Rosi Holzer-Flatow spendet Handarbeiten an das Kinderhospiz - Von Dennis Bartz

„Der Austausch fehlt mir“

Rosi Holzer-Flatow stickt und häkelt jeden Abend für vier bis fünf Stunden: Etwa eine Woche dauert es, bis Biene Maja oder Willi fertig ist.
 ©Foto: Dennis Bartz

Westerholz. Nach dem Weihnachtsbasar ist vor dem Weihnachtsbasar. Das ist so etwas wie die Handarbeits-Weisheit von Rosi Holzer-Flatow aus Westerholz. Und deswegen strickt und häkelt die 69-Jährige das gesamte Jahr: Abend für Abend, vier bis fünf Stunden am Stück vor dem Fernseher. „Meist laufen nebenbei Heimatfilme“, erzählt sie.

Die 69-Jährige hat auf dem traditionellen Weihnachtsmarkt der Rotenburger Werke immer einen kleinen Stand mit selbst gestrickten und -gehäkelten Figuren, Socken und Topflappen. Und weil die ehemalige Mitarbeiterin bei vielen Kollegen und Bewohnern noch immer bekannt ist, ist bei ihr stets eine Menge los. „Ich mag die Atmosphäre dort. Dann heißt es ,Hallo Rosi!‘ hier und ,Hey Rosi!‘ da. Man trifft so viele nette Leute“, berichtet Holzer-Flatow.

Doch dieses Jahr musste der beliebte Basar, der Jahr für Jahr weit mehr als 1.000 Besucher anlockt, Corona-bedingt genauso ausfallen wie der Weihnachtsmarkt in ihrem Heimatort, an dem sie sich gerne beteiligt. „Das ist mir wie den meisten Ausstellern sehr schwergefallen. Nicht wegen der Einnahmen, denn ich bekomme ja kaum mehr als meine Materialkosten raus. Bis so eine Figur wie die Biene Maja fertig ist, kann das schon mal eine Woche dauern, die Arbeitszeit kann ich gar nicht mit einrechnen. Ich genieße einfach den Austausch, das fehlt mir in diesem Jahr sehr“, betont Holzer-Flatow, die ihre Leidenschaft für Handarbeiten bereits im Jugendalter entdeckt hat und ihre Familie gerne mit Socken ausstattet. Früher auch mit Pullovern für den Mann und die Kinder: „Die sind dann alle im Einheitslook unterwegs gewesen“, erinnert sich Holzer-Flatow und lacht.

Für die lebensfrohe und kontaktfreudige Rentnerin war es ein „blödes Jahr, besonders wegen des Gefühls von Eingesperrtsein. Ich habe mich zurückgezogen. Auch auf meine Reise an die See habe ich lieber verzichtet. Ich bin zwar gesund, aber auch in einem Alter, in dem man besonders vorsichtig sein sollte. Zum Glück habe ich eine große Familie. Wir haben uns gegenseitig unterstützt. Und das werden wir auch an Weihnachten so machen, selbst wenn die große Feier leider ausfallen muss. Aber mir geht es gut. Mir tun viel mehr die Alleinstehenden leid, und natürlich die Menschen in den Seniorenheimen. Für sie ist es in diesem Jahr besonders hart“, sagt Holzer-Flatow.

Obwohl alle Märkte ausgefallen sind, hat die gebürtige Rotenburgerin in dieser Adventszeit einige Handarbeiten verkauft, Anfragen kamen meist telefonisch oder per WhatsApp. Fertige Stücke hatte sie ihrem Status geteilt. „Aber das ist nicht dasselbe. Dann werden die Sachen an der Haustür abgeholt und man kommt gar nicht richtig ins Gespräch. Und ich stricke sogar noch mehr als in den Vorjahren, denn es gibt ja viele Einschränkungen und ich bin deshalb häufiger alleine.“

In ihrer Wohnung, die sie weihnachtlich dekoriert hat, stehen so noch immer allerhand fertige Stücke, beinahe täglich kommen neue hinzu. Bald verschwinden davon einige im Karton. Denn von ihrer Leidenschaft soll erneut das Kinderhospiz Löwenherz in Syke profitieren, an das sie bereits im vergangenen Jahr einige Handarbeiten gespendet hat. „Ich mache denen gerne wieder eine kleine Freude“, sagt Holzer-Flatow.

Für 2021 hofft sie darauf, dass die Impfungen den gewünschten Erfolg zeigen, ein Stück Normalität in den Alltag zurückkehrt und Ende des Jahres dann auch wieder Weihnachtsmärkte stattfinden können. Holzer-Flatow will dann bestens vorbereitet sein: Dafür greift sie auch heute Abend wieder zu ihrem Strickzeug.

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
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 dennis.bartz@rotenburger-rundschau.de

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