Rotenburg muss fünf Brücken komplett erneuern - VON GUIDO MENKER

Beton statt Holz

Für die Brücke "Ochsenwiese" gibt es noch eine Galgenfrist. Sie wird 2025 erneut geprüft. Foto: Menker
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Rotenburg – Fast eine Million Euro muss die Stadt Rotenburg in diesem sowie in den kommenden zwei Jahren für die komplette Erneuerung von fünf städtischen Brücken in die Hand nehmen. Allein in diesem Jahr geht es um 300 000 Euro für die dafür erforderlichen Planungsarbeiten. Das erklärt Beate Behrens als zuständige Fachfrau im Rotenburger Bauamt auf Anfrage.

„Sobald der Haushalt genehmigt ist, können wir den Planungsauftrag vergeben“, sagt Behrens. Zu planen sind die Neubauten der Brücke „Krummer Weg“ in Mulmshorn sowie für die Brücken „An den Wiedauwiesen“, „Dr.-Walter-Mecke-Damm“, „Am Schlossberg / Mühlenstreek“ und „Hinter der Klinik“. In allen Fällen sollen die Brücken in Betonbauweise erneuert werden. Damit verliert die Stadt vier bekannte und stark genutzte Holzbrücken. Eine Frage ist dabei noch nicht ganz geklärt: Beschränkt sich die Planung auf Beton nur für das Ständerwerk, oder betrifft das auch den oberen Aufbau?

„Das müssen wir am Ende mit dem Planer besprechen, aber ich plädiere für komplette Betonbrücken“, erläutert Beate Behrens ihr Anliegen. Grund: „Wir müssen zwar mehr investieren, aber diese Variante hat einfach eine längere Lebensdauer.“ Unter dem Strich ließen sich somit also auf lange Sicht Kosten einsparen. Problem: Die Beton-Variante müsste im Vorfeld mit dem Landkreis als Untere Naturschutzbehörde besprochen werden.

Im Fall „Krummer Weg“ in Mulmshorn handelt es sich nicht um eine Holzkonstruktion, sondern um eine Brücke, die im Laufe der Zeit erst nach und nach zu dem geworden ist, was sie heute darstellt: Eine Brücke nämlich, der das Stückwerk deutlich anzusehen ist und die schon jetzt nur noch mit maximal 3,5 Tonnen Gewicht belastet werden darf. Beate Behrens: „Das ist im Fall der Landwirtschaft eine Katastrophe.“ Fakt ist: Die Brücke ist bei einer der obligatorischen Prüfung mit einer Note von 3,4 bewertet worden. Behrens: „Eine Vier ist das schlechteste Ergebnis.“ Mit anderen Worten: Es besteht Handlungsbedarf.

Das gilt auch für die anderen vier Brücken im Stadtgebiet – allesamt Holzkonstruktionen. Ihre Bewertungen liegen im Bereich zwischen 2,5 und 3,4. „Auf Sicht muss da etwas passieren, denn sie werden auch mit Reparaturen nicht mehr dauerhaft so bleiben können.“ Beton statt Holz – es geht ums zukunftsgerechte Denken und nicht zuletzt auch um Sicherheit. Diese steht vor allem bei Nässe – also vom Herbst an bis ins Frühjahr hinein – auf der Kippe. Die Fahrbahnen werden schmierig bis glatt. Das macht es für Radfahrer und Fußgänger schwierig. Außerdem setzt die Feuchtigkeit im Laufe der Zeit der Holzkonstruktion zu: Die Brücken hinterm Ronolulu sowie hinter dem Gelände der Rotenburger Werke waren in den vergangenen Jahren schon in einem Zustand, der eine Sperrung und zeitnahe Reparatur erforderlich machte. „Das verursacht Kosten, verlängert die Lebensdauer der Brücken aber nicht wesentlich“, so Behrens. Deshalb ist nun der Zeitpunkt gekommen, sich für die große Lösung zu entscheiden.

Die Stadt Rotenburg hat es mit insgesamt 25 Brücken zu tun, die in ihren Zuständigkeitsbereich fallen – zwei in Waffensen, jeweils drei in Unterstedt und Mulmshorn sowie 17 im Stadtgebiet. In neun Fällen handelt es sich um bereits bestehende, aber eben auch betagte Betonbrücken. Hier und da bröckelt das Material, es gibt stellenweise Risse. „Sie sind alle nicht mehr taufrisch“, fasst Beate Behrens zusammen, ohne aber selbst den Zustand der Bauwerke beurteilen zu können. Dafür sind externe Experten zuständig. Und die wird die Stadt in diesem Jahr ebenfalls für einen Check beauftragen. Weitere 50 000 Euro sind dafür im Haushalt eingeplant, der am Mittwoch im Stadtrat zur Verabschiedung auf dem Tisch der Kommunalpolitik liegen wird.

Erst danach wird sich herausstellen, ob und in welchem Umfang Sanierungen oder gar Neubauten erforderlich sind, um die Sicherheit auf Dauer gewährleisten zu können. Da geht es um die Standfestigkeit, um den Zustand des Materials, um das zulässige Gesamtgewicht und die Statik. Aber auch das Geländer nehmen die Prüfer unter die Lupe, sie richten ihren Blick darüber hinaus auf die Fugen sowie etwaige Verschraubungen. Mit großem Aufwand verbunden ist dieser Check bei Bahnbrücken. „Das erfordert einen Antrag bei der Bahn, und für die Prüfung gibt es nur zugewiesene Zeitfenster in der Nacht“, so Behrens.

Es gibt also allein an den Brücken viel zu tun. Doch von einem Sanierungsstau will die Mitarbeiterin im Bauamt nicht sprechen. Alle großen Prüfungen seien durchgeführt worden. Und doch ist es mit den Maßnahmen allein nicht getan. Für die nächste große Überprüfung aller Brücken wird sich etwa zeigen, ob die Brücke zwischen den IGS-Standorten Gerberstraße und in der Ahe („Ochsenweide“) auch zu ersetzen ist.

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