Kritik an neuem Bauamtsleiter „völlig aus der Luft gegriffen“

Oestmann verteidigt Personalpolitik

Roman Lauchart übernimmt am 1. September die Leitung des Bauamtes. Über seine Personalie wird nun diskutiert. Foto: Menker
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VON MICHAEL KRÜGER

Rotenburg – Torsten Oestmann ist sauer. „Starker Tobak“, sagt Rotenburgs Bürgermeister am Dienstagmorgen beim Pressegespräch in seinem Büro. Er hat einen Ausdruck mit vielen Anmerkungen dabei, es geht um einen Leserbrief eines Rotenburgers, der in der gestrigen Ausgabe der Rotenburger Kreiszeitung erschienen ist. Der Leserbriefschreiber spricht darin davon, dass die Entscheidung, Roman Lauchart als neuen Bauamtsleiter der Stadt einzustellen, „eine Katastrophe für Rotenburg“ sei. Angespielt wird natürlich auf die vorherige Tätigkeit des heute 36-jährigen Laucharts bei der Planungsgemeinschaft Nord (PGN) – ein Fachbüro, das in Rotenburg bekanntermaßen sehr aktiv ist. Es wird zunächst eine fehlende „Vision“ für die Stadtentwicklung und auch auf Rotenburger „Geklüngel“ angespielt.

Oestmann sagt, das sei für ihn als Chef der Verwaltung und Lauchart „schwer zu verdauen“. Das Thema war zwar auch im Verwaltungsausschuss aufgekommen, dennoch sei dort die Entscheidung für Lauchart einstimmig ausgefallen – ob oder wie viele Enthaltungen es gab, sagt Oestmann nicht. Er bezeichnet Lauchart allerdings als „absolut loyalen Mitarbeiter“, der sich im Bewerbungsverfahren auch gegen externe Mitbewerber durchgesetzt habe. Lauchart tritt die Stelle als Amtsleiter für rund 60 Mitarbeiter in fünf Abteilungen am 1. September an. Zuvor war er Abteilungsleiter im Fachbereich Entwässerung im Rathaus.

Oestmann betont darüber hinaus, dass der Leserbriefschreiber offensichtlich falsch informiert sei und sich durch seine Diktion selbst ins Abseits stelle. Lauchart werde Amtsleiter, es sei eine „Führungskraft“ gesucht worden. Die Stelle für die Stadtplanung gebe es zusätzlich, und auch diese werde in diesen Tagen neu besetzt – die neue Kollegin werde dann auch öffentlich vorgestellt. Sie komme im Übrigen von „extern“, arbeitete bislang also nicht in der Stadtverwaltung.

PGN-Chef Norbert Behrens hat sich den Leserbrief ebenfalls durchgelesen und ist genauso wenig erfreut darüber, dass sein Büro als eins dargestellt wird, dessen Bauten keine Beachtung fänden. Der Leserbrief sei Programm zum Namen des Autoren: „Er weiß von nichts...“. Behrens: „Er weiß nicht, dass Herr Lauchart ein hoch kreativer Mensch ist. Er weiß nicht, dass Herr Bumann neben seinem Vorgänger, Herrn Scholz, der beste Planungsamtsleiter war, den Rotenburg je hatte. Er weiß nicht, dass der von ihm erwähnte Amtsleiter Herr Gresbrandt mehrere Jahre lieber gegen seinen Arbeitgeber, die Stadt Rotenburg, geklagt hat, anstatt seiner bezahlten Beschäftigung nachzugehen. Er weiß nicht, dass ein Großteil der im Rahmen der Städtebauförderung in den 1980er-Jahren restaurierten Gebäude, zum Beispiel Ehlermannsche Speicher, Polizeigebäude, Altmanns sowie viele andere von der PGN erhalten beziehungsweise renoviert wurden. Er weiß nicht, dass die PGN etliche Auszeichnungen und Preise für gute Architektur, bundesweit und auch in Rotenburg erhalten hat (Cafésito, Puls-Gebäude). Er weiß nicht, dass viele Familien in Rotenburg nicht zu erträglichen Mieten leben könnten, hätte die PGN nicht mindestens 400 Wohnungen in dieser Stadt errichtet. Aber er weiß, dass der neue Bauamtsleiter eine Katastrophe für Rotenburg ist! Was für ein Glück, dass das ein Ha(a)se schreibt!“

Bürgermeister Oestmann betont abschließend, dass er eigentlich nicht öffentlich über seine Mitarbeiter diskutiere. Rund 320 seien das für die Rotenburger Stadtverwaltung, dass der Leserbriefschreiber pauschal viele von ihnen verurteile, führe auch dazu, dass er das Geschriebene vom Inhalt her „nicht ganz ernst nehmen könne“. Selbst den Stadtratsmitgliedern erkenne der Schreiber jegliche Kompetenzen ab. „Ich muss mich vor meine Leute stellen“, sagt Oestmann. „Wenn es gegen die eigenen Kollegen geht und völlig aus der Luft gegriffen ist, ist eine Rote Linie überschritten.“

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