Ingrid Berg-Pund wünscht sich für ihre Werke einen guten Ort - VON GUIDO MENKER

Wohin mit der ganzen Kunst?

Die Galerie "Der Bogen" im Haus von Ingrid Berg-Pund beherbergt unzählige Kunstwerke. Da stellt sich die Frage: Wo kann das alles einmal bleiben und bestenfalls der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden? Foto: Menker
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Rotenburg – An diesen Wintertagen wirkt der Skulpturengarten hinter dem Haus, in dem Ingrid Berg-Pund schon seit vielen Jahren zu Hause ist, ein wenig trostlos. Der Himmel ist grau, es fehlt ganz einfach das Licht. Doch nicht nur hier sind zahlreiche Kunstwerke von der Frau zu finden, die ihr ganzes Leben der Kunst gewidmet hat. Viele weitere Ergebnisse ihrer Arbeit bestimmen auch das Bild im Haus. Der Skulpturengarten und die Galerie „Der Bogen“ als ein Teil des Rotenburger Kulturpfades – sie kennzeichnen das Leben der inzwischen 85-jährigen Künstlerin.

Inmitten von Ölbildern, Zeichnungen, Büchern und Plastiken begrüßt die weit über die Grenzen der Kreisstadt hinaus nicht nur bekannte, sondern auch vernetzte Malerin und Bildhauerin neben Bürgermeister Torsten Oestmann und Ehrenbürger Friedrich Kuhle auch den früheren Bauamtsleiter Jörg-Henner Gresbrand. Die drei Herren wollen der betagten Dame helfen, auf diese ihr so sehr am Herzen liegende Frage eine Antwort zu finden: Wohin mit der ganzen Kunst?

Kuhle – ein langjähriger Freund von Ingrid Berg-Pund – unterstreicht gleich zu Beginn dieses Treffens: „Einfach nur alles in Kartons zu packen und in einem Keller zu lagern, kommt nicht infrage.“ Die Künstlerin selbst würde gerne noch einiges von ihren weit mehr als 500 Werken verkaufen, um ihnen somit einen dauerhaften Platz zu verschaffen. Doch selbst dann, wenn sich die Idee Gresbrands von einer großen Auktion realisieren ließe: Es bleibt gewiss noch einiges übrig. Da sind sich alle an diesem Gespräch beteiligten Herren einig.

Was aber wäre die Ideallösung? „Ein Platz, wo alles bleiben kann und wahrgenommen wird.“ Doch wo eben dieser Platz sein kann, weiß Kuhle nicht. „Ich bin nicht berühmt genug, ich bin kein Picasso“, wirft die Künstlerin ein. Anfragen in Museen habe es bereits gegeben – kein Platz. Der 85-Jährigen würde es Freude bereiten, vielleicht mit ihrem Werk im Bachmann-Museum in Bremervörde landen zu können. Die Aussicht aufgrund der anlaufenden Sanierung dürfte bescheiden sein.

Ein Ergebnis gibt es bei diesem Treffen nicht. Torsten Oestmann bringt seine Hoffnung darauf zum Ausdruck, dass „sich vielleicht Menschen finden, die eine Idee haben oder gar selbst daran interessiert sind“, zumindest in Teilen etwas aus dem Fundus eines langen Künstlerlebens bei sich unterzubringen. Wer helfen kann, meldet sich unter 04261/3777. Die Stadt oder auch der Landkreis wären vielleicht ebenfalls potenzielle Abnehmer, findet Kuhle. Auch das wäre noch zu klären. Oestmann: „Vielleicht ist es sinnvoll, im Internet eine Plattform zu schaffen, auf der sich Interessierte erst einmal ein Bild von dem Werk machen können.“ Für Oestmann selbst ist diese im Raum stehende Frage neu, betont er. Soll heißen: Von jetzt auf gleich sind keine Antworten auf die Frage der Künstlerin zu finden.

Immerhin: „Marianne Schmidt hat bereits die Ölbilder in einem Buch zusammengefasst“, berichtet Berg-Pund. Ein weiteres Buch, in dem die Plastiken dargestellt werden sollen, sei bereits in Arbeit. Das hilft womöglich, allen einen Überblick zu verschaffen, die sich für die Kunst von ihr interessieren.

Richtig: Ingrid Berg-Pund war es, die die beiden Fischotter geschaffen hat, die den Hof vor dem Eingangsbereich des Rotenburger Kreishauses zieren. Ein immer wieder gerne gewähltes Fotomotiv, ein Hingucker. Diese beiden Fischotter im Kleinformat stehen bei Ingrid Berg-Pund im Regal. Irgendwie bringen Oestmann, Kuhle und Gresbrand zum Ausdruck, dass sich zumindest dafür ganz bestimmt jemand finden lässt. Der Fundus allerdings war schon beträchtlich größer: „Mehr als 1 000 Werke“, erinnert sich die 85-Jährige. Viel davon habe sie bereits verkauft. Zwei Ausstellungen im vergangenen Jahr bei ihr im Haus waren indes weniger erfolgreich. Die Zeiten sind nicht leicht für Künstler. Vielleicht spielt auch dabei Corona eine Rolle.

Die drei Herren machen sich wieder auf den Weg. Über die kleine Treppe zum Skulpturengarten verlassen sie dieses von Kunst geprägte Haus, vorbei an den zum Teil beeindruckenden Plastiken, denen an diesem trüben Tag die Brillanz genommen wird. Und doch mischt sich Hoffnung in den Abschied. Die Suche nach dem Ort für Ingrid Berg-Punds Gesamtwerk hat eine erste Struktur bekommen. Man bleibt im Gespräch. Vielleicht gibt es ja spätestens dann eine erste Antwort, wenn sommerliches Licht den Skulpturengarten wieder so zur Geltung bringt, wie es die Künstlerin und Besucher so lieben.

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