Gerd Hachmöller und Samer Tannous bringen Fortsetzung raus

Ein tiefgehender Tauchgang

Gerd Hachmöller (l.) und Samer Tannous halten eines der ersten Exemplare ihres neuen Buches in den Händen. Foto: Wuttke
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VON VINCENT WUTTKE

Rotenburg – Als der Postbote kurz vor dem Pressegespräch klingelt und das Paket mit dem ersten Stapel der neuen Bücher übergibt, strahlt Samer Tannous über beide Ohren. „Ich habe mich so sehr gefreut, als würde ich ein neues Baby bekommen“, sagt der Rotenburger und lacht. Wenig später hat er eines der ersten gedruckten Exemplare schon in seiner Vitrine eingerichtet und begutachtet die Überschrift „Lebt ein Syrer in Rotenburg (Wümme)“ mit dem Untertitel „Neue Versuche, meine deutsche Heimat zu verstehen“ glücklich. Gemeinsam mit Gerd Hachmöller hat Tannous somit die Fortsetzung des ersten Bandes „Kommt ein Syrer nach Rotenburg (Wümme)“ fertiggestellt, der zum Spiegel-Bestseller wurde.

Es geht weiterhin um die Geschichte eines Mannes, die ihren Ursprung bereits vor sieben Jahren hat. 2015 kam der heute 52-jährige Tannous zusammen mit seiner Frau und den beiden Töchtern von Damaskus aus in Rotenburg an. Der Krieg hatte sie aus ihrer Heimat vertrieben. Wenige Monate später lernte der Französisch-Dozent bei einer Veranstaltung des Deutsch-Französischen Partnerschaftsvereins Gerd Hachmöller kennen. Seitdem hat sich eine dicke Freundschaft entwickelt, deren Gespräche immer wieder verschriftlicht werden. „Im ersten Buch sind wir noch an der Oberfläche geschwommen, jetzt sind wir viel tiefer in den Themen drin“, beschreibt Hachmöller. „Wir tauchen eher. Es geht nicht mehr um grundlegende Dinge, um sich zurechtzufinden, sondern darum, die Mentalität verstehen zu wollen“, fügt Tannous an. Denn seit den ersten Kolumnen aus dem ersten Buch hat sich für ihn einiges verändert. Inzwischen ist er sieben Jahre in Rotenburg, hat eine Wohnung, einen festen Job und ein Auto. Kurzum: Er ist vollends angekommen. So passt es auch, dass die gesamte Familie in einem Monat die deutsche Staatsbürgerschaft verliehen bekommt. „Ich habe mich schon gefragt, ob ich dann als Deutscher kritischer schreiben werde. Das wird man sehen“, sagt Tannous scherzend.

Am 14. September erscheint das neue Buch im „Random House“-Verlag zum Preis von 15 Euro. In Rotenburg ist es bereits eine Woche früher erhältlich. Grundlage für das Buch sind die mittlerweile 116 Kolumnen, die von den beiden im Spiegel hinter einer Bezahlschranke erschienen sind und nun teilweise neu bearbeitet wurden. Die einzelnen Episoden sind in den vergangenen Jahren an jedem Sonntagmorgen entstanden. Bei Tannous und Hachmöller geht es in den Gesprächen bei Kaffee immer um ein Thema, das Tannous näher verstehen möchte. Denn einiges ist für ihn immer noch ungewöhnlich. Eine der jüngsten Geschichten ist ein gescheiterter Wanderurlaub. Hachmöller hatte seinem Freund schon lange davon vorgeschwärmt, und so ging es für Familie Tannous in die Berge. Allerdings traf die Reise nicht den Geschmack und so wurde sie nach wenigen Tagen vorzeitig beendet. „In Syrien kennen wir wandern auch. Bei uns ist es aber so, dass wir in Bergdörfer wandern und dort abends dann ein Fest feiern und uns mit Freunden treffen oder auf dem Weg mit einer großen Gruppe grillen. Hier geht es ja nur ums Spazierengehen“, sagt der Vater von zwei Töchtern und lacht.

Natürlich sind einige der aufgeschriebenen Erlebnisse und Situationen auch lustig. Nur erkennen nicht alle immer den Humor. „Viele Geschichten sind ein Handkuss an Deutschland. Leider verstehen manch rechte Trolle das nicht“, bemerkt Hachmöller. „Samer stören solche Nachrichten an uns richtig, mir geht es ehrlich gesagt ziemlich