Orgelnacht in Rotenburger Stadtkirche am 1. Oktober - VON ANDREAS SCHULTZ

Liegen mit Vierne

Beim Testliegen in der Hängematte: Simon Schumacher, Kantor Stadtkirche Rotenburg, freut sich auf das Orgelkonzert in der Stadtkirche.
 ©Andreas Schultz

Rotenburg – Kreiskantor Simon Schumacher wirkt entspannt – und das liegt nicht allein daran, dass er sich noch einmal fürs Foto in die Hängematte legt, die im Kirchenschiff der Stadtkirche steht. Es ist eher die Sicherheit: Das Louis-Vierne-Projekt in Niedersachsen, das einige bereits als Kirchenkonzertreihe unter dem Titel „KathedralKlangKosmos“ kennen dürften, erreicht am Freitag, 1. Oktober, auch Rotenburg.

Schumacher ist erleichtert, dass es trotz Pandemiegeschehen wieder klappt mit der Musik. „Wir sind total froh darüber. Letztes Jahr mussten wir das wegen der Pandemie verschieben. Jetzt, da es wieder geht, wollen wir möglichst viele erreichen“, sagt er. Der Kirchenmusiker rechnet damit, dass sich über den Abend verteilt 30 bis 80 Zuschauer in der Stadtkirche einfinden werden, vielleicht auch mehr, denn: „Der Kulturhunger ist einfach spürbar“.

Den wollen die sechs Kirchenmusiker der teilnehmenden Städte auf besondere Weise stillen, und zwar mit Werken des von 1870 bis 1937 lebenden Komponisten Louis Vierne. Sie spielen zwischen 17 und etwa 23 Uhr sechs Sinfonien á rund 45 Minuten auf der großen Klais-Orgel.

Die wird vor Ort übrigens liebevoll „Madam Klais“ genannt, wie Schumacher durchblicken lässt. Er selbst spielt das erste Stück an diesem Abend. Drei Intermezzi liefert Volker Hagedorn zwischendurch, er wird den Gästen Hintergrundinfos liefern: „Es geht um Historisches, um den neuen Eiffelturm, die damals noch nicht so lange genutzte Elektrizität. Volker Hagedorn vermittelt ein Gefühl für die Epoche, verhilft dazu, eigene Bilder und Vorstellungen zu entwickeln – und das macht er ganz fantastisch“, sagt Schumacher. Zwischendurch gibt es Pausen, aller Wahrscheinlichkeit nach mit der Möglichkeit, vor der Kirche etwas zur Stärkung zu kaufen und zu sich zu nehmen.

Normalerweise fokussieren sich Kirchenkonzerte auf eine Sinfonie, erklärt der Kreiskantor. Mit dem Spielen von sechs Sinfonien erlauben die Organisten den Zuhörern, die Entwicklung des Komponisten Vierne nachzuvollziehen, welchen Einfluss zum Beispiel der Erste Weltkrieg auf seine Arbeit hatte.

Abrunden wollen die Veranstalter das Paket mit mehr Komfort: Im Kirchenschiff steht eine Handvoll bequemer Sitzmöbel, Sofas, Hängematten, Strandliegen. Das kommt insbesondere denen zugute, die mehr als nur eine Sinfonie hören möchten. Denn der nicht allzu hohe Komfortlevel der Holzbänke sei bekannt, so Schumacher augenzwinkernd. Da die Orgel gegen Sitzrichtung steht und im ersten Stock fürs Publikum eher schlecht einsehbar ist, wird ein Bild von der Empore auf eine Leinwand übertragen. „Wir stellen einige Kameras auf. So können die Leute beobachten, was dort oben alles so geschieht“, erklärt der Kreiskantor. Darüber hinaus wolle man im Sinne der Stimmung auch noch ein wenig „an Beleuchtung schrauben“, wie Schumacher es ausdrückt. Er fasst zusammen: „Das ist kein klassisches Domkonzert. Wir wollen das angenehmer und erfahrbarer machen.“

Aller Voraussicht nach kann die Veranstaltung unter Einhaltung der 3G-Regel stattfinden. Das Hygienekonzept stehe schon lange, grob würden die Bänke aus dem Mittelgang gefüllt, der Abgang für die Besucher funktioniere über die Seitengänge. „Das sind die Rotenburger schon gewohnt“. Eher ungewohnt dürfte dagegen sein Angebot an Freunde der Gemütlichkeit sein: „Wer möchte, kann gerne auch noch seine Kuscheldecke mitbringen“, sagt Schumacher lächelnd.

Das Programm

17 Uhr, Sinfonie Nr. 1, Simon Schumacher; 17.40 Uhr, Intermezzo I, Volker Hagedorn; 17:55 Uhr, Sinfonie Nr. 2, Holger Brandt; 18:35 Uhr, Pause mit Catering; 19 Uhr, Sinfonie Nr. 3, Christian Scheel; 19:35 Uhr, Intermezzo II, Volker Hagedorn; 19:45 Uhr, Sinfonie Nr. 4, Christian Richter; 20:25 Uhr, Pause mit Catering; 21 Uhr, Sinfonie Nr. 5, Tillmann Benfer; 21.45 Uhr, Intermezzo III, Volker Hagedorn; 22 Uhr, Sinfonie Nr. 6, Johannes von Hoff.

Mehr Informationen zur Konzertreihe und zu Vierne finden Interessierte auf www.kathedralklangkosmos.de.

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