Hartmannshof erhält 500 000 Euro für neue Projekte

Inklusion im Grünen

Roland Meyer vom Nabu (l.) und die Werke-Geschäftsführung mit Sabine Ulrich (2.v.r.) und Thorsten Tillner nehmen Barbara Otte-Kinast das Versprechen ab, dass diese wirklich mit ihren Cousinen mal zum privaten Besuch zurückkommt.
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VON MICHAEL KRÜGER

Rotenburg – „Heute nur Ministertermine.“ Barbara Otte-Kinast rauscht mit der schwarzen Limousine aus Hannover an, eineinhalb Stunden hat die CDU-Politikerin Zeit. Sie muss auf dem Hartmannshof heute nicht Kugelschreiber oder andere Wahlwerbung verteilen, sondern hat andere Geschenke dabei: Niedersachsens Landwirtschaftsministerin ist Gast auf dem Hof der Rotenburger Werke, lässt sich die Arbeit vor Ort, an dem maßgeblich auch der Nabu beteiligt ist, zeigen.

Symbolisch hat sie das dabei, was Politiker gut fünf Wochen vor der Landtagswahl am liebsten übergeben: Geld. 500 000 Euro gibt es für die Erweiterungen der Angebote auf dem mittlerweile 100 Jahre alten Hof, der mit der Eröffnung in neuer Form vor sieben Jahren zu einer inklusiven Begegnungsstätte geworden ist. „Hier kam man mit einer Förderung nicht vorbei“, so Otte-Kinast. Das Geld stammt aus dem „Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums“ – die Landwirtschaftsministerin darf übergeben. Bei der Begrüßung blickt sie ihren Parteifreund und Landrat Marco Prietz lachend an: „Ihren Landrat treffe ich ständig für Geldübergaben.“ Die Antwort, natürlich: „Ist ja nicht so, dass wir was dagegen hätten.“

Dabei sind die Fördermittel längst verplant. Eine gute Stunde wird der Ministerin auf Durchreise vorgestellt, was schon geschaffen wurde auf dem Hof in der Nähe des Bullensees. Und vor allem auch: Was noch kommt. „Hier wird es den ersten CO2-neutralen Kaffee Rotenburgs geben“, scherzt Projektleiter Johannes König, obwohl man das eigentlich auch ganz ernst nehmen könnte. Er spricht in diesem Moment auf der Terrasse des Hofcafés vor den am Donnerstagmittag geladenen Gästen über das Gemeinschaftshaus, das in unmittelbarer Nähe entstehen soll – direkt angrenzend an den Mitmach- und Erlebnisgarten (Mega) des Nabu. Dort, wo jetzt noch eine Baracke mit alten WC-Anlagen steht, rollen wie an vielen anderen Stellen des Hartmannshofs bald die Bagger an. Es soll ein „Ort für alle“ entstehen, sagt König. Eine große Küche, eine Halle im Stil niedersächsischer Hofgebäude, weitere funktional nutzbare Räume – auch geeignet als Schlafzimmer zum Beispiel für Freizeiten. Dazu wird der Rotenburger Nabu ein Büro erhalten, eine „Station“, wie der Vorsitzende Roland Meyer sagt: Anlaufpunkt, Treffpunkt, Arbeitsmöglichkeit, um künftig auch zwei Freiwillige für ein Ökologisches Jahr an einem festen Standort beschäftigen zu können.

Alles natürlich ökologisch gebaut, mit Fernwärme aus einer Biogasanlage, Gründach und Solaranlagen oben drauf. Wer sich hier künftig einen Kaffee macht oder machen lässt als Gast, müsse sich im Sinne Königs keine Sorgen machen. „Hier kann man den Akku aufladen“, sagt die Ministerin, meint damit aber ausnahmsweise nicht die Stromversorgung, sondern die Ruhe und Idylle des Hartmannshofs insgesamt. Sie suche ja immer einen Platz für ihr jährliches Cousinen-Treffen, man sei zu siebt. Prietz: „Wir bieten hier das Rundum-Sorglos-Paket.“

Das Gemeinschaftshaus ist aber nur ein Teil der Erweiterungen auf dem Hartmannshof. Bereits im Juni wurde auf der anderen Seite des Geländes Richtfest gefeiert. Hier entstehen barrierefreie Wohnhäuser, die nach der Fertigstellung zehn Jugendlichen und fünf jungen Erwachsenen mit Beeinträchtigungen zur Verfügung stehen – jeweils geräumige Einzelzimmer mit angeschlossenem Bad und Terrasse, dazu gibt es gemeinsame Küche und Wohnzimmer sowie zusätzlich überdachte Gemeinschaftsterrassen. Das Hofcafé, in dem Otte-Kinast interessiert den Ausführungen der Werke-Mitarbeiter lauscht, immer mal wieder Nachfragen stellt und an ihrem Aperol-Spritz nippt, wird zudem erweitert, bereits zum zweiten Mal. Es soll noch mehr zum touristischen Anziehungspunkt werden, für Radfahrer oder Wanderer hier am Rande des schönsten aller Nordpfade, dem ausgezeichneten „Dör’t Moor“. Und die Werke gehen noch weiter: Für fünf „Tiny Houses“ sind ebenfalls die ersten Sandhaufen aufgeschüttet – moderne Wohnformen für mehr Selbstständigkeit, klein und individuell.

„Das ist hier für mich eine Herzensangelegenheit“, sagt Otte-Kinast als gelernte ländliche Hauswirtschafterin. Von Mitarbeiter Felix erhält sie einen Präsentkorb mit frisch geerntetem Gemüse – Möhren, Kartoffeln, Paprika, Gurken, Auberginen und Kürbis. Es ist diese Strahlkraft, die über das Lokale hinausgeht, es sind neue Dienstleistungsangebote für junge und ältere Menschen, es ist der inklusive Ansatz des Hauses, das auch Dritten für Events und Feiern offenstehen soll, und es ist nicht zuletzt auch das Schaffen neuer Arbeitsplätze auf dem Hartmannshof, die die Region stärken, so die Ministerin. Es sei viel Mut notwendig, denn trotz der Fördergelder müsse von den Werken natürlich auch viel eigenes Geld investiert werden. „Es kommt immer auf engagierte Menschen an.“ Die treffe man hier: „Ein Vorzeigeprojekt.“

Bevor es dann zum nächsten Ministerinnentermin in den Landpark Lauenbrück geht, ein breites Lächeln: „Am liebsten würde ich den ganzen Tag bleiben.“ Im Auto müsse sie unbedingt was machen: Ihren Cousinen Whatsapp-Nachrichten schreiben.

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