Maria-Elisabet Naß-Schwedes macht Ganzheitliches Gedächtnistraining

Fitness fürs Gehirn

Mit Dominokarten unternehmen die Teilnehmer eine "Reise um die Welt". Fotos: Beims
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VON ANN-CHRISTIN BEIMS

Sottrum – Wenn neun Menschen eine Runde „Ich packe meinen Koffer“ spielen, wird es spätestens ab der zweiten Runde gar nicht mehr so einfach, sich sämtliche Inhalte zu merken. Hans-Jürgen Schweers zieht irgendwann die Reißleine: „Der Koffer ist zu voll.“ Die vorwiegend weibliche Teilnehmerrunde des „ganzheitlichen Gedächtnistrainings“ mit Maria-Elisabet Naß-Schwedes lacht. „Dann macht Ihre Frau weiter“, sagt die Trainerin und grinst ebenfalls. „Die packt eh meist“, kommentiert Schweers trocken.

Locker-entspanntes Gedächtnistraining: So wie in diesem Moment geht es in der ganzen Stunde zu, die die Runde der Senioren im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Sottrum verbringt. Auf diese hat sich Trainerin Naß-Schwedes spezialisiert, dennoch betont sie, wie wichtig das Gedächtnistraining für alle Altersstufen ist. Es sei ein Klischee, zu sagen, das sei nur etwas für Senioren. Auch in Schulen, in Unternehmen oder anderen Einrichtungen sei das Training der grauen Zellen sinnvoll. So hat sie es beispielsweise auch schon als AG in einer Schule angeboten. „Gerade, wenn man Merkstrategien und Konzentrationsübungen macht, ist das sinnvoll“, erklärt die Reeßumerin, die seit zwölf Jahren ausgebildete Gedächtnistrainerin ist.

Naß-Schwedes ist durch Zufall zum Gedächtnistraining gekommen. Die examinierte Krankenschwester hat nach ihrer Ausbildung in einem Seniorenheim gearbeitet und schnell gemerkt: Die Menschen müssen nicht nur satt und sauber sein, sondern auch geistig fit bleiben. Als sie in einer Reportage dann vom Gedächtnistraining hört, hat sie über den Bundesverband die Ausbildung gemacht – und ist hängen geblieben. Vor allem die Arbeit mit Senioren mache ihr weiterhin Spaß, sagt sie. Daher hat sie sich auch darauf spezialisiert. Doch noch könne davon alleine niemand leben, merkt die Trainerin an.

Der Beruf gilt in Deutschland allerdings als nicht geschützt – theoretisch kann sich jeder damit selbstständig machen. „Der Bundesverband ist schon lange hinterher, das zu ändern“, sagt Naß-Schwedes. „Denn es wird auch viel angeboten, wo einfach die Qualifikationen fehlen.“ Man müsse sich auf die unterschiedlichen Gruppen einstellen, sich vorbereiten, damit am Ende keiner über-, aber auch niemand unterfordert ist. Da heißt es auch manchmal, mitten im Kurs noch umzudenken.

Der Verband arbeite ebenfalls daran, dass das Training als Präventionsmaßnahme von den Krankenkassen anerkannt und entsprechend bezuschusst wird. Aber das sei eine „mühsame Kiste“. „Dabei ist das so wichtig. Das Gehirn ist ein Muskel, der bei Nicht-Bewegung schrumpft. Die moderne Hirnforschung hat ergeben, dass man durch das Training Reservekapazitäten entwickeln kann, für den Fall einer Demenzerkrankung.“ Und gerade nach den beiden Lockdown-Phasen habe das Ergebnis für sich gesprochen: „Man hat krass gemerkt, wie sehr die Leute abgebaut haben“, erinnert sich Naß-Schwedes. Sie seien nicht mehr so fit im Kopf gewesen wie vorher. Dazu kommt: „Stress, Angst und Einsamkeit machen auch was mit dem Gehirn.“ Und davon gab es in den vergangenen beiden Pandemiejahren mehr als genug für viele Menschen.

Innerhalb des Kurses, der immer sechs bis acht Mal stattfindet, gibt es zwölf verschiedene Ziele. Darunter fallen Bereiche wie assoziatives Denken. „Je besser das funktioniert, desto schneller laufen Lernprozesse“, weiß Naß-Schwedes. Aber auch Fantasie und Kreativität werden angeregt, es geht um Formulieren können und Konzentration, gerade in Lärmphasen, denkt sie auch an Schüler. „Es ist eine Kunst, sich im Geräuschpegel zu konzentrieren.“

Logisches Denken werde ebenso gefördert und gefordert wie die Merkfähigkeit. Dafür sind Spiele wie „Ich packe meinen Koffer“ bestens geeignet, unterstreicht die Trainerin. „Das kommt gerade in Zeiten der Digitalisierung viel zu kurz.“ Aber auch Zusammenhänge erkennen ist wichtig. „Wie können wir neue Informationen in bestehendes Wissen einbauen?“, erklärt Naß-Schwedes.

Wortfindung ist ebenfalls ein wichtiger Themenkomplex. Den trainiert Naß-Schwedes auch mit den Teilnehmern in dieser Runde. Sie bekommen Zettel, auf denen je zwei Wörter stehen, in der Mitte ist eine Leerzeile. Nun sollen sie ein Wort finden, das sowohl zum ersten als auch zum letzten Wort passt. Und das erweist sich als gar nicht so einfach. Während die ersten Suchwörter den Teilnehmern noch schnell von der Hand gehen, steht spätestens bei dem letzten allen ein großes Fragezeichen ins Gesicht geschrieben.

Anschließend heißt es: Bewegung! Denn verbunden mit dem geistigen Training ist auch immer ein wenig körperliche Bewegung, angepasst an die Möglichkeiten der Teilnehmer. Die verteilen sich nun um einen Tisch, eine Frau kommt mit, setzt sich aber dort wieder auf einen Stuhl – sie geht am Rollator und kann nicht so lange stehen. Dann heißt es bücken, strecken und recken. Immer in einer anderen Reihenfolge – gar nicht so leicht, sich das zu merken und in dem Moment die richtigen Bewegungen auszuführen. Wer durcheinander kommt, grinst breit und bewegt sich weiter. Macht nichts!

Anschließend kramt Naß-Schwedes ein Domino unter dem Namen „Reise um die Welt“ aus der Tasche. Auf jedem „Stein“ steht eine Frage, zu der auf einer anderen Karte die Antwort zu finden ist. Jetzt tüfteln alle gemeinsam an der Lösung. Danach geht es zurück auf die Plätze. Naß-Schwedes verteilt noch eine freiwillige Hausaufgabe – damit die grauen Zellen Zuhause weiter angeregt werden.

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