Offizielle Gründung fand nun im Mehrgenerationenhaus Waffensen statt

Viel Arbeit für das Familienbündnis

Die drei Bündniskoordinatoren Johanna Meeske, Mareen Engel und Ilka Holsten-Poppe stellen sich vor Foto: Voigt
 ©Rotenburger Rundschau

(sv). Dass das regionale Bündnis für Familie in Rotenburg und umzu viel Arbeit haben wird, das wurde bei der Gründungsveranstaltung deutlich.

Denn es kamen auch Menschen zu Wort, die Kinder- beziehungsweise Angehörigenbetreuung und Beruf unter einen Hut bekommen müssen. „Da kann man schon mal graue Haare bekommen“, sagte ein alleinerziehender Vater. Das Bündnis für Familie möchte dafür sorgen, dass eben die Vereinbarkeit von Familie und Beruf von Sottrum über Rotenburg bis Scheeßel einfacher wird. Unterstützt wird die Initiative von Politik, Unternehmen und Verwaltungen („Alle Akteure an einem Tisch“, www.rotenburger-rundschau .de). Dass dies ein Standortfaktor ist, machten alle Redner an diesem Nachmittag im Waffenser Mehrgenerationenhaus deutlich. Landrat Hermann Luttmann, Schirmherr des Bündnisses, gab Privates preis. So berichtete er von einer Situation vor einigen Jahren, als er seine Tochter aus dem Kindergarten abholen sollte: „Ich kam um zwei Minuten nach zwölf. Dann gab es böse Blicke der Leiterin und meine Tochter hat geweint, weil alle anderen Kinder schon weg waren“, so Luttmann. Mittlerweile sei das anders, die Betreuungszeiten in Kindertagesstätten seien deutlich ausgeweitet worden, sodass eine Berufstätigkeit für Eltern besser möglich ist. „Die Betriebszeiten auszuweiten kostet uns Geld, aber das machen wir gerne“, so Luttmann, der sich dafür stark macht, dass Unternehmen flexible Arbeitszeiten anbieten. Auf die Frage vom Chefredakteur der Rotenburger Kreiszeitung, Michael Krüger, der die Veranstaltung zusammen mit der Bündnismentorin aus dem Landkreis Friedland, Elke Rohlfs-Jacob, moderierte, ob es an ihrem Geschlecht liege, dass immer erwähnt wird, dass sie einen Sohn hat, antwortete die neue Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Stade, Maike Bielfeldt, dass dies bei einem Mann sicher keine so große Rolle gespielt hätte: „Bundesweit gibt es 80 Hauptgeschäftsführer der IHK, davon sind mittlerweile vier Frauen. Ich bin aber die Einzige mit einem Kind, deswegen wird das immer erwähnt.“ Bielfeldt erklärte, sie als Frau habe sicher einen anderen Blickwinkel auf die Bedürfnisse von Eltern in der Arbeitswelt und erläuterte daraufhin, wie sie versucht, als Arbeitgeberin Familienfreundlichkeit innerhalb der IHK umzusetzen. Dass dies als Standortfaktor wichtig ist, untermauerte sie mit Zahlen. So sinke im Landkreis Rotenburg bis 2031 die Bevölkerungszahl gegenüber 2009 um ein Prozent. „Das ist auf den ersten Blick verkraftbar“, so Bielfeldt. „Wenn wir uns aber anschauen, dass die Zahl der unter 25-Jährigen in diesem Zeitraum um etwa ein Viertel sinken wird, dann wird klar, dass wir dafür sorgen müssen, dass möglichst viele junge Menschen in der Region bleiben.“ Zuwanderung sei dabei nicht das Allerheilmittel, denn auch dort belegen Zahlen, dass gerade bei den jungen Menschen mehr die Region verlassen als hinzukommen. „Erst in der Kohorte der über 30-Jährigen ändert sich das sprunghaft“, so Bielfeldt. Flexible Arbeitszeiten würden dafür sorgen, dass die anfallende Arbeit erledigt wird, wenn auch zu bislang unüblichen Zeiten oder von zu Hause aus. Durch verschiedene Modelle könnten aber Fachkräfte geworben werden, großes Potenzial am Arbeitsmarkt sind dabei Frauen, die bislang meist in Teilzeit oder geringfügig beschäftigt arbeiten. „Wenn wir nicht familienfreundlich sind, dann werden wir dafür sehr bald die Rechnung bekommen“, prophezeite Bielfeldt.

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