen ein Bild vom Einsatz der Organisation zu bieten.

Nach vielen leckeren Mahlzeiten fliegen wir schließlich mit allen deutschen Freiwilligen und einigen Mitarbeitern Richtung Norden in die Provinz Gansu, und dort in die Millionenstadt Jiuquan.

Wir erhalten seit drei Tagen Lehrertraining. Im sicheren Rahmen von Probeklassen, mit Schülern, die ihre Ferienzeit freiwillig opfern, um Kontakt zu Ausländern zu erhalten, die in dieser eher ärmlichen Region eine große Ausnahme darstellen. Anhand dieser Probeklassen sollen wir das Lehrersein kennenlernen. Eine echte Herausforderung für mich.

Anders als in der recht internationalen Stadt Nanjing, stehe ich als „Ausländer“ dort immer im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Ich werde häufig gefragt, ob von mir ein Foto gemacht werden darf, ich werde beobachtet und manchmal sogar heimlich fotografiert. Als wir auf einem öffentlichen Festival in der Innenstadt sind, entdecken wir uns plötzlich auf einer riesigen Leinwand neben der Bühne wieder. Es ist offenbar ein Zeichen von Prestige für ein Restaurant oder ein Festival, wenn die Inhaber und Veranstalter sagen können, sie haben internationale Gäste.

Ich musste mich daran gewöhnen, langsam beginnt es, mir Spaß zu machen, mit so wenig Aufwand den Menschen eine Freude zu bereiten. Ich bin mir natürlich bewusst darüber, dass es dabei nur um die Optik geht – Menschen wie mich sehen die Einheimischen eben selten. Ich falle auf.

Ich bin inzwischen eine Woche in China und spüre, dass ich schon ein wenig „eingetaucht“ bin in diese so andere und dabei sehr spannende Lebenswelt. Was ich bemerke: Wir werden überall freundlich und mit großem Interesse begrüßt. Viele Menschen versuchen, mit uns in Kontakt zu treten – meist versuchen sie es mit gebrochenem Englisch.

Noch bis Ende August läuft unser Lehrer-Training, doch ich spüre: In mir wächst bereits die Vorfreude darauf, Anfang September endlich an „meine Schule“ und in „meine Wohnung“ zu kommen. „Xièxie!“ – das bedeutet Tschüss.

• Wer das Projekt unterstützen will, meldet sich per E-Mail an aaron.kruse@yahoo.com oder telefonisch bei Vater Niels Kruse unter 0170/2227356. Spender erhalten auf Wunsch eine Spendenbescheinigung.

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