Nartumerin will das Stofftaschentuch wieder aufleben lassen

„Tradition wird sexy“

Die gebürtige Nartumerin Corinna Drewes will das Stofftaschentuch wieder "sexy" machen und gründet eigenes Label. Foto: Von Lüdens
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Nartum/Wiesbaden – Die in Nartum, Gemeinde Gyhum, aufgewachsene und mittlerweile in Wiesbaden lebende Corinna Drewes hatte eine Idee: Sich mit der Produktion und dem Vertrieb von Einsteck- und Stofftaschentüchern aus Bio-Baumwolle selbstständig zu machen. Was für die einen möglicherweise ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein scheint, ist für Drewes die Wiederentdeckung des Jahres. Ihr Slogan „Tradition wird sexy“.

„Die Idee war geboren, als ich eines Sonntagabends auf dem Sofa einen romantischen 1940er-Jahre-Film laufen sah. Die letzte Szene war fürchterlich rührend und ich griff – wie so häufig, zu meinem Papiertaschentuch, um meine Tränen von der Wange zu wischen“, so die 27-Jährige. Mehr noch: „Im selben Moment bot der Protagonist der weinenden Dame ein wunderschönes Taschentuch aus Baumwolle an. Dann realisierte ich: Warum nutze ich ein Wegwerfprodukt, obwohl es bereits vor 80 Jahren eine viel schönere Variante gab?“

Drewes Grübeleien beförderten Bilder aus ihrer eigenen Vergangenheit zutage. „Mir fiel ein, dass sowohl meine Mutter, als auch mein Vater immer noch Stofftaschentücher nutzen.“. In Drewes’ Bekanntenkreis waren sie damit aber die Einzigen. „Also beschloss ich, eine Revolution anzuzetteln und das Stofftaschentuch wieder sexy zu machen“, so die Wahl-Wiesbadenerin. Ihre Maxime: coole Farben und Muster“, denn wie zu ihres Vaters Zeiten sollen ihre Produkte nicht mehr aussehen. „Denn da muss ich ehrlich sein: Die Tücher meines Vaters sind nicht schön“, konstatiert Drewes.

Sowohl ihre Inspiration, Einstecktücher zu neuem Leben zu erwecken, als auch der Markenname seien auf dem Hof ihrer Eltern in Nartum entstanden. „Wie in Norddeutschland üblich, trägt jeder Hof einen eigenen Hofnamen abseits des Familiennamens und unserer hieß ,Lüdens’. Bis heute nennen mich einige Nachbarn ,Lüdens Lüttje’“. Auch wenn der Hof mittlerweile nicht mehr aktiv bewirtschaftet werde, so gäbe es ihn doch bereits seit mehreren hundert Jahren. „Ebenso wie die Tradition der Taschentücher“, so Drewes. Und diese Tradition will „Von Lüdens“ nun fortsetzen.

Und dass Bedarf an Baumwolltüchern für die Tasche besteht, da ist sich Drewes sicher. Sie habe herausgefunden, dass mehr als 54 Prozent der Personen zwischen 30 und 59 Jahren in der Woche mehr als zehn, 36 Prozent der Altersgruppe sogar 15 Tücher benutzen. Und nachhaltig findet sie ihre Tuch-Idee ebenfalls, denn ihre Taschentücher landen nach dem Benutzen nicht im Müll, sondern in der Wäsche und können somit wieder benutzt werden.

Dass Stofftaschentücher auch aus dem Grunde selten geworden sind, weil ihnen der Ruf anhaftet, unhygienisch zu sein, lässt Drewes nicht gelten. Sie klärt auf: „Wenn du gesund bist, hast du gar keine gefährlichen Keime zu befürchten.“ Man kann die Taschentücher mit seiner restlichen Wäsche entspannt bei 40 Grad waschen.“ Für Skeptiker hat sie sogar noch einen Tipp parat: „Damit das Tuch nicht nur bestmöglich aussieht, sondern schlussendlich auch noch die letzten Bakterien entfernt werden, einfach kurz unter Volldampf bügeln.“

Ob die Tradition des Bügelns somit auch wieder „sexy“ wird, bleibt abzuwarten. bb

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