Rat der Stadt stimmt über IGS-Antrag auf eigene Oberstufe ab - Von Sünje Loës

Abschluss im zweiten Anlauf?

Regina Schütz (von links), Cornell Nordt, Marje Grafe, Hans Bonhof und Sven Thiemer kämpfen für die Oberstufe an der IGS in Rotenburg.
 © Foto: Sünje Lou00ebs

Rotenburg. Als die Integrierte Gesamtschule im vergangenen Jahr mit ihrem Versuch, eine eigene Oberstufe einzurichten, im Stadtrat an einer skeptischen Mehrheit scheiterte, herrschte große Enttäuschung. Doch nach einem kurzen Schreck fanden sich schnell engagierte Eltern, die den Kopf nicht in den Sand stecken wollten. Nach Monaten intensiver Arbeit in einem eigens gegründeten Arbeitskreis wagen sie nun einen neuen Versuch. Am kommenden Donnerstag entscheidet Stadtrat erneut darüber, ob die Einrichtung einer Oberstufe bei der Schulaufsichtsbehörde beantragt werden soll.

„Als die Oberstufe abgelehnt wurde, haben wir das erst gar nicht verstanden“, so Cornell Nordt aus der Elternschaft. „Außerdem haben wir festgestellt, dass die Debatte die ganze Stadt in zwei Lager teilt. Wir haben uns gefragt: Weshalb ist das überhaupt so?“ Mit dieser Frage im Hinterkopf beschäftigte sich die Arbeitsgruppe in einem ersten Schritt mit der Kritik, die seitens der Skeptiker immer wieder formuliert wurde.

Im zweiten Schritt erstellte die Gruppe ein vorläufiges Konzept, damit die Ratsmitglieder ebenso wie die Bürger der Stadt einen Eindruck davon bekommen, was an der IGS umgesetzt werden soll. Zum Schluss folgte das Angebot an alle Mitglieder im Rat, ihnen das Ergebnis der monatelangen Bemühungen vorzustellen, ebenso den Berufsbildenden Schulen und dem Ratsgymnasium. Die Schulen fürchten, dass für eine weitere Oberstufe in Rotenburg nicht genug Schüler zur Verfügung stehen.

Diesen Bedenken traten die Vertreter des Arbeitskreises entschlossen entgegen. Auf Basis der Zahlen der Schüler, die nach einem Realschulabschluss in den vergangenen Jahren auf die BBS oder das Ratsgymnasium wechselten, ließe sich die Sorge nicht nachvollziehen, so Sven Thiemer, Schulleiter der IGS.

Einer der Gründe dafür liege in dem unterschiedlichen Klientel, das beispielsweise BBS und eine allgemeinbildende Schule ansprächen, so das Ergebnis des Arbeitskreises.

Von den 200 BBS-Schülern eines Abiturjahrganges kamen demnach in den vergangenen Jahren im Schnitt 37 Schüler als Absolventen von der Realschule, alle anderen Schüler kamen aus dem weiteren Umland, nach einer Ausbildung oder weil der besondere Reiz einer Europaschule sie lockte. An das Ratsgymnasium sogar deutlich weniger. „Dort kann ich keine Konkurrenz entdecken“, so Sven Thiemer.

Es sei nicht damit zu rechnen, dass sich das Angebot in Rotenburg so stark verringern würde, wie durch die Schulvertreter jeweils befürchtet und kommuniziert, so das Fazit des Arbeitskreises. Zudem würde bei einem Antrag die Schulbehörde prüfen, ob die Schülerzahl in Rotenburg ausreicht, um eine weitere Oberstufe zu genehmigen. „Das kann die Stadt gar nicht entscheiden. Am Donnerstag geht es nur darum, ob wir überhaupt einen Antrag stellen können. Wenn nicht genug Schüler da sind, erteilt die Behörde auch keine Genehmigung“, stellt Sven Thiemer klar.

Nordt ergänzt: „Es geht uns nicht darum, den anderen Schulen Konkurrenz zu machen, aber das Konzept einer Integrierten Gesamtschule fußt auf der guten Mischung von Schülern aller Leistungsstufen. Die schwächeren Schüler profitieren von den stärkeren, in dem diese ihnen den Stoff erklären, die stärkeren Schüler erlangen dadurch selbst ein tieferes Verständnis. Wenn eine dieser Gruppen wegfällt, weil sie keinen ihren Fähigkeiten angemessenen Abschluss an der Schule erlangen kann, dann funktioniert das Konzept nicht.“ Eltern erkennen dieses Problem und wählten somit für Kinder, denen ein Abitur zugetraut wird, lieber eine Schule mit Oberstufe, um einen späteren Wechsel zu vermeiden.

Das spiegelt sich in den Zahlen wider: Nach der Ablehnung der Oberstufe im vergangenen Jahr ging die Zahl der Anmeldungen für die fünfte Klasse bereits deutlich zurück. Die Befürchtung der Mitglieder der Arbeitsgruppe: Ein zeitlicher Aufschub für die Einrichtung einer Oberstufe würde faktisch das Aus für die IGS bedeuten und aus ihr eine Oberschule machen, in der nur Haupt- und Realschüler gemeinsam lernen.

Die Verknappung des Schulangebots sei in keinem Fall in ihrem Interesse, betont Elternvertreterin Marje Grafe. In ihrem Konzept habe die IGS großen Wert darauf gelegt, die Gegebenheiten Rotenburgs im Auge zu behalten. Neben den beiden Pflichtzweigen, dem sprachlichen und dem naturwissenschaftlichen Schwerpunkt, den jede Schule anbieten muss, möchte die IGS sich vor allem auf einen Sportzweig konzentrieren, der in Rotenburg bisher gar nicht angeboten wird.

Die IGS möchte durch weitreichende Kooperationen möglichst viele Kurse ermöglichen. So könnten Schüler des Ratsgymnasiums das Sportangebot der IGS wahrnehmen und Schüler der IGS das Angebot des Ratsgymnasiums nutzen, so wie das in vielen Städten wie beispielsweise Kiel und Schleswig seit Jahrzehnten Gang und Gäbe ist.

„Dieser Austausch verbreitert das Angebot für die Schüler und ermöglicht den jeweiligen Schulen am Ende ebenso viel, wenn nicht mehr Kurse anzubieten“, ist sich Thiemer sicher.

Ähnliche Kooperationen seien auch mit den Berufsbildenden Schulen denkbar. Ziel sei es, jedem Kind die passende Schulform anbieten zu können.

22.10.2019

Erntefest Jeersdorf

22.10.2019

Erntefest Helvesiek

18.10.2019

Kraniche im Tister Bauernmoor

18.10.2019

Erntefest Westerholz