Ida Walter nach 48 Jahren ehrenamtlichen Engagement verabschiedet

Für Aufmerksamkeit am Ehrentag

Ida Walter engagierte sich 48 Jahre beim Besuchsdienstkreis der evangelischen Stadtkirche.
 ©Doris Metternich

Rotenburg (dm). Das Einfamilienhaus in der beschaulichen Siedlung Luhne in Rotenburg ist sehr gepflegt. Dort lebt Ida Walter, die über viele Jahrzehnte dem Besuchsdienstkreis der evangelischen Stadtkirche angehörte, um genau zu sein 48 Jahre. Das bedeutet, dass sie ein Gründungsmitglied dieser Gruppe ist.

1967 hatte der damalige Superintendent Haltenhoff die Gruppe ins Leben gerufen. Als junge Frau mit 29 Jahren begann Walter damit, Menschen zu besuchen, die ihren 75. Geburtstag feiern oder mehr als 80  Jahre alt wurden. Zu den Geburtstagen der älteren Generation besuchte sie diese und überbrachte im Auftrag der evangelischen Kirche Rotenburg Geburtstagsgrüße verbunden mit einem Blumenstrauß. Dem Besuchsdienstkreis gehören heute etwa 13 Frauen und ein Mann an, die sich darum kümmern, dass keine Geburtstage vergessen werden.

Einige der Menschen, die sie besucht habe, stehen ohne weitere Angehörige da und freuten sich ganz besonders über die Aufmerksamkeit anlässlich ihres Ehrentages. In Zeiten der Vereinsamung vieler älterer Menschen sei der Besuchsdienstkreis besonders wichtig geworden, die ehrenamtliche Aufgabe sei ihr ans Herz gewachsen und es falle ihr schon schwer, sich nun zurückzuziehen, erzählte Walter mit einer Spur von Wehmut. An den runden Geburtstagen der 80- und 90-Jährigen kommt die engagierte Pastorin Sabine Krüger dazu, um den Jubilaren ebenfalls zu gratulieren. Viele Schicksale und Geschichten habe sie bei ihren Besuchen gesehen und gehört, immer versucht bei den Besuchen eine positive Stimmung zu hinterlassen. Mit ihrem Ehemann Heinz, der sie in den ganzen Jahrzehnten stets unterstützte, sie bei Regen oder Kälte mit dem Auto zu den Jubilaren gebracht habe, hat sie jetzt mehr Zeit für ihre Familie und den großen, liebevoll angelegten Garten. Es sei mühsamer geworden, das große Grundstück in Ordnung zu halten, schließlich gehört noch ein kleineres Gemüsebeet dazu und auch der Goldfischteich erfordere eine Menge Pflege, berichtet Heinz Walter. Ein großes Gartenhaus mit vielen liebevollen Erinnerungsstücken der vergangenen Jahre zeugt von einem regen Familienleben. Im Laufe des Gespräches erzählt Walter aus ihrem Leben: Geboren in Bessarabien, dem heutigen Moldawien, kam 1940 die Umsiedlung nach Traunstein in Österreich. Drei Monate habe sie als Kind mit ihren Eltern dort in einem Lager hausen müssen, bevor die Familie in Danzig in Westpreußen eine neue Heimat fand. Doch im Januar 1945 mussten sie abermals die Heimat verlassen, die Flucht führte sie nach Wittorf bei Visselhövede. An die Flucht kann sie sich noch gut erinnern, an die zurückgelassenen Gegenstände, dass eines der Pferde starb und daran das sie und ihre Zwillingsschwester Läuse hatten. Richtige Heimatgefühle kamen aber erst nach dem Bezug des Hauses in der Luhne-Siedlung in Rotenburg auf. Zwei Kinder habe sie, erzählt Walter nicht ohne Stolz. Die Tochter sei schon in jungen Jahren nach London gezogen, lebt und arbeitet seit inzwischen 31 Jahren dort. Eigentlich sollten es nur zwei Jahre sein, doch habe sie sich verliebt und geheiratet und sei letztlich in Großbritannien geblieben. Die Enkelin, inzwischen 19 Jahre alt kommt gerne nach Rotenburg zu Besuch und genieße es von der Oma verwöhnt zu werden, berichtet Walter. Mit ihrem Mann sei sie schon oft in London zu Besuch gewesen, mal mit der Fähre oder auf dem schnellen Weg mit dem Flugzeug. Den Sohn habe es nach Brilon verschlagen, auch dahin bestehe ein sehr enger Kontakt, oft seien die Sauerländer zu Besuch, und dann dürfe sie gar nichts mehr machen, lacht Ida Walter schelmisch. Schließlich wollten die Kinder sie verwöhnen und entlasten. Einige körperliche Wehwehchen plagten sie, darauf nehmen die Kinder bei ihren Besuchen immer viel Rücksicht, erzählt sie weiter. Im Jahr 1989 habe sie eine Reise nach Moldawien unternommen, sie wollte sehen wo sie herkommt, wie es dort jetzt aussieht. Ihr Mann sei damit nicht wirklich einverstanden gewesen, aber sie habe sich durchgesetzt, schmunzelt Ida Walter. Es sei noch immer ein armes Land, aber sie sei beeindruckt gewesen von der Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Menschen in ihrem Geburtsland. Da habe es einige bewegende Momente gegeben. Für sie sei ihre ehrenamtliche Tätigkeit in der Kirche immer eine Freude gewesen und das darüber nun so groß gesprochen wird ist ihr gar nicht recht, meinte sie bescheiden zum Abschied.

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