Lena Jaudzin startet Verhaltenstherapie mit Vierbeinern - VON DENNIS BARTZ

Die Hundedolmetscherin

Alles entspannt? Damit es mit dem besten Vierbeinerfreund klappt, hilft Hundepsychologin Lena Jaudzin.
 ©Dennis Bartz

Stapel – „Sitz!“, „Platz!“, „Bleib!“ und „Hier!“ sind Kommandos, die fast jeder Hund schnell erlernt. Oft ist die Kommunikation zwischen dem Besitzer und seinem Tier jedoch eine Einbahnstraße – denn Hundehalter tun sich häufig schwer damit, die Signale ihres Tieres und dessen Verhalten zu verstehen. „Wenn es irgendwo hakt, werde ich zu eine Art Dolmetscherin“, sagt Hundepsychologin Lena Jaudzin aus Stapel.

Die 31-Jährige bietet seit Kurzem Verhaltenstherapie für Hunde an und arbeitet dabei nach einem ähnlichen Ansatz wie Martin Rütter und Maike Maja Nowak. „Mir sind Vertrauen, Respekt, ein freundschaftlicher Umgang sowie eine klare Führung ohne Drill wichtig“, betont Jaudzin, gelernte Erzieherin und Mutter von vier Kindern.

Anfang das Jahres hat sie ihr Studium mit der Note 1,3 beendet. Ihre Abschlussarbeit widmete sie dem Thema „Was Stress mit einem Hund macht“. Nun möchte sie Haltern vermeintlicher „Problemhunde“ helfen, zu erkennen, welche Bedürfnisse ihr Tier hat – und warum es sich nicht immer so „benimmt“, wie es der Hundeknigge verlangt.

Lena Jaudzin bietet neben individueller Verhaltenstherapie auch Rudelspaziergänge – sogenannte Social Walks – in Kleingruppen bis maximal fünf Hunden an. „Wir gehen dafür in die Natur, das sorgt für eine angenehme Atmosphäre, in denen ich mit den Besitzern der Tiere ins Gespräch komme.“

Sie möchte dafür sorgen, dass Hund und Besitzer besser miteinander harmonieren und ihre Kunden erkennen, welche Stärken ihr Tier hat. „Sie lernen zu verstehen, warum ihr Hund gewisse Verhaltensweisen zeigt. Besonders Tiere aus dem Ausland sind oft ängstlich und zeigen Leinenaggressivität – ich möchte verhindern, dass der Hund früher oder später im Tierheim landet. Oft wird es dann nämlich sehr schwer, ihn noch einmal zu vermitteln“, betont die 31-Jährige.

Als sie 2009 ihren ersten Hund aus dem Tierheim holen wollte, hatte sie noch keinerlei Erfahrung. „Es war immer mein Kindheitswunsch, einen eigenen Hund zu haben. Dann habe ich das Foto von ,Whisky‘, einem Rüden, gesehen und gedacht: ,So einen finde ich schick.‘ Ob er zu mir passt, darüber hatte ich mir damals wenig Gedanken gemacht – genauso wie viele Menschen, wenn sie sich einen Hund anschaffen. Sie gehen hauptsächlich nach dem Äußeren.“

Und machen anschließend oft ähnliche Erfahrungen wie Lena Jaudzin damals. Denn sie musste feststellen: So einfach wie gedacht, wird es nicht. „Whisky“ hatte eine schwere Vergangenheit und zeigte auffälliges Verhalten. „Er kannte nichts: kein Halsband, keine Leine, keine Spaziergänge. Deshalb war er total reizüberflutet und gestresst. Ich konnte mit ihm kaum noch vor die Tür gehen.“

Ähnliches berichten ihr heute viele ihrer Kunden: „Sie kesseln sich mehr und mehr ein sowie treffen Absprachen mit Gästen: ,Klingel mich vorher an, wenn Du kommst. Ich sperre den Hund weg.‘“ Halter von „Problemhunden“ werden in der Öffentlichkeit oft kritisch beäugt, was sie zusätzlich belastet und stresst, weiß Jaudzin. „Die Menschen haben eine genaue Vorstellung davon, wie ein Hund funktionieren soll – aber jeder Hund hat seine Eigenarten, aufgrund seiner Erfahrungen und seines Charakters.“

Die Hundepsychologin hilft Tierbesitzern dabei, den Blick wieder auf das Wesentliche zu lenken. „Es geht nicht darum, einen perfekten Hund zu haben, der alle Kommandos beherrscht. Das Leben mit Hund ist vielmehr wie in einer guten Ehe – man muss lernen, mit den Ecken und Kanten des Partners umzugehen. Sonst wird das Miteinander zu einem Problem.“

Vor Lena Jaudzin und „Whisky“ lag damals ein schwieriger Weg: „Irgendwann war es so weit, dass ich mich nachts im Schlafzimmer eingesperrt habe. Trotzdem mochte ich meinen Hund: Ich habe gespürt, dass er eine tolle Seele hat.“

