Rotenburg/Visselhövede. Immer wieder freitags ist es Zeit, an die drohende Klimakatastrophe zu erinnern. Dies hat sich mit der Fridays-for-Future-Bewegung so eingebürgert und auch die Initiative „Vissel for future“ (VFF) wurde diesbezüglich schon mehrfach aktiv. Unter dem Motto „Aktiv für regenerativ!“ startete nun eine Fahrraddemonstration, die von Visselhövede nach Rotenburg führte.
Erster Halt dort waren die Rotenburger Stadtwerke – dort begrüßte Geschäftsführer Volker Meyer die Gruppe, auch Bürgermeister Andreas Weber gesellte sich dazu. Ein munterer Austausch begann im Innenhof der Werke, wobei schnell klar war, dass es dort nicht gegen die Stadtwerke ging, sondern darum, sich konstruktiv auszutauschen.
Meyer stellte verschiedene Ökostrommodelle vor, die das Unternehmen zur Verfügung stellt. Er erläuterte den Ausbau der öffentlichen Ladestruktur, ging auf die umweltschonenden Blockheizkraftwerke ein. „Die Stadtwerke sehen sich als Dienstleister für die Energiewende“, so Meyer. Auch Weber betonte, dass die Demonstranten sich nicht gegen die Stadtwerke richten. Es ginge vielmehr darum, aufzuzeigen, was die Stadt weiter in Sachen Klimaschutz unternehmen werde. Er benannte zum Beispiel den Fidi-Boon-Radweg und den geplanten Umbau der Harburger Straße als weitere Initiativen, die den Autoverkehr einschränken sollen. „Ich möchte gerne gleich mit Euch mitfahren“, so Weber, der damit unterstrich, dass er das Anliegen der Gruppe mitträgt. Kreistagsmitglied Ulrich Thiart (Bündnis 90/Grüne) regte an, man könne doch auf dem Dach der gerade neu erstellten großen Lagerhalle von Thyssenkrupp im Gewerbegebiet eine Fotovoltaikanlage erstellen und fragte Meyer konkret, ob er das initiieren könne. „Das wäre sicher möglich und ist auch eine gute Idee“, antwortete dieser – allerdings sei dies ein sehr großer Konzern, „so etwas entscheiden ganz andere Leute“, gab er zu. Mit Blick auf die aktuell in der Diskussion befindliche Idee, auch auf landwirtschaftlichen Flächen solche Anlagen zu installieren, betonte Meyer, dass die Speicherung der Energie noch das Problem sei, welches es zu lösen gilt. Dennoch sei es sicher besser, einen Hektar mit Fotovoltaikanlagen auszurüsten als 66 Hektar mit Mais. Harald Gabriel, Sprecher und Mitinitiator der Gruppe „Vissel for Future“, hielt ebenfalls eine Ansprache: „Die Inzidenzwerte des Klimas sind dramatisch“, stellte er fest und auch, dass es wichtig sei, Druck von unten aufzubauen. Reine Absichtserklärungen würden nicht ausreichen, es werde leider weiter zu viel geredet und zu wenig gehandelt. Die Aktion laufe unter dem Motto, der Landkreis Rotenburg kann 100 Prozent regenerative Energie. Das Wahljahr solle Klimawahljahr gemacht werden. Auch Franka Pohl, aktiv in der FFF-Gruppe Rotenburg forderte eine klare Mobilitätswende, Argrarwende und eine Offensive für erneuerbare Energien. „Im Sommer gingen die Coronazahlen nach unten und die Ozonwerte nach oben“, führte sie aus. Die Regierung habe die kritischen Werte in Sachen Klima nur erreicht, weil die Corona-Krise das normale Leben gebremst habe. „Das ist keine Strategie, das ist ein Unvermögen der Regierung“, forderte sie. „Wir brauchen jetzt Klimagerechtigkeit, sonst ist es zu spät“, so Pohl. Anschließend machte sich die Gruppe mit gut 40 Teilnehmern auf in die Rotenburger Innenstadt, um dort am Neuen Markt nochmals für ein Umdenken zu werben.