Polizei verzeichnet in dieser Woche keine Verstöße gegen Ausgangsbeschränkung - Von Dennis Bartz

Draußen tobt nur Eugen

Nachts sind in der Fußgängerzone von Rotenburg wenige unterwegs u2013 und wenn, dann dürfen sie das auch. In diesem Fall sogar zusammen.
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Rotenburg – Acht Grad Celsius, dazu Sturmböen und immer wieder starke Regenfälle. Tief Eugen macht es den Menschen im Landkreis Rotenburg in dieser Woche leicht, sich an die nächtliche Ausgangssperre zu halten. Ohne triftigen Grund wagt sich bei diesem Schmuddelwetter ohnehin kaum jemand freiwillig vor die Haustür.

Landrat Hermann Luttmann (CDU) hatte Ende vergangener Woche den Landkreis Rotenburg zur Hochinzidenzkommune erklärt und eine entsprechende Allgemeinverfügung erlassen (Infokasten), nachdem am Samstag der Inzidenzwert 100 an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschritten worden war.

Als Folge dürfen sich in der Zeit von 22 Uhr bis 5 Uhr seit Wochenbeginn nur Personen draußen aufhalten, die dafür einen wichtigen Grund haben und dies nachweisen können – zum Beispiel durch eine Bescheinigung des Arbeitgebers, außerdem bei gesundheitlichen Notfällen.

Joggen und Spaziergänge sind noch bis Mitternacht erlaubt. Von diesem Recht machen aber nur wenige Menschen Gebrauch, wie ein Rundgang der Rundschau zeigt. Der Pferdemarkt wirkt am späten Abend verwaist, das fahle Licht in der verlassenen Fußgängerzone böte eine perfekte Kulisse für einen Krimi, nur hin und wieder huscht ein Auto durch die Kreuzung am Ärztehaus und ein Zug durch den Bahnhof. Ansonsten sind keine Menschen unterwegs.

Diesen Eindruck bestätigen die Polizeioberkommissarin Christina Borde und Polizeikommissar Joshua Könenkamp, die in dieser Nacht für den Streifendienst eingeteilt sind. „Es ist deutlich weniger Verkehr als in normalen Nächten. Die meisten Menschen halten sich offenbar an die Vorschriften. Alle Personen, mit denen wir gesprochen haben, waren dazu berechtigt, unterwegs zu sein. Wir mussten deshalb noch kein Bußgeld verhängen“, so Könenkamp.

Er und Kollegin Borde bilden eine „Gefahrengemeinschaft“ bei der Polizei und sind deshalb von der Maskenpflicht befreit, wenn sie zusammen im Streifenwagen unterwegs sind. „Das ist für uns eine große Erleichterung. Mit festen Teams reduzieren wir die Gefahr von unkontrollierten Ansteckungen“, erklärt Könenkamp die Vorsichtsmaßnahme.

Nach den ersten Nächten sind die beiden Polizisten nach eigener Aussage „positiv überrascht“ darüber, dass sie noch nicht eingreifen mussten, denn die Erwartungen waren andere: „Wir hatten im Vorfeld damit gerechnet, dass mehr Menschen unterwegs sein werden. Denn das Verständnis für die Maßnahmen lässt insgesamt etwas nach. Das merken wir unter anderem daran, wie die Leute uns begegnen. Wenn wir tagsüber freundlich auf die Maskenpflicht hinweisen, fällt die Reaktion inzwischen oft gereizt aus. Viele Menschen verlieren die Geduld und wünschen sich Normalität zurück“, so Borde.

Ihr Kollege Könenkamp ergänzt: „Bürgern fällt es zum Teil schwerer, die Maßnahmen mitzutragen, wenn die Infektionszahlen trotz der Einschränkungen weiter steigen. Sie reagieren häufig genervt auf Kontrollen, die wir durchführen und hinterfragen, ob wir überhaupt das Recht dazu haben. Das führt dann leider regelmäßig zu Diskussionen. Besonders bei alkoholisierten Personen oder Gruppen von Jugendlichen ist die Kommunikation mitunter schwierig. Wir werden bei Kontrollen auch häufiger von Unbeteiligten angesprochen, die Kritik an unserem Vorgehen äußern.“

Dazu tragen auch Beiträge im Internet bei, glaubt Könenkamp: „Diese sind oft sehr einseitig und vermitteln in meinen Augen ein falsches Bild. Manchmal muss die Polizei einfach konsequent sein. Dass dies dann für Außenstehende schwierig zu beurteilen ist, weil sie nicht wissen, was vorgefallen ist, verstehe ich“, so Könenkamp.

Besonders das Hin und Her bei der Maskenpflicht in der Fußgängerzone habe dazu geführt, dass sich einige Menschen unwissentlich falsch verhalten. „Dann suchen wir freundlich das Gespräch, klären auf und drücken in der Regel ein Auge zu, wenn wir dabei auf Verständnis und Einsicht stoßen. Dieses Vorgehen erleichtert uns die Arbeit. Wir hoffen, dass die Menschen weiter durchhalten. Aufgrund der Impfungen ist ja Licht am Ende des Tunnels“, glaubt Borde.

Dass die Vorgaben und Corona-Regelungen nicht immer so reibungslos umgesetzt werden wie in den vergangenen Nächten, zeigt ein Blick zurück in den Sommer 2020. „Bei schönem Wetter war in der Stadt deutlich mehr los und wir mussten häufiger eingreifen, auch bei privaten Partys. Besonders der Pferdemarkt war dann ein beliebter Treffpunkt, den wir deshalb häufiger kontrolliert haben. Wir kennen die Ecken, in denen sich Gruppen gerne treffen. Wir fahren aber genauso in den Ortschaften Streife“, berichtet Könenkamp.

Dabei sei die Vorgehensweise auch jetzt klar: vermehrte Kontrolle ja, aber weiterhin mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl. „Wir sprechen Personen immer freundlich an und greifen nur dann durch, wenn es nicht anders geht. Wenn mehrere Personen in einem Fahrzeug unterwegs sind, schauen wir genau hin und kontrollieren diese eher als Einzelpersonen“, erklärt Borde.

Es ist bereits einige Minuten nach Mitternacht, als eine ältere Dame auf der Geranienbrücke zu sehen ist. Sie hat ihren Mantel tief ins Gesicht gezogen und trägt eine Mütze. Sie läuft zügig voran, ihr Dackel trabt langsam hinterher. Sie wisse von der Ausgangssperre und befürworte diese, erklärt die 83-jährige Rotenburgerin: „Ich muss nachts aber mit Gina raus, weil sie in ihrem hohen Alter sonst nicht durchhält. Mir tut es auch gut, weil ich eine schlechte Schläferin bin. Es ist weniger los als sonst, das finde ich toll. Ich fühle mich sicherer auf den Straßen.“

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