Jaudzin besuchte in der Folgezeit verschiedene Hundeschulen, doch das brachte keine nachhaltige Besserung: „Zum Teil wurde es sogar noch schlimmer. Damit er nicht in die Leine springt, wurde mir empfohlen, sein Verhalten mit einer Wasserpistole zu bestrafen. Daran hatte er aber richtig Spaß und er hat das als Belohnung wahrgenommen, sein unerwünschtes Verhalten sogar noch verstärkt.“ Ihren Hund abzugeben, war für sie damals jedoch keine Option: „Mir war klar, dass so einen Hund vermutlich niemand mehr nimmt.“

Sie wählte einen anderen Ansatz, um ihrem Hund zu helfen. „Ich holte mir einen Straßenhund aus Rumänien dazu, der dort lange in einem Rudel gelebt hatte. Er hieß ,Chief‘, war sehr gut sozialisiert und machte seinem Namen alle Ehre. Nachdem die beiden die Rangfolge geklärt hatten, entwickelte sich zwischen ,Whisky‘ und ,Chief‘ eine enge Freundschaft.“

Sie habe in den folgenden Jahren viel von „Chief“ und seinem Umgang mit Artgenossen gelernt: „Hundebesitzer arbeiten ja viel mit Futterbeuteln – Hunde unter sich regeln das alles so, nur über den Blick, die Körperhaltung und ihre Ausstrahlung. Das wollte ich auch können und so entschied ich mich dazu, Hundepsychologie zu studieren.“

Ihr Team, das sie bei der Therapie einsetzt, arbeitet für Kost und Logis – sowie für ein paar Leckerlis und Streicheleinheiten: Es sind Zeus, ein Deutscher Schäferhund, Leika Chuck, Boxer-Schäferhund-Mix Socke und Mischling Jaro. „Ich vertraue ihnen völlig. Sie sind sehr unterschiedlich in ihren Charakteren. Ich schaue mir den Hund des Kunden genau an und entscheide danach, welcher meiner Hunde zum Einsatz kommt. Sie übernehmen einen wichtigen, vielleicht sogar den wichtigsten Teil der Arbeit mit den Kundenhunden. Ich kümmere mich mehr um die Menschen“, betont Lena Jaudzin.

Die schnellen Erfolge, die sie immer wieder beobachtet, bestätigen sie in ihrer Arbeit: „Ich zeige Hundebesitzern, was ihr Tier alles gut macht, wie es mit den anderen kommuniziert. Sie sind dann ganz Stolz und lernen, ihrem Tier zu vertrauen, dessen Bedürfnisse und Stimmungen zu erkennen.“

Um eine ganzheitliche Therapie zu gewährleisten, kooperiert Jaudzin in manchen Fällen mit Tierheilpraktikern und Physiotherapeuten für Hunde. „Ich möchte die Frage klären, warum ein Tier beispielsweise aggressives Verhalten an der Leine zeigt: Hat es womöglich Schmerzen?“

Zusätzlich zur Verhaltenstherapie empfiehlt die Hundepsychologin eine Ausbildung bei einem Hundetrainer. „Besonders die Welpengruppen dort sind sehr wichtig für die Sozialisierung des Hundes“, betont Jaudzin.

Viele Kunden melden sich bei ihr, wenn ihr Hund etwa zwei Jahre alt ist. „Das gilt besonders für Besitzer von großen Rüden, die dann oft eine schwierige Phase durchmachen. Die Pubertät ist dann eigentlich abgeschlossen. Im Hund passiert hormonell aber oft noch sehr viel, einige entwickeln plötzlich Ängste, andere probieren sich noch einmal aus“, berichtet die 31-Jährige von ihrer Arbeit.

Dies sei der Grund, warum viele Hunde in dem Alter abgegeben würden – „aus Zeitmangel“, wie es dann oft in Angeboten bei eBay-Kleinanzeigen heiße. Derzeit seien dort auch vermehrt Hunde im Alter von knapp etwa unter einem Jahr zu finden: „Das sind dann oft Hunde, die während des Sommerlockdowns angeschafft wurden“, mutmaßt Jaudzin. In dieser Zeit seien die Hundeschulen pandemiebedingt geschlossen gewesen. „Es gibt da deshalb einen großen Nachholbedarf und vermehrt Probleme.“

Damit Hund und Besitzer zusammenpassen, berät sie auch vor der Anschaffung. „Ich fahre mit ins Tierheim, wenn das gewünscht ist“, erklärt Jaudzin. Ihr ist es wichtig, die Blickweise der Menschen auf Hunde zu verändern: „Nicht jeder Hund kann sich unter dem Tisch im Restaurant entspannen. Hunde spüren Stimmungen insgesamt viel genauer als wir. Sie verstehen uns oft viel besser als wir sie – ich helfe meinen Kunden dabei, das ihnen die Kommunikation mit ihrem Tier leichter fällt.“

Weitere Informationen gibt es unter www.hundepsychologie-slj.de und unter Telefon 0176 / 43992023.

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