Gewerbetreibende müssen Energie sparen und sich anpassen

Kreative Ideen sind gefragt

Apotheker Renu00e9 Große profitiert bereits von LED-Lichtern in seinen Filialen. Foto: Wuttke
 ©

VON VINCENT WUTTKE UND ANDREAS SCHULTZ

Rotenburg – Kalt duschen, beim Verlassen von Räumen das Licht ausmachen: Diese und weitere Energiespartipps dürften vielen Menschen bereits aus den Ohren heraushängen. Doch sparen muss sein – auch Gewerbetreibende in Rotenburg schauen, an welchen Stellschrauben sie drehen können, um den Energieverbrauch ihrer Betriebe und damit auch die Kosten zu senken.

Eine von ihnen ist Jette Grewe. Die Inhaberin vom Gartencenter Garten Grewe und dem Geschenke- und Dekorationsgeschäft Jette C in der Innenstadt bestätigt: Der richtige Umgang mit gestiegenen Strom- und Gaspreisen „ist ein großes Thema“. Gerade das gläserne Gartencenter am Stadtrand mit seinen rund 2 000 Quadratmetern Fläche erfordert – gerade mit Blick auf den kommenden Winter – rigoroses Prüfen der Verbräuche und entsprechende Maßnahmen. „Zimmerpflanzen müssen auf 18 Grad gehalten werden. Wir werden sie also in einem Abteil gut zusammenstellen und beheizen“, sagt Grewe. In einem Raum soll es also etwas wärmer bleiben, der Rest der Verkaufsfläche wird voraussichtlich nicht über fünf Grad kommen. „Und die Mitarbeiter sind dann mit langen Unterhosen unterwegs“, so die Inhaberin. Aber das kenne man schon vom Geschäft über die Wintermonate.

Anders als es andere Gartencenter überlegen, bleibt Garten Grewe dann auch im Januar und Februar für seine Kunden zugänglich: „Auch wenn es noch so kalt wird – wir bleiben geöffnet“, gibt Grewe zu verstehen. Da die Räume sowieso auf fünf Grad Mindesttemperatur gehalten werden, biete sich das an.

Sparmaßnahmen beträfen auch die Lieferanten. Das macht Grewe am Beispiel von Weihnachtssternen deutlich: Die Hälfte der Anbieter verzichte aufgrund der gestiegenen Kosten auf die Sterne, die andere werde ihre Preise entsprechend anziehen. „Ich weiß noch nicht, was da auf uns zukommt“, sagt Grewe. Wird der Weihnachtsstern also zum teuren Luxusobjekt?

Auf Schaufensterbeleuchtung will auch Jette Grewe nicht verzichten: Hinter dem Glas von Jette C leuchte LED-Technik, die ungefähr so viel verbrauche wie ein Toaster. Da das Geschäft bereits Ziel von Einbrechern geworden ist, werde sich zum Schutz vor den Tätern daran auch nichts ändern: „Da bin ich dann auch mal etwas großzügiger“, sagt Grewe. Und auch die Tür bleibt, anders als gewohnt, bei kälteren Temperaturen geschlossen. Normalerweise sei sie geöffnet, um Kunden die Schwellenangst zu nehmen.

In den Filialen der Apotheke Große steht das Thema Energiesparen ohnehin schon lange auf der Tagesordnung. „Wir sind seit drei Jahren klimaneutral“, betont Inhaber René Große. So würde sich ohnehin über vieles Gedanken gemacht werden. Das Licht ist bereits in allen Stellen in Rotenburg auf LED umgestellt. In Gnarrenburg geschieht dies aktuell. Somit benötigen die Apotheken weniger Energie. Nachts ist es an den Standorten ohnehin dunkel. Es wird alles abgestellt. Auch die Heizung läuft schon jetzt nicht voll. Der Grund: „Durch die Computer und andere technische Geräte wird ständig Wärme abgestrahlt. Das reicht auch im Winter fast aus, weil die Türen bei uns geschlossen bleiben“, sagt Große.

Der Apotheker muss jedoch seine Kühlschränke und weitere Kühlgeräte durchgehend versorgen. Dort sind keine Einsparungen möglich. „Es ist eine schlechte Idee, in einer Apotheke die Kühlschränke abzustellen“, meint der Fachmann. Denn die Impfstoffe und Insuline werden sofort unbrauchbar, wenn sie nicht dauerhaft kalt gelagert werden.

Cornelia Gewiehs von der IG City Marketing betont bei der Frage nach möglichen Einsparungen: „Die Bandbreite an Geschäften in der Innenstadt ist groß, sodass man bestimmt keine allumfassende Antwort geben kann.“ Sie könne deshalb nur für sich und ihre Boutique mit einer Verkaufsfläche von 135 Quadratmetern sprechen. Sie hat in den vergangenen Jahren bereits vorgesorgt und komplett auf LED-Beleuchtung umgestellt. „Dadurch habe ich den Energieverbrauch auf ein Drittel reduziert“, sagt sie. Zudem verfügt ihr Jeans-Shop über moderne und sparsame Technik, die zuverlässig Corona- und Grippeviren abtötet.

Auf eine Klimaanlage verzichtet Gewiehs in ihrem Laden. Es wird aufgrund der Pandemie häufig gelüftet. „Um die Kunden nicht beim Umziehen frieren zu sehen, sind oberhalb der Umkleidekabine Infrarotstrahler installiert worden, die punktuell und nur bei Bedarf wärmen“, erklärt die Geschäftsfrau.

Gewiehs hat aber auch Kritik. „Wofür ich kein Verständnis aufbringe: Ausgerechnet in der Innenstadt von Rotenburg sind die ältesten Straßenlaternen der Stadt zu finden, echte Stromfresser und unansehnliche Funzeln, keine LED-Laternen wie im übrigen Stadtgebiet.“ Zudem hält sie nichts davon, dass die Geschäfte nach Schließung alle Lichter abschalten sollen. „Wo bleibt das Sicherheitsbedürfnis der Bewohner und Besucher der Innenstadt?“ Zudem herrsche bei den Geschäftsleuten Unklarheit, was in den kommenden Monaten wichtiger ist: Lüften oder Stromsparen? „Und was mich zudem auf die Palme bringt, ist, wenn wir widersprüchliche Anordnungen bekommen. Ich soll stoßlüften, weil das gegen Coronaviren hilft, zugleich aber die Türen geschlossen halten, um Energie zu sparen. Wie geht das?“

28.02.2021

Landpark Lauenbrück

12.02.2021

Winterlandschaft in Rotenburg

22.12.2020

Weihnachtsbilder

29.10.2020

Herbstfotos der Leser