Marianne Assenheimer als Dezernentin verabschiedet

„Kein Hierarchie-Mensch“

Marianne Assenheimer blickt zurück: "Ich habe den Schritt von der Schule zur Landesschulbehörde nie bereut, denn ich konnte dadurch viel bewegen."
 ©Foto: Karen Bennecke

Landkreis Rotenburg. Nach 43 Jahren verabschiedet sich Marianne Assenheimer, Dezernentin für Gesamtschulen und Gymnasien der Landesschulbehörde Lüneburg, aus dem Schuldienst. „Ich stehe hier mit großer Dankbarkeit, weil mich meine berufliche Tätigkeit bis zum heutigen Tag so sehr erfüllt und zufrieden macht“, sagt sie sichtlich gerührt vor rund 200 Kollegen, Weggefährten und Freunden.

„Ich bin kein Hierarchie-Mensch und habe mich immer als Dienstleisterin für die Schulen gesehen“, beschreibt Assenheimer ihre Einstellung. Ihre eigene Schulerfahrung prägt ihr, wie sie es nennt, „gespaltenes Verhältnis“ zu Zensuren: „Ich hatte nach dem Abitur das Gefühl, dass ich eigentlich nichts kann. Später merkte ich, dass Zensuren nichts darüber aussagen, was jemand zu leisten in der Lage ist.“

Nicht zuletzt deshalb schlägt ihr Herz von Anfang an für Gesamtschulen, denn es ist ihr ein wichtiges Anliegen, dass alle Schüler ihren Möglichkeiten entsprechend gefördert werden. Als Beispiel nennt sie die IGS Lüneburg – die erste integrierte Gesamtschule, an deren Gründung sie beteiligt war: „Bei der Eröffnung der Schule 2009 hatten 45 Schüler eine Gymnasialempfehlung, doch mehr als doppelt so viele, nämlich 99, schafften später den Übergang in die Oberstufe.“

Nach dem Referendariat tritt Assenheimer, die seit mehr als 40 Jahren in Scheeßel wohnt, an der Beekeschule ihre erste Stelle als Deutsch-, Englisch und Kunstlehrerin an. Dort organisiert sie Buch- und andere Projektwochen und setzt sich für die Veränderung von Unterrichtsmethoden ein – „ich wollte, dass Schüler mehr Verantwortung für ihr eigenes Lernen übernehmen und habe viel projektartig gearbeitet“ –, doch gelingt es ihr nicht, alle Kollegen für ihre Visionen zu begeistern: „Ich war zu schnell, zu radikal und vielleicht auch etwas zu wenig einfühlsam“, sagt sie rückblickend.

Doch sie begegnet auch Gleichgesinnten und gründet mit ihnen Mitte der 1980er Jahre die erste Rotenburger Gesamtschulinitiative: „Das war für mich ein Lernfeld für viel Geduld und einen langen Atem“, erzählt sie lächelnd – schließlich sollte es fast 20 Jahre dauern, bis 2014 die erste Gesamtschule in Rotenburg ins Leben gerufen wurde. Nach 17 Jahren an der Beekeschule wechselt Assenheimer 1992 an die Kooperative Gesamtschule Schneverdingen (KGS) und übernimmt dort die Leitung des Fachbereichs Ästhetik. „Der Neuanfang war nicht einfach,“ erinnert sie sich, „obwohl der Schulleiter dort meine Ideen und Initiativen begrüßte und förderte.“

Doch bei Schülern, Eltern und vielen Kollegen stößt sie an die gleichen Grenzen wie in den Jahren zuvor in Scheeßel. „Damals geriet ich in eine Krise und suchte nach Möglichkeiten, mich weiterzuentwickeln.“ Sie entscheidet sich für ein berufsbegleitendes Psychologiestudium an der Universität Oldenburg, ergänzt durch eine Supervisionsausbildung. Anschließend studiert sie, wiederum berufsbegleitend, Organisationsberatung an der Universität Flensburg. Diese Jahre des Lernens erweisen sich als wichtige Weichenstellung für ihren weiteren Weg: „Sowohl das Studium als auch die Supervisionsausbildung haben bei mir an vielen Stellen einen Perspektivwechsel bewirkt“, sagt Assenheimer. „Es hat mein Menschen- und Weltbild beeinflusst und meinen Umgang mit Menschen völlig verändert.“

2000 wird sie Konrektorin der KGS Schneverdingen, bald darauf Gesamtschuldirektorin. Als 2001 die Schulratsstelle für Gesamtschulen in der Regionalabteilung Lüneburg der Landesschulbehörde frei wird, ergreift Assenheimer die Gelegenheit beim Schopf und bewirbt sich: „Ich habe den Schritt von der Schule zur Landesschulbehörde nie bereut, denn ich konnte dadurch viel bewegen.“ Sie setzt sich mit großem Engagement für ihre Visionen ein und geht dabei eigene Wege – „das waren nicht immer konventionelle Wege und auch nicht immer der Dienstweg“, merkt Elke Starostzik, Leiterin der Regionalabteilung Lüneburg, anlässlich der Verabschiedung augenzwinkernd an.

„Sie ist berühmt für ihre Kommunikation mit den Schulen und konnte dank ihrer hohen Kompetenz und Beharrlichkeit die meisten ihrer pädagogischen und organisatorischen Vorstellungen umsetzen“, sagt Alfred Mangold, Leiter des Dezernats für Gesamtschulen und Gymnasien, bei der Verabschiedung von Dezernentin Marianne Assenheimer. Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber hebt den Mut hervor, mit dem sie sich für ihre Überzeugungen einsetzt, „auch wenn sie sich damit angreifbar macht“.

Auf diese Weise prägt sie die Schullandschaft in der Region entscheidend mit: „Sie hat einen Bewusstseinswandel angestoßen“, so Heidekreis-Landrat Manfred Ostermann. Während ihrer Tätigkeit als schulfachliche Dezernentin legt Assenheimer den Grundstein für 13 integrierte Gesamtschulen (IGS) im Regierungsbezirk Lüneburg. „Dass später die Gymnasien in meinen Zuständigkeitsbereich dazugekommen sind, war für mich ein großes Glück“, sagt sie. „Ich glaube, ich habe viel in die Gymnasien hineintragen können und auch viel von ihnen gelernt.“

Großes Potential sieht sie in der Verzahnung der Schulformen: „Dort, wo Gymnasien und Gesamtschulen gut zusammenarbeiten, hat es für beide Seiten Vorteile.“ Auch nach ihrer Pensionierung wird Assenheimer nicht die Hände in den Schoß legen: „In der bundesweiten Initiative ,Schule im Aufbruch‘ werde ich mich auf jeden Fall weiter engagieren.“

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