Mehr Fragen als Antworten beim Workshop für Stadtentwicklung

Quo vadis, Rotenburg?

Andreas Weber (Dritter von links)und Lothar Tabery (Zweiter von rechts) beim Rundgang durch die Innenstadt. Fotos: Jens Lou00ebs
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Rotenburg (jl). Bei bestem Wetter begaben sich am Montag etwa 50 Personen auf Spurensuche in der Rotenburger Fußgängerzone. Die Frage, die alle dabei umtrieb, war leicht gestellt und schwer zu beantworten: Gibt es ein gemeinsames, verbindendes Element in der Bebauung der Rotenburger Innenstadt?

Wie lässt sich dem willkürlichen Bauen in der Innenstadt entgegenwirken und zu einem Konsens mit möglichen Investoren gelangen? Ein „Masterplan für die Stadt“, wie ihn PGN-Geschäftsführer Norbert Behrens und das Rotenburger Wirtschaftsforum fordern, ist noch nicht vorhanden, der Workshop am vergangenen Montag sollte ein erster Schritt in diese Richtung sein.

Um diesen Schritt gehen zu können, hatte die Stadt Rotenburg nicht nur Vertreter von Verwaltung, Rat und Rotenburger Architekten eingeladen, sondern auch externe Berater hinzugezogen. So war der Hauptreferent der Architektenkammer Niedersachsen, Andreas Rauterberg, ebenso anwesend wie die erfahrenen Stadtplaner Harald Meyer aus Hannover und Wilhelm Springmeier aus Braunschweig. Die Moderation des Workshops übernahm Lothar Tabery aus Bremervörde. Allen Interessierten war bewusst, dass die Debatte intensiv geführt werden würde – auch das Aufeinandertreffen von Stadtplaner Tabery und Teilen der Rotenburger Architektenschaft hatte bereits im Vorfeld für Zündstoff gesorgt.

Beim Gang durch die Rotenburger Fußgängerzone verschafften sich die Beteiligten anhand ausgewählter Beispiele darunter der Pferdemarkt, Am Wasser, das altePostgebäude, sowie Bäckerei Tamke einen Überblick über positive und negative Baumaßnahmen.

Auch dabei blieben Diskussionen zwischen den Teilnehmenden nicht aus. So antwortete Behrens kurz und knapp auf Taberys Frage, wie er den Neubau des alten Postgebäudes gestalte: „Wir machen derzeit die Planung und halten uns an den rechtskräftigen Bebauungsplan.“ Auf erneute Nachfrage Taberys, wie er sich das im Einzelnen vorstellen könne, konterte Behrens: „Wir halten uns an den Bebauungsplan.“ Er ermahnte Tabery, bei seinen Ausführungen nicht den Eindruck zu erwecken, „man könnte hier Schlösser bauen“.

Bürgermeister Andreas Weber verdeutlichte sein Bestreben, im neuen Entwicklungsplan keine detaillierten, festgeschriebenen Regeln ausrufen zu wollen, sondern vielmehr im Dialog mit allen Betroffenen eine sinnvolle Richtlinie zu gestalten. Den Geschäften in der Ladenstraße dankte Weber in diesem Zusammenhang dafür, dass sie sich so viel Mühe bei der Gestaltung der Fassaden gemacht hätten, um ein möglichst harmonisches Gesamtbild zu erhalten und zu schaffen. Auch Tabery verwies auf die Bedeutung der Einbeziehung von Bürgern und Wirtschaft in die zukünftige Gestaltung der Innenstadt hin.

Vor der Baulücke des ehemaligen Carthago war die Differenz zwischen denjenigen, die eine etwas freiere Gestaltung der Innenstadt präferieren, und denjenigen, die das Gesicht der Innenstadt nach Möglichkeit erhalten wollen, besonders deutlich. Die Diskussion um Dachgestaltung, mögliche Firsthöhe und die Anzahl der verbauten Stockwerke flammte erneut auf.

Tabery erinnerte alle Beteiligten daran, dass es nicht um eine verbindliche Entscheidungsfindung ginge. Es gelte, nach Möglichkeit ein Bauvorhaben, wie es in den 1970er Jahren mit dem alten Tengelmann-Gebäude entstanden war, zu verhindern.

Abschließend stellte Weber fest, dass es auch und gerade von Seiten der externen Architekten eine durchweg positive Rückmeldung zur Rotenburger Innenstadt gegeben habe. Sie wirke intakt und lebendig. Einen klaren Vorteil sah Weber im Hinzuziehen externer Gutachter. Diese hätten einen ganz anderen Blick auf die Stadt und seien in der Lage, die Stadtverwaltung und den Bauausschuss für die Belange der Stadt ganz anders zu sensibilisieren.

Weber erklärte im Anschluss, es sei klar geworden, dass es in Rotenburg keinen einheitlichen Plan für die ganze Stadt geben könne. Dazu sei diese zu heterogen gestaltet. Vielmehr müsse man Bebauungs- und Entwicklungspläne für die einzelnen Quartiere entwickeln, damit sich Vorhaben und Silhouetten wie das Tengelmann-Gebäude nicht wiederholten.

Auch die Rückmeldungen der externen Berater gäben gute Argumente an die Hand, wenn die Stadt in Verhandlungen mit möglichen Investoren ginge. Die Mehrheit der Bürger wünsche sich zudem den Erhalt der bisherigen Bauhöhe und keine gewinnoptimierten Hochbauten nach Schema F.

Kritik gab es im Vorfeld des Workshops von Stefan Klingbeil, Vorstandsvorsitzender des Kreisverbands der Linken in Rotenburg. Er hatte in diesem Zusammenhang angemahnt, dass mehr Bürgerbeteiligung wünschenswert gewesen wäre. In einer Pressemitteilung schreibt er: „Wer weiß um die Bedürfnisse und Wünsche einer Stadt mehr als die dort lebenden Bürger?“

Weber entgegnete dazu während des Workshops: „Die Idee an sich ist zwar sehr schön, aber der Arbeitsaufwand, der dann durch die Begleitung und Auswertung dieser Beteiligung auf uns als Stadtverwaltung zu käme, ist leider mit dem zur Verfügung stehenden Personal nicht zu stemmen.“

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