Hildegard Jacobsohn trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein

100 Jahre Erinnerungsschatz

Erste Stadträtin Bernadette Nadermann (von links), Hildegard Jacobsohn, Bürgermeister Andreas Weber und Christel Gerken sprachen über alte Zeiten.
 ©Rotenburger Rundschau

Rotenburg/Dresden (r/db). Anlässlich ihres 100. Geburtstags am gestrigen Freitag hat sich Hildegard Jacobsohn in das Goldene Buch der Stadt Rotenburg eingetragen. Jacobsohn ist die jüngste noch lebende Tochter von Gertrud und Hermann Cohn. Bürgermeister Andreas Weber besuchte sie in dieser Woche in Dresden und verlieh ihr die „800 Jahr Feier“-Silbermedaille der Stadt Rotenburg. „Die bestens aufgelegte und geistig sehr rege Jubilarin zeigte sich über die Auszeichnung der Stadt geehrt und war sichtlich gerührt“, berichtete Weber im Anschluss. Die erste Stadträtin Bernadette Nadermann und Christel Gerken, Vorstandsmitgliedern des Fördervereins Cohn-Scheune, begleiteten ihn auf seiner Reise.

Tochter Edith Meinhardt und Helga Henze, eine aus Rotenburg stammende Freundin der Familie, komplettierten die Gesellschaft. Bei Kaffee und Kuchen berichtete Jacobsohn ausführlich über die Stationen ihres Lebens. So ließ sie ihren Fortzug ins Münsterland im Jahr 1935 als Folge der judenfeindlichen Politik der Nationalsozialisten, die Flucht vor der Judenverfolgung im Jahr 1939 nach England, ihre Arbeit dort, die Familiengründung und ihre Rückkehr nach Deutschland mit Mann und beiden Töchtern im Jahr 1948 Revue passieren.

Besonders gute Erinnerungen habe sie an die Verlegung der Stolpersteine vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Cohn in der Großen Straße 32 in Rotenburg im Jahr 2005. An diesem Tag begegnete sie erstmals nach 70 Jahren ihrer Verwandtschaft: den Kindern und Enkeln ihrer inzwischen verstorbenen Schwester Erna, die im Jahr 1938 nach Kolumbien geflüchtet war.

Jacobsohn lebte lange Zeit in Greifswald und zog vor fünf Jahren in ein Pflegeheim nach Dresden, um ihrer Tochter nahe zu sein. Auch wenn Jacobsohn dem Alter durch körperliche Einschränkungen Tribut zollen muss und inzwischen auf den Rollstuhl angewiesen ist, beeindruckte sie ihre Gäste „mit ihrem ausgesprochen freundlichen, dem Menschen zugewandten Wesen und ihrem hellwachen Verstand“. Nach dem Rezept für ihre geistige Frische befragt, erklärte sie, viel zu lesen. Einmal im Monat suche sie sich Bücher aus, und wenn sie damit durch sei, bestelle sie die nächste Monatsration. „Am späten Nachmittag verabschiedeten wir uns von dieser zutiefst beeindruckenden Persönlichkeit. Wir sind dankbar, Hildegard Jacobsohn persönlich kennengelernt zu haben“, so Weber.

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
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