„ROWdy“ Peter Pröhl gibt seine Kolumne in der Rundschau auf - Von Dennis Bartz

Ein für alle Mal Schluss

Peter Pröhl mit seinen "Schutzheiligen" im Rücken: In seinem Wohnzimmer hängen unter anderem Porträts von Thomas Mann, Theodor Fontane und Wilhelm Busch.
 © Foto: Dennis Bartz

Rotenburg. „Dieses Mal ist es ein Abschied für immer“, kündigt Rundschau-Kolumnist Peter Pröhl, alias „ROWdy“, an und stellt klar: „Einen erneuten Rücktritt vom Rücktritt wird es nicht geben.“ Im Februar 2018 hatte er sich schon einmal von den Rundschau-Lesern verabschiedet. Nachdem diese mit eigens verfassten Rundschlägen dagegen „protestiert“ hatten, schlug Pröhl noch einmal seine Kladde auf, und dichtete weiter. „Dass mich so viele Leser vermisst haben, hatte mich sehr berührt und schließlich dazu bewogen, doch noch einmal weiterzumachen“, erinnert sich der 85-jährige Rotenburger.

Und dieses Mal? „Meine Entscheidung ist endgültig. Mir sind inzwischen die drei Dinge abhandengekommen, die einen Satiriker ausmachen: nämlich Spontanität, Kreativität und Aggression.“ Pröhl, der lange für seine Streitlust bekannt war und von sich selbst sagt, er wäre früher schnell explodiert, ist ruhiger geworden.

Er spüre zudem die Folgen seines Alters und diverser Erkrankungen, die ihm immer mehr zu schaffen machen. Einen Schlaganfall hatte Pröhl, der immer viel Sport getrieben hatte, noch gut verkraftet, doch die Makuladegeneration, eine Erkrankung der Augen, schreitet voran und nimmt ihm seine klare Sicht. „In der Zeitung achte ich deshalb nur noch auf Überschriften und Bilder“, erklärt Pröhl, der außerdem an Polyneuropathie leidet, einer vielseitigen Nervenlähmung. Diese zwingt ihn immer häufiger dazu, sich mit Stöcken oder einem Rollator fortzubewegen. „Die Gefahr, dass ich stürze, wäre sonst zu groß“, so Pröhl, der wegen dieses Nervenleidens auch sein geliebtes Schwimmen aufgeben musste.

Im Becken des Ronolulu sowie bei seinen Touren mit dem Rad oder zu Fuß waren ihm oft die besten Ideen für seine Rundschläge gekommen. „Als ich nach Hause kam, waren meist schon die ersten drei von vier Strophen fertig. Ich habe sie ständig wiederholt, damit ich sie nicht vergesse. Meine Frau durfte mich damals nicht ansprechen, bis ich die Zeilen zu Hause notiert hatte.“

In letzter Zeit sei ihm die Auswahl der Themen jedoch immer schwerer gefallen. „Im Alter werde ich toleranter, womöglich sogar gleichgültiger – an dem, was in Rotenburg passiert, kann ich mich nicht mehr aufreiben“, erklärt Pröhl, der nach eigenen Worten mit großer Wehmut den Rundschlag aufgibt.

Vier Jahrzehnte lang hatte er zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk Rundschlag für Rundschlag geliefert, zum Teil sogar aus dem Krankenhaus. Er hatte dabei kein Blatt vor den Mund genommen. „Ich habe damit sicher dem ein oder anderen vor den Kopf gestoßen, aber entschuldigt habe ich mich nie“, sagt Pröhl und lacht.

Der ehemalige Lehrer ging seiner Streitlust bereits seit Frühjahr 1981 als „ROWdy“ nach: Zuvor veröffentlichte er ein Jahr „Jedermanns Meinung“ in der Kreiszeitung. Doch nach einem Streit mit dem zuständigen Redakteur war dort Schluss. Pröhl wechselte zur Rundschau – und fühlte sich dort sofort wohl. Ein passender Name für seine neue Kolumne war damals schnell gefunden, denn zur selben Zeit wechselte das Autokennzeichen von ROH für Rotenburg-Hannover in ROW für Rotenburg-Wümme. „Wir haben dann das ,dy’ angehängt und der ,ROWdy‘ war geboren.“ Das Pseudonym gefiel Pröhl auf Anhieb, denn „ein Satiriker ist schließlich jemand, der anderen auf den Schlips tritt“. Und das tat „ROWdy“, mal frech und mal ironisch. „Es war mir dabei aber immer wichtig, niemanden persönlich zu beleidigen. Und ich denke, das ist mir auch gelungen“, bilanziert Pröhl zufrieden.

Er setzte sich kritisch mit aktuellen Geschehnissen auseinander, nahm Lokalpolitiker aufs Korn und machte auch vor Machthabern wie Merkel, Trump, Erdogan und Putin nicht Halt. „Aber damit ist jetzt Schluss“, sagt Pröhl.

An der Wohnzimmerwand hinter seinem Sofa hängen Porträts seiner „Schutzheiligen“ Theodor Storm, Thomas Mann, Theodor Fontane und Wilhelm Busch. Die zahlreichen Regale biegen sich unter der Last von tausenden Büchern. Das Zimmer gleicht einer Bibliothek, obwohl Pröhl die Werke selbst nicht mehr lesen kann. Doch der Literatur bleibt er verbunden – sie wird ihm als Hörbuch vorgelesen. „Eine tolle Technik. Im Moment lausche ich ,Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit‘ von Johann Wolfgang von Goethe.“ Die ideale Lektüre für einen ROWdy im wohl verdienten Ruhestand.

• Für die Rundschau endet mit dem Abschied von Peter Pröhl, alias „ROWdy“, eine Ära. Wir werden in Zukunft aber nicht auf gereimte Worte verzichten. Wie es weitergeht, erfahren Sie in Kürze.

Rundschlag

Ein Grundsatz lautet: Es ist klar,
nichts bleibt so, wie es immer war.
Für alles gibt es eine Wende,
denn alles geht einmal zu Ende.

Das muss auch ROWdy hier bekennen
und will die Konsequenzen nennen.
Denn von dem Grundsatz, sagt er offen,
ist auch sein Rundschlag jetzt betroffen.

Drum kommt er hier zu dem Beschluss,
dass mit dem Dichten Schluss sein muss,
und legt nun, klar noch bei Verstand,
den Rundschlag-Griffel aus der Hand.

Er dankt hier allen, die seit Jahren
getreue Rundschlag-Leser waren.
Mag jemand anders nun agieren
und das Geschehen kommentieren!

ROWdy

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
 04261 / 72 -430
 dennis.bartz@rotenburger-rundschau.de

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