Grundsteinlegung für das Thyssen-Krupp-Logistikcenter - Von Hans-Jörg Werth

Pilotprojekt

Feierliche Grundsteinlegung mit alle nötigen Utensilien und Marin Stiller (Vorstandssprecher, von links), Andreas Weber, Detlef Schotten (CEO) und Tobias Hegmanns (COO). Fotos: Hans-Jörg Werth
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Rotenburg. Im Mai 2017 war die erste und für Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber überraschende Anfrage aus Essen vom Thyssen-Krupp-Konzern gekommen, ob denn 75.000 Quadratmeter Grundstück mit Gleisanschluss in Rotenburg realisierbar wären? Rund zweieinhalb Jahre später signalisiert die Grundsteinlegung an der Trinidadstraße im Gewerbegebiet am Flughafen, dass es möglich ist – und zugleich eine Erfolgsgeschichte werden soll. Die Fertigstellung des Rotenburger Logistik-Centers ist spätestens zum Sommer 2021 geplant, bei Vollauslastung sollen einmal etwa 80 Mitarbeiter dort beschäftigt sein.

Vom Ruhrpott an die Wümme, von Essen auf den Weg nach Rotenburg machte sich die Führungsriege um Vorstand, Geschäftsführung, Logistik- und Projektleiter der Thyssen-Krupp Materials Service, um die Grundsteinlegung ihres neuen „State-of-the-art“-Logistikcenters zu feiern. Gemeinsam mit dem Rotenburger Verwaltungschef versenkten sie das traditionelle Blechgefäß, das eine Urkunde mit Angaben zum Bauprojekt sowie Zeitzeugnisse wie aktuelle Tageszeitungen enthält.

40 Standorte dieser Art hat der nach eigenen Angaben größte Werkstofflieferant der westlichen Welt allein in Deutschland. Das neue Rotenburger Logistik-Center mit Einarbeitungscenter wird einige Besonderheiten parat haben, die so bislang einmalig sind. Dafür investiert Thyssen-Krupp Materials Services für etwa 100.000 Quadratmeter Grundstück und eine eine Hallenlagerfläche von 36.000 Quadratmeter rund 60 Millionen Euro. „Hier sollen künftig bis zu 20.000 Tonnen Werkstoffe vorrätig gehalten und somit größtmögliche Materialverfügbarkeit gewährleisten werden“, so die Planung des Konzerns. Dabei wird laut Vorstandsprecher Martin Stillger die Chance in Rotenburg genutzt, ein Center mit Pilotcharakter zu entwickeln, „das quasi die Blaupause“ für spätere Logistikimmobilien sein soll. „Wir werden ein völlig neues Logistikkonzept erproben und den Maschinenpark digital vernetzen,“ erklärte Stillger. Innovation heißt in diesem Rahmen insbesondere der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), kurz genannt „alfred“. Der neue KI-Mitarbeiter soll für verbesserte Warenströme am Standort Lerchenberg im Rotenburger Gewerbegebiet sorgen. Für Stiller eine Pilotlösung, die wegweisend für Deutschland und im internationalen Geschäft der Werkstoffhändler sein könne. Für die Wachstumsstrategie und Bündelung der Aufgaben des Konzerns im Norden der Republik werden drei Standorte in Bremen beziehungsweise Hamburg Ende September 2021 schließen. Dort ist ein weiterer Ausbau zum Teil nicht möglich, auch weil man nahe an Wohnbebauungen sei, erklärt der Projektleiter für Rotenburg, Peter Felten von Thyssen-Krupp Schulte, einem Tochterunternehmen von Material Services. „Wir liefern zukünftig den Treibstoff für die industrielle Produktion unserer Kunden, zum Beispiel im Bereich Automotive und Werften noch schneller aus dem Rotenburger Werk heraus.“ Zum Service in Rotenburg wird zukünftig auch das Einarbeitungsprogramm gehören. Nach Kundenvorgabe könne Langmaterial passgenau bearbeitet werden, erklärt Felten. Ob längs- oder quergeteilt, gesägt, gelasert, plasmagebrannt, wasserstrahlgeschnitten, entzundert und grundiert, inklusive QS- und Werkstoffprüfung, alles direkt einsetzbar für die Kunden, so Felten weiter. 

Tobias Hegmanns (COO) fühlt sich gut aufgehoben in Rotenburg. Man betrete hier mit dem Neubauprojekt Neuland für die Branche, so Hegmanns zum geplanten Konzept „Ware zum Lkw“. Damit könnten deutliche Produktivitätssteigerungen durch optimierte Logistikabläufe erreicht werden. Da Querverkehre zukünftig wegfallen würden, erhöhe sich damit auch der Arbeitsschutz, so Hegmanns. Dadurch dass die die Ware zum Lkw geführt wird, um dann über Ladebuchten be- und entladen zu werden, werde der Prozess insgesamt schneller. „Zum Einsatz kommen auch fahrerlose Transportsysteme, die Standzeiten werden generell reduziert“, so Hegmanns.
Fast ein Heimspiel hat das Bauunternehmen Johannes aus Hemslingen. Das Unternehmen mit einem Standort in Hamburg spricht von Routine in der Herstellung des Logistikcenters. Einige Extras und besondere Gebäudeanforderungen gibt es aber doch. Der technische Ausbau für KI & Co. ist das eine, eine Hallenhöhe von 22 Metern schon weit über dem Maß typischer moderner Logistikhallen mit 11 bis 14 Metern Höhe.
Klaus Piepmeier, Mitglied der Johannes Geschäftsleitung, spricht von etwa 30 Millionen Euro allein für den Hallenkomplex. Nach Aussage Piepmeiers profitiert auch die heimische Wirtschaft, denn mit Krüger-Bau für den Rohbau sowie dem Rotenburger Bedachungsgeschäft Carstens sind Rotenburger Betriebe unmittelbar beteiligt.
Bis zur Baugenehmigung sind nur wenige Monate vergangen, daher gab es Lob an die Stadtverantwortlichen von allen Seiten. „75.000 Quadratmeter kriegen wir hin“, erinnerte sich Weber an die Anfänge und lobte indes ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit dem Waffensener Ortsbürgermeister Hartmut Leefers, denn einige Flächen mussten noch von der Stadt zugekauft werden.
Für eine Ausbaureserve auf dem rund 100.000 Quadratmeter großen Grundstück ist also ausreichend Platz. „Wir könnten die Hallenflächen noch um 15.000 Quadratmeter erweitern,“ freut sich Felten. Im Sommer 2021 soll der Betrieb starten. Bis zur Fertigstellung werden laut Felten noch Facharbeiter aus der Region für das neue Logistikzentrum gesucht.

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