Heinz Gehnke nach 30 Jahren in den Ruhestand verabschiedet - Von Dennis Bartz

„In meinem Job musst Du klauen“

"Eine meiner schönsten Erinnerungen", sagt Heinz Gehnke über dieses Foto. Es zeigt ihn mit Schriftsteller Harry Rowohlt.
 ©Foto: Rotenburger Rundschau

Rotenburg. Er ist auf der Bühne Zuhause und moderiert am liebsten vor großem Publikum. Doch als es um seinen eigenen Abschied ging, wollte er klammheimlich abtreten. Doch da hatte Heinz Gehnke die Rechnung ohne die Mitarbeiter des Rotenburger Rathauses gemacht. Sie gaben für den 66-jährigen Tourismus- und Marketingbeauftragten ein Abschiedsfrühstück. „Wir mussten ihn ein wenig dazu zwingen“, berichtete Bürgermeister Andreas Weber.

Es sind ein paar Tage vergangen, seit Gehnke den Schreibtisch geräumt und ein letztes Mal die Tür zum Info-Büro verschlossen hat. „Mir geht es gut damit – aber es ist für mich noch ungewohnt, dass ich morgens nicht mehr ins Rathaus fahren muss“, erzählt er im Gespräch mit der Rundschau. Eigentlich sollte für ihn bereits am 1. Januar 2018 Schluss sein – doch Gehnke verlängerte um ein Jahr. „Mir wären zwei lieber gewesen, aber dazu kam es leider nicht.“

Gehnke ist dafür bekannt, immer einen lockeren Spruch auf den Lippen zu haben und scheut sich nicht davor, damit anzuecken. Aber es gibt eine andere Eigenschaft, die ihn noch mehr auszeichnet. Das erkannten bereits seine Vorgesetzten während Gehnkes Zeit bei der Bundeswehr. In einer Beurteilung aus dem Jahr 1980 heißt es: „Gehnke ist ein temperamentvoller, lebensfroher Tatmensch.“

Das bestätigt Gehnkes rechte Hand im Infobüro der Stadt, Kirsten Lohmann, die über ihn sagt: „Heinz ist immer ruhelos und brennt dauernd an zwei Enden, dabei ist er aber sehr strukturiert.“ Die Beschreibung gefällt Gehnke, der zugibt: „Ich bin wirklich sehr ungeduldig und will nicht lange planen, sondern machen.“

30 Jahre lang war Gehnke für das Stadtmarketing verantwortlich und hat in dieser Zeit das gemacht, was ihm am meisten liegt: Er hat Ideen entwickelt und um diese gekämpft, selbst wenn er dafür kritisiert oder sogar belächelt worden ist.

Denn am Ende behielt er oft Recht – bestes Beispiel: der Rotenburger Zehner. Als er seine Idee im November vor zehn Jahren vorstellte, waren die Bedenken groß. Keine 20 Einzelhändler würde er davon überzeugen können, hörte Gehnke. Doch er war sicher: die Kritiker irren.

Ein Monat nach Ausgabestart waren es tatsächlich bereits 100 Rotenburger Händler, die den Rotenburger Zehner als Währung akzeptierten. Es war der Auftakt zu einer Erfolgsgeschichte, die sich bis heute fortschreibt: 460.000 Euro hat die Stadt Rotenburg mit dem Rotenburger Zehner inzwischen umgesetzt. Fast eine halbe Million Euro, die in die heimische Wirtschaft geflossen ist – und auch die aktuelle Auflage ist ein Erfolg. „Der Zehner brummt nach wie vor. Es gibt kein besseres Geschenk“, findet Gehnke.

Die Idee, Regiogeld drucken zu lassen, habe er nicht selbst erfunden, stellt Gehnke klar: „Wenn Du meinen Job hast, musst Du klauen, und noch wichtiger: es dann besser machen. Darum geht es. Ich war viel unterwegs und habe mir angeschaut, was andere machen. Die besten Ideen habe ich nach Rotenburg gebracht.“

Gehnke hat sich immer ehrgeizige Ziele gesetzt. So versuchte er, für Rotenburg an der Wümme ein eigenes Profil zu entwickeln und sich damit gegen Rothenburg ob der Tauber zu behaupten. „Die haben dort natürlich ganz andere Möglichkeiten. Dagegen ist unser Rotenburg ein Kaff. Aber es ist mir trotzdem gelungen, unsere Stadt bekannter zu machen und Touristen hierher zu holen.“

Es war der damalige Stadtdirektor Ernst-Ulrich Pfeifer, heute Vorsitzender des Rudolf-Schäfer-Vereins, der Gehnkes Bewerbung 1987 auf den Tisch bekam und sich für den 35-Jährigen aus Bergen im Kreis Celle entschied. „Es war eine ganz neue Stelle, die Heinz entwickeln musste“, erinnerte Weber beim Abschiedsfrühstück.

