Rudolf-Schäfer-Haus: Neue Ausstellung, neue Broschüre, neues Licht - Von Judith Tausendfreund

Bewegung ohne Besucher

Es tut sich was unter dem eisernen Schild am Rudolf-Schäfer-Haus.
 ©Judith Tausendfreund

Unter dem Titel „Verwaiste Orte“ stellen wir regelmäßig beliebte Rotenburger Einrichtungen und Treffpunkte vor, die in diesen Tagen coronabedingt weitgehend menschenleer sind. Für den zwölften Teil haben wir uns beim Rudolf-Schäfer-Haus umgesehen.

Rotenburg. Die Türen des Rudolf-Schäfer-Hauses sind seit Monaten geschlossen, denn auch dieses kleine Museum darf aktuell keine Besucher einlassen. Doch hinter den verschlossenen Türen bewegt sich eine ganze Menge.

„Wir waren wirklich sehr aktiv“, schmunzeln Ernst-Ulrich Pfeifer, Ina Welzel und Susanne Petersen. Die drei Vorstandsmitglieder des dazugehörigen Rudolf-Schäfer-Vereins haben die Zeit des Lockdowns genutzt. „Wir haben eine neue Ausstellung vorbereitet – wenn es erst mal so weit ist, dass wir öffnen dürfen, dann sind wir sofort startklar“, berichtet Ina Welzel. Die Ausstellung präsentiert einige Werke von Traute Bornemann, einer früheren Lehrerin aus Rotenburg, „eine hochinteressante Frau“, so Welzel. Zu Lebzeiten wollte Bornemann keine Ausstellung ihrer Werke, sie habe diese als nicht gut genug empfunden, berichtet Welzel weiter. Die 1918 in Ostpreußen geborenen Rotenburgerin Bornemann hungerte nach dem Kriegsende nach Kunst und entdeckte damals Worpswede für sich als Inspiration. Viele Werke hat sie geschaffen, das Rudolf-Schäfer-Haus zeigte einige ausgewählte Exponate. Etwa dreimal im Jahr werden wechselnde Ausstellungen organisiert. Diese bleiben dann einige Monate im Haus, gleichzeitig sind dort als dauerhafte Ausstellung die Werke von Rudolf Schäfer zu sehen.

Seit einiger Zeit sind diese Werke nun auch digital in dem Portal „Kulturerbe Niedersachsen“ abgebildet, denn auch diese Idee konnte nun realisiert werden. „Das Ganze war ein aufwendiges Projekt, im Zuge dieser Digitalisierung mussten viele Details geklärt werden. Da ging es um Urheberrechtsverträge und vieles mehr, es steckt recht viel Arbeit dahinter“, erklären Pfeifer und Welzel. Eine weitere, ganz neue und druckfrische, kulturhistorische Annäherung an dessen Schaffen ist ebenfalls in den vergangenen Monaten entstanden: „Wir haben eine neue Broschüre erstellt“, berichtet Pfeifer. Diese sollte bewusst nicht kunst-, sondern kulturhistorisch betont sein, ergänzt Petersen. Knapp 50 Seiten sind es geworden, die Vereinsmitglieder sind schon mit einem Exemplar angeschrieben worden und wenn das Haus wieder öffnen darf, können alle Besucher für zwei Euro eine solche Broschüre erwerben. Doch damit ist die Liste der Aktivitäten des Vereins noch nicht zu Ende: Zusätzlich gibt es über kurz oder lang eine neue Beleuchtung in den Räumen des denkmalgeschützten Fachwerkhauses, welches 1675 erbaut wurde und die Fußgängerzone in Rotenburg bis heute ziert. Das Haus als solches ist eines der letzten kleinstädtischen Bürgerhäuser, wie sie für Rotenburg typisch waren. Rudolf Schäfer erwarb es 1911 vom Schneidermeister Johann Gerken und lebte dort bis zu seinem Tod 1961. Die Stadt übernahm das Haus 2011. „2013 bis 2014 wurde es saniert und damals wurden Lampen und Leuchten installiert. Allerdings haben wir im Laufe der letzten Jahre festgestellt, dass diese Beleuchtung eben nicht optimal ist“, erklärt Petersen. Mithilfe des Deutschen Verbands der Archäologie und mit Unterstützung durch die Stadtverwaltung konnte der Verein nun Fördergelder beantragen, um das Haus neu zu erleuchten. Insgesamt werden 17.000 Euro investiert, 15.000 davon konnten über die Förderung gewonnen werden, die Differenz übernimmt der Verein. „Wir setzen damit ein umfangreiches Projekt um, denn die Sache ist komplex. So darf das einzusetzende Licht nicht blenden, auch ökologische Aspekte werden in dem neuen Lichtkonzept berücksichtigt“, erläutern die Vorstandsmitglieder weiterhin. Um die Liste der vielen Aktivitäten noch zu erweitern, weiß Pfeifer von der holländischen Uhr zu berichten, die gerade beim Restaurator verweilt und bald wieder funktionieren wird. „Diese Uhr enthält viele kleine Figuren, vor allem die Kinder finden sie immer ganz großartig“, so Pfeifer. Alles insgesamt könne man sagen, das Haus sei fast schon ‘runderneuert’ worden – keine Frage, die ehrenamtlichen Liebhaber des Schmuckstücks in der Großen Straße 15 waren in den vergangenen Monaten fleißig. „Treffen untereinander waren nicht möglich, aber jeder hat sich um einige Dinge gekümmert und dann haben wir uns immer wieder untereinander ausgetauscht“, so das zufriedene Fazit. Für alle Rotenburger, aber auch für alle Gäste der Stadt wird es sich in jedem Fall lohnen, das kleine Museum zu besuchen, wenn dies wieder erlaubt ist.

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