Netzbetreiber Tennet schlägt in Sachen „SuedLink“ neuen Weg ein - Von Nina Baucke

Mit dem Kabel in die Erde

Heiko Lossau und Andreas Weber freuen sich über die Entscheidung von Tennet, andere Wege einzuschlagen.
 ©Nina Baucke

Rotenburg. „Das ist der Moment, in dem wir sagen: Der Schritt, den wir uns alle gewünscht haben, ist erreicht“, kommentierte Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber die Ankündigung des Stromnetzbetreibers Tennet, die „SuedLink“-Trasse neu zu planen – als Erdverkabelung. Allerdings, so betonte das Stadtoberhaupt, könne von Erleichterung gesprochen werden, nicht jedoch von Entspannung.

Und dennoch: Für Weber ist es ein „Paradigmenwechsel“ in der ganzen Diskussion. Ging es zuvor darum, auf Masten zu setzen und nur in Ausnahmefällen auf Erdverkabelung, so ist es nun genau anders herum. „Das zeigt, wie viel sich auch als Bürgerinitiative und als Kommunalpolitiker bewegen lässt“, so Weber, der sich in dem Zusammenhang bei dem SPD-Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil für sein Engagement bedankte.

Tennet selbst erklärte in einer Meldung an die Presse, der Erdkabel-Vorrang bedeute, dass die Planung möglicher Trassenkorridore neu aufgesetzt werden müsse. Gleichwohl setzt das Unternehmen darauf, „dass Politik und Genehmigungsbehörde die richtigen Rahmenbedingungen für die Planungen schaffen“.

„Es ist gut, dass Tennet bei ‚SuedLink‘ jetzt auf Erdkabel einschwenkt und die Planung deswegen neu anlegt“, kommentierte Klingbeil die Entscheidung der Koalitionsspitze in Berlin in einer Pressemitteilung. „Jetzt geht es darum, dass Tennet Fehler der vorangegangenen Planungsschritte nicht wiederholt und einen sinnvollen Vorschlag vorbereitet“, so Klingbeil. „Tennet muss den Neustart bei der Planung des Verlaufs nutzen, um die berechtigten Anliegen der betroffenen Anwohner mit der umfangreichen Erdverkabelung viel stärker als bisher zu berücksichtigen“, formulierte auch Reinhard Grindel seine Erwartung an den Bauherrn der Stromtrasse.

„Der neue Vorrang von Erdkabel für die Stromleitung Suedlink macht diesen Schritt unumgänglich. Das stärkt die Akzeptanz des Projektes vor Ort, schließlich werde damit auch eine der wichtigsten Forderungen aus dem Landkreis Rotenburg erfüllt“, bemerkte auch der FDP-Landtagsabgeordnete Jan-Christoph Oetjen zu dem Richtungswechsel in der „SuedLink“-Debatte in einem Schreiben an die Presse. Er forderte demnach für diese Neuplanung ein transparentes Vorgehen. „Insbesondere die zu Grunde liegenden Planungskriterien müssen frühzeitig offen gelegt und in den betroffenen Regionen diskutiert werden“, mahnte er.

Der Dialog werde weitergehen, aber Tennet müsse nun umplanen, so Heiko Lossau, Sprecher der Bürgerinitiative „Waffensen lässt sich nicht SuedLinken“. „Eventuell gibt es nun einen direkteren Verlauf, zumal die Planungen bisher in dieser Region einen Schlenker vorgesehen hatten.“ Dennoch gibt sich die Bürgerinitiative kompromissbereit. „Wir waren Totalverweigerer der Trasse“, so Lossau. „Nun ist allerdings die Notwendigkeit der Trasse bestätigt, und wir müssen uns damit abfinden. Und wenn Tennet nachweisen kann, dass ein Verlauf hier am günstigsten ist, dann ist das so. Wir sind aber glücklich, dass sie nun in die Erde kommt. Gerade hier, wo wir zudem über Fracking und Krebsraten diskutieren.“ Tennet könne nun andere Bewertungskriterien heranziehen, so Weber, beispielsweise an der A7. Allerdings: Im Bereich der Erdleitung müssen dennoch Eingriffe in die Landschaft vorgenommen werden – darunter die Rodung von Wäldern, durch die die Trasse verläuft, um den Korridor zu schaffen. „Immerhin sprechen wir über Entscheidungen, die dann, wenn sie getroffen sind, bestimmt 100 Jahre so stehen, wenn wir die Gegend mit Masten zupflastern“, so Lossau.

„Jetzt geht es nicht darum, Zeit zu schinden, sondern um sachgerechte Fragen. Wir erleben ja, was sich verändert und wie die Politik darauf regiert. Es lohnt sich also, sich einzubringen“, so Weber. „Wir bleiben aufmerksam.“

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
 04261 / 72 -433
 nina.baucke@rotenburger-rundschau.de

13.07.2020

In Krieg und Frieden

03.07.2020

Kettensäge und Kreativität

24.04.2020

Frühlingsbilder

08.03.2020

Sportabzeichen Übergabe Sottrum