Rotenburger Kleiderkammer möchte Hemmschwelle abbauen - Von Dennis Bartz

Keine ollen Plünnen

Das Team der Kleiderkammer nimmt sich Zeit für Beratung: Uwe Ernst (von links), Linda Storch, Ira Wünning, Werner Fredebohm, Ute Marter, Elisabeth Gutsmann und Heinz-Günter Bargfrede.
 © Foto: Dennis Bartz

Rotenburg. Die Kleiderkammer des DRK in Rotenburg soll ihr Schattendasein beenden, im übertragenen genauso wie baldmöglichst auch im wörtlichen Sinn. „Wir möchten das Angebot bekannter machen“, sagt Werner Fredebohm vom DRK Ortsverein Rotenburg. Er rührt dafür die Werbetrommel und hofft zudem auf einen baldigen Umzug. „Die Räumlichkeiten, die wir derzeit haben, sind beengt, zu dunkel und alles andere als optimal für unsere Arbeit.“

Die Tür zur Kleiderkammer steht jedem offen, unabhändig von Alter, Geschlecht, Nationalität und Einkommen – vorausgesetzt, er ist in der Lage, die Treppe zu bewältigen. Denn die Kleiderkammer ist im Keller des DRK in der Brauerstraße untergebracht, einen Fahrstuhl gibt es nicht. Für Menschen mit Gehbehinderung oder im Rollstuhl ist das ein großes Problem: „Unsere Kleiderkammer ist leider nicht behindertengerecht“, so Fredebohm, der darauf drängt, dass bald eine Lösung gefunden wird.

Bis es soweit ist, kümmern sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter darum, dass auch Menschen mit Behinderung das breite Angebot an gespendeter Kleidung, Bettwäsche, Handtücher und vielem mehr nutzen können. „Wir stellen ihnen etwas zusammen und bringen es ihnen hoch. Das ist nicht optimal, aber so können wir uns helfen“, erkärt Mitarbeiterin Ute Marter.

„Wir wünschen uns künftig bessere Bedingungen“, betont Fredebohm und spricht damit seinem Team, das dort jeden Donnerstag in der Zeit von 8.30 bis 11.30 Uhr die Bürger empfängt, aus der Seele. Dienstälteste ist Linda Storch, die seit 18 Jahren dort tätig ist. Zum festen Stamm gehören außerdem neben Ute Marter auch Ira Wünning, Elisabeth Gutsmann und Uwe Ernst. „Die ehrenamtliche Arbeit macht uns Spaß. Wir helfen gerne und sind wie eine große Familie“, betont Storch.

In der Kleiderkammer erhalten Bürger Kleidung und Haushaltswaren aller Art. Auf den Regalen stapeln sich Hosen, Pullover und T-Shirts, außerdem Bettwäsche, Handtücher, Gardinen und vieles mehr. „Im Moment sind wir sehr gut bestückt“, freut sich Storch.

Etwa 20 Kunden kommen im Schnitt jeden Donnerstag. Da ist noch Luft nach oben, finden die Mitarbeiter und hoffen darauf, künftig noch mehr Bürger begrüßen zu können. „Ich sehe in der Innenstadt oft Menschen, die in alter, verschlissener Kleidung herumlaufen. Dabei gibt es bei uns viele tolle Stücke – und das kostenlos. Es gibt eine Hemmschwelle, die Kleiderkammer zu besuchen“, bedauert Storch. Dabei sei es ganz leicht, „Kunde“ zu werden: „Ein Personalausweis genügt. Wir füllen eine Karteikarte aus, und schon kann der ,Einkauf‘ beginnen.“

Jeder registrierte Nutzer darf einmal pro Monat Kleidung und Haushaltswaren aussuchen. Er erhält dafür eine Wanne, die er bis zum Rand füllen darf. Die Mitarbeiter notieren jeden Besuch, um Missbrauch zu verhindern: „In einem Fall haben wir unsere Kleidung auf einem Flohmarkt entdeckt. Seitdem passen wir noch besser auf“, so Fredebohm, der ein häufiges Missverständnis aufklärt: „Viele Menschen glauben, dass die Kleidung, die sie in die Container auf dem Gelände des DRK schmeißen, in der Kleiderkammer landen. Aber das ist falsch. Wir geben nur Kleidung heraus, die direkt an uns gespendet wurde.“ Mitarbeiterin Storch ergänzt: „Und die ist top. Wir haben Markenkleidung für die ganze Familie, außerdem häufig sogar Geschirr, Schulranzen, Kinderwagen und vieles mehr“, so Storch.

Sobald mehr Kunden kommen, möchte Fredebohm das Angebot ausbauen. „Für eine Kreisstadt wie Rotenburg ist ein Tag pro Woche in meinen Augen zu wenig. Wir werden im Ortsverein darüber beraten, ob wir mindestens einen weiteren Tag öffnen. Aber das ist natürlich eine Frage des Personals.“

„Es macht uns Spaß, Menschen neu einzukleiden“, sagt Storch und erinnert sich gerne an eine Geschichte, die ihr besonders zu Herzen gegangen war. „Zu uns kam ein Mann, der zu einer Hochzeit eingeladen war, aber nichts Passendes dafür im Kleiderschrank hatte. Den haben wir alle zusammen eingekleidet – der war am Ende bestimmt hübscher als der Bräutigam“, sagt Storch und lacht.

Um noch mehr Menschen zu erreichen, möchte Fredebohm auch den Namen „Kleiderkammer“ zur Diskussion stellen: „Das klingt mir zu sehr nach Nachkriegszeit.“ Laut DRK-Sprecher Dieter Schütz wäre eine Umbenennung kein Problem: „Es steht Orts-, Kreis- und Landesverbänden weitgehend frei, ihre Einrichtungen umzubenennen.“

Die Geschichte der Kleiderkammer

Bereits während des Ersten Weltkriegs sammelte das Rote Kreuz im großen Stil Altglas, Altpapier, Bekleidung und Stoffreste. Gebrauchte Kleidung war sowohl beim Donauhochwasser 1954 wie bei der Sturmflut in Hamburg acht Jahre später ein wichtiges Hilfsgut für die Betroffenen. 1964 führte die Firma Efiba als Vertragspartner des DRK die erste großflächig organisierte Kleidersammlung durch. 1967 wurde das Thema Altkleidersammlungen erstmals in den Präsidiumssitzungen behandelt. In den 1980er-Jahren avancierte die Altkleidersammlung dann zu einer der geläufigsten Aktivitäten des Roten Kreuzes. Bundesweit gibt es heute etwa 700 Kleiderkammern und 250 Kleidershops.

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
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 dennis.bartz@rotenburger-rundschau.de

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