Gehnke leistete Pionierarbeit. „Damals gab es nur den Fremdenverkehrsverein. Ein älterer Herr, der ehrenamtlich dort arbeitete, hatte nicht viel mehr zu tun, als sich das gesamte Jahr auf eine Messe für Busreisen in Berlin vorzubereiten“, so Gehnke.

In den ersten Jahren bestand seine Aufgabe darin, neue Veranstaltungen aufzubauen und bestehende zu stärken. Den Kartoffel- und den Hökermarkt gibt es bis heute, andere wie das Matjesfest und den Geranienmarkt, die Gehnke besonders am Herzen lagen, wurden zwischenzeitlich aufgegeben. Ebenso das Weichelseefest. „Wir haben drei Tage Party gemacht: Disco-Musik für junge Leute, Oldienight und zum Abschluss Blasmusik am Sonntag. Das war meine Idee.“

Nicht glücklich ist er mit der Wahl des neuen Weihnachtsmarkt-Standorts in Rotenburg. „Lange war dieser an der Stadtkirche – dorthin gehört er für mich heute noch“, stellt Gehnke klar. „Die Atmosphäre war dort besser und der Markt kam damals ohne Zuschüsse aus. Trotzdem hatten wir ein kulturelles Programm. Wir hatten Walk-Acts, Feuerzangenbowle und ein Lagerfeuer. Die Politik hat das damals leider zerredet und die Kaufleute wollten den Markt lieber in der Innenstadt haben.“

Gehnkes Aufgabe ging weit über die Planung und Umsetzung von Veranstaltungen hinaus. Er baute ein Gastgeberverzeichnis auf, entwarf Image-Prospekte, Stadtpläne und Freizeitkarten. Er bekam mit Ilona Haas tatkräftige Unterstützung und wechselte von seinem Büro im Hauptamt in das heutige Info-Büro neben dem Rathaus. „Wir koordinieren dort inzwischen 600 Termine im Jahr und verkaufen Tickets“, so Gehnke.

Er erinnert sich gerne an seine „Schnapsidee“: Zum Stadtjubiläum startete der Verkauf von Gläsern mit Stadtwappen. Als er beim Stadtdirektor für diese Idee warb, glaubte der nicht an einen Verkaufsschlager. „Als ich ihm dann noch erzählt habe, dass ich 1.000 Stück davon bestellen will, wäre er fast vom Hocker gefallen“, sagt Gehnke und lacht. Er hatte erneut ein gutes Näschen bewiesen: 6.000 Schnapsgläser gingen über die Ladentheke. Auch der Rotenburger Krug war beliebt und verkaufte sich immerhin 800 Mal.

Mit anderen Ideen scheiterte Gehnke („Ohne Unterstützer geht es nicht.“). So konzipierte er einen Bildband, der alte und neue Stadtansichten gegenüberstellt. Mehrfach versuchte er, diesen zu realisieren. „Aber die Finanzierung klappte leider nicht“, bedauert Gehnke. Er spielte außerdem mit dem Gedanken, ein Picknick auf dem Heimatbundgelände und einen Rotenburger Kultursommer zu veranstalten. „Die Ideen finde ich immer noch gut“, betont Gehnke, der zudem einen Straßenmalerwettbewerb in der Fußgängerzone veranstalten wollte. „Das wird in Bodenwerder mit großem Erfolg so gemacht.“

Für Werbezwecke wollte er eine übergroße Neonplastik des Billy Boy-Männchens auf dem Kunstturm platzieren. Gehnke: „Dafür wurde ich belächelt. Dabei fahren dort jeden Tag zig Züge vorbei.“

Mit dem horizontalen Bierkistenstapeln auf dem Neuen Markt landete er hingegen einen weiteren Volltreffer und sorgte dafür, dass Rotenburg regelmäßig Drehort für Fernsehsendungen war: unter anderem für „Die aktuelle Schaubude“, „Pfennigfuchser“, die „Nordtour“ und „Das rote Sofa“.

Und was macht ein Tausendsassa wie Gehnke in seinem Ruhestand? „Ich habe eine Agentur für Werbung und Marketing gegründet. Außerdem bleibe ich Präsident des Stammtischs der Mistböcke, den ich vor 16 Jahren selbst ins Leben gerufen habe. Ich werde mich weiter für die Kinderhilfe Kenia engagieren und mich für Menschen mit Demenz einsetzen“, zählt Gehnke auf. Es gibt auf dem Globus zudem noch einige weiße Flecken, die er bereisen will: Israel und die griechischen Inseln sollen es als Nächstes sein.

Gehnke ist außerdem begeisterter Sammler von alten Radios, Büfettuhren und historischen Postkarten. „Ich habe die zweitgrößte Sammlung in Rotenburg und bin Mitglied in der Philokartisten Union Europas.“

Der Schreibtisch von Gehnke im Info-Büro ist bislang noch leer, ein aussichtsreicher Kandidat soll bereits kurz vor der Unterschrift stehen. Es sind große Fußstapfen, in die er treten wird und Gehnke hofft, dass er in einem Punkt so ist wie er: ein Tatmensch.

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
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 dennis.bartz@rotenburger-rundschau.de

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