Grund zum Feiern: Angebot des Offenen Mittagstischs besteht seit 20 Jahren - VON ANN-CHRISTIN BEIMS

An einer großen Tafel

Aktive und ehemalige Mitwirkende des Offenen Mittagstischs. Foto: Ann-Christin Beims
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Rotenburg – Ursprünglich war der Offene Mittagstisch in Rotenburg auf zwei Jahre ausgelegt. Das war vor 20 Jahren und noch immer kommen vor allem Ehren-, aber auch Hauptamtliche des Diakonischen Werkes zwei Mal in der Woche zusammen und organisieren ein erschwingliches warmes Essen an einem Ort, der zugleich Raum für Begegnungen und Gespräche bietet. Diese Kombination ist heute noch genauso notwendig wie damals – doch hat die Pandemie einiges durcheinandergewirbelt in ihrer Arbeit, sagt Helga Schwiebert. Die 66-Jährige ist von Anfang an im Team dabei und hat mittlerweile die Organisation übernommen.

Ziel des Projekts, angestoßen vom damaligen Superintendenten Burkhard Krause, war und ist es, Menschen, die sich das nicht leisten können, ein günstiges Essen zu bieten und dabei einsame oder Kontakt suchende Menschen zusammenzubringen. „Dass der Mittagstisch schon seit 20 Jahren existiert, freut mich sehr. Immer mehr Menschen leben in unserer Gesellschaft allein. Da ist es gut, wenn es ein Angebot gibt, in einer vertrauten Gemeinschaft zwanglos zusammenzukommen“, erklärt Superintendent Michael Blömer, der nicht unerwähnt lässt, für was für einen liebevollen Rahmen die Helfer sorgen – immer mit einem offenen Ohr für die Besucher.

Doch in Pandemiezeiten war genau das nicht möglich. Zwischenzeitlich gab es eine Essenslieferung an die Haustür, zwölf Gäste hatten Interesse gezeigt – gegessen wurde trotzdem allein. Da zum Großteil ältere oder Menschen mit psychischen Erkrankungen zu ihnen kommen, mitunter seit Jahren, war die Sorge, diese im Lockdown zu verlieren, erinnert sich Schwiebert. „Jeder hat sich gefreut. Zwar gab es das Essen nur an der Tür, aber noch einen kleinen Schnack.“

Doch selbst jetzt, wo der Mittagstisch an der Goethestraße wieder gestartet ist, gibt es Einschränkungen. Die Gäste kommen in zwei Gruppen mit unterschiedlichen Essenszeiten. Jede Gruppe hat eine Stunde Zeit – „aber manche brauchen mehr Kontakt“, weiß Schwiebert. Jetzt gibt es zudem eine Trennung zwischen Tresen und Gastraum, vorher wurde das Essen an den Tisch gebracht. Und sie müssen sich anmelden. „Das ist für manche sicher eine Hürde“, meint Angela Hesse, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks. Das fördert zum größten Teil das Angebot, Zuschüsse gibt es auch vom Landkreis, der Stadt und Kirchengemeinden – und von Spendern.

Vor 20 Jahren hatten die Verantwortlichen zum Start mit 25 Plätzen geplant – viel zu wenig, sie stockten schnell auf 35 auf. Heute kennt man sich, aber vor allem kennen die Helfer auch die Lebensgeschichten der Besucher – und die sind nicht immer einfach. „Wir können aber immer darüber reden, wenn uns etwas belastet“, meint Schwiebert. Auch da ist vieles im Wandel: Zum einen haben sich die Probleme der Menschen verändert, die zu ihnen kommen. „Aber wir haben auch mehr Verständnis entwickelt, können anders auf sie eingehen.“ Und einmal, da haben sie indirekt sogar Amor gespielt – denn nicht nur freundschaftliche Verbindungen sind unter den Gästen entstanden. Auch ein Paar hat sich auf diesem Weg gefunden.

Zwar läuft das Essen meist harmonisch ab, Randale bis hin zum Hausverbot hat es aber auch schon gegeben. „Das ist eine Situation, auf die man nicht vorbereitet ist.“ Vorbereitet sind sie aber, wenn es Probleme anderer Art gibt. So berät Hesse als pädagogische Begleiterin, hilft zum Beispiel bei Fragen zu Rente, Grundsicherung und mehr. Oder sie kann einwirken, wenn sie mitbekommt, dass es Zuhause nicht so reibungslos läuft, wie bei den Essenslieferungen. In der Pandemie ist sie verstärkt mittendrin, muss aber trotzdem eine gewisse Distanz für sich bewahren.

Waren es anfangs 20, sind es heute nur noch elf Aktive, die in Dreierteams arbeiten. Weniger dürften es nicht sein, so Schwiebert – sonst ist die Arbeit nicht mehr zu schaffen. Perspektivisch werden sie sich weiter verkleinern, wenn nicht genug Nachwuchs kommt, denn die Jüngste im Team ist 50 Jahre alt. „Es wäre schade, wenn man es irgendwann einstellen müsste, der Bedarf wird bleiben.“ Noch ist Hesse aber zuversichtlich, dass sich genug Nachwuchs findet.

Auch anderes hat sich verändert über die Jahre. Kam das Essen zunächst noch wechselnd vom Diako-Service und dem Matthias-Claudius-Heim, liefern das seit 2017 die Rotenburger Werke. Der ursprüngliche Gedanke war, dass mit dieser Lösung kein Essen weggeworfen werden muss. Der Nachteil: Niemand wusste, was es mittags geben würde, erinnert sich die 66-Jährige. „Das ist jetzt mit einem festen Monatsplan entspannter.“ Keiner ist dabei allein, es gibt eine große Tafel für alle zusammen. Der erste Gedanke, Gruppentische zu machen, wurde schnell verworfen. „Letztlich versammeln sich sowieso alle um einen Tisch herum“, erklärt Schwiebert. Zumindest alle, die kommen können – denn ein großes Manko hat der Raum an der Goethestraße: Er ist nicht barrierefrei. Doch die Suche nach Räumen sei nie einfach gewesen, denn der Mittagstisch muss zentral bleiben, um für jeden erreichbar zu sein.

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