„Padam“-Chef Michel Marboeuf und der Rückzug vom Rückzug - Von Ann-Christin Beims

„Das ist irre“

Michel Marboeuf hat sich erweichen lassen und verschiebt seinen Ruhestand den Tanzbegeisterten zuliebe nach hinten - zumindest teilweise. Foto: Ann-Christin Beims
 ©Ann-Christin Beims

Riepe. Es ist die Ruhe, die einem sofort auffällt, wenn man auf die Holperstraße zum kleinen Örtchen Riepe abbiegt. Doch sie ist trügerisch, denn das Vogelgezwitscher wird nicht nur von den vorbeifahrenden Zügen unterbrochen: Am Wochenende wird Riepe bekanntermaßen zur Pilgerstätte des Partyvolkes aller Altersklassen. Dort, wo der „königliche“ Stein die Auffahrt bewacht, liegt eine der kultigsten Discos des Umkreises: das Padam. Dessen Pforten sollten im Juni für immer schließen, doch dagegen liefen die Besucher Sturm – mit Erfolg.

Das in der Lokalität sein Herzblut steckt, merkt man sofort: Besitzer Michel Marboeuf liebt seinen Job und das alte, reetgedeckte Fachwerkhaus, in dem so viele Erinnerungen stecken. Beim Erzählen gerät er schnell ins Schwärmen über die vergangenen 33 Jahre. Das Padam ist schon etwas Besonderes, erzählt er, „es hat Geschichte geschrieben“. Nun sollte damit Schluss sein. Bereits im vergangenen Jahr hatte er im Gespräch mit der Rundschau erklärt, dass er mehr Zeit für seine Lebensgefährtin, aber auch mehr Zeit für sich selbst haben wolle. „Ich möchte mehr meditieren, spazieren, es ist genug“, bekräftigt Marboeuf auch jetzt noch. Die Zeit für Privates ist ihm besonders wichtig, denn „niemand weiß, wie lange er hat“.

Doch aus dem Plan wird vorerst zumindest teilweise nichts. Viele Nachtschwärmer hatten Marboeuf gebeten, den Tanzpalast weiterhin zur Verfügung zu stellen. „Junge Leute haben mir erzählt, dass schon ihre Omas im Padam tanzen gegangen sind und sie dies auch möchten – das ist irre“, ist Marboeuf geschmeichelt. Durch die verstärkten Nachfragen hat er sich nun entschlossen, einen Mittelweg zu finden. Seine Lebensgefährtin hat ihn auf die Idee gebracht, den Laden in reduzierter Form weiter zu öffnen. „Ich mache noch weiter, aber ab Juni nur noch einmal im Monat“, sagt Marboeuf, „ich habe gute Leute, die mit mir arbeiten, dann schaffe ich das.“ An jedem ersten Wochenende im Monat wird es freitags die Party für die jüngere Generation geben, samstags die gewohnte Oldie-Night – „da gehen auch weniger Gläser kaputt“, erklärte Marboeuf mit einem Grinsen. Samstags will er weiterhin selbst hinter dem Plattenteller stehen: „Die Beatles, die Stones, es ist Musik für jeden dabei, und dieser Mix kommt immer gut an.“ Die Musik hat sich zwar im Laufe der Zeit verändert und dem Geschmack angepasst, doch eines hat sich in all den Jahren nicht verändert: „Besonders unter dem älteren Publikum ist es wie in einer großen Familie, man kennt sich.“ Das ist einer der Faktoren, die ihn bewogen haben, noch eine Zeit lang weiterzumachen. Denn im Gegensatz zu anderen Stationen seines Lebens hat er in der Umgebung viele positive Erfahrungen gesammelt. „Wie du hier mit den Leuten umgehst, das macht den Unterschied. Das habe ich in Frankreich anders erlebt“, wirft Marboeuf einen Blick zurück in seine Vergangenheit, die ihm prägende, aber lehrreiche Erlebnisse beschert hatte. Den Vorurteilen, denen er andernorts begegnete, war er in Riepe und Umgebung nicht ausgesetzt. In Riepe fühlt er sich zu Hause und diesen Gedanken möchte er seinen Gästen vermitteln. Auch seine Ideen-Fundgrube ist noch lange nicht abgestellt, denn Marboeuf hat neue Pläne für die Gestaltung seines Padams. „Ich möchte draußen umbauen, einen Garten schaffen“, erzählt er. Im Laufe der kommenden Monate soll ein weiterer gemütlicher Ort entstehen, eine Ausweitung des Lokals. Im Winter sollen Lichter und Glühwein für entspannte Stimmung sorgen. Die nötigen Umbauten will er in Eigenregie machen, so wie er bereits vieles seit dem Beginn 1984 an dem Gebäude selbst renoviert hat. Auf Hilfe muss er dabei dennoch nicht verzichten, denn „jeder hilft hier jedem, viele Leute haben mir Sachen gezeigt, die ich dann selber machen konnte“, zeigt sich Marboeuf dankbar. Das Padam bleibt also weiterhin ein Ort, an dem „alle willkommen sind und miteinander feiern, der Arzt neben dem Tischler und der Landwirt neben dem Politiker“, betont Marboeuf . „Ich mache weiter – aus Liebe und als Danke an meine treuen Gäste.“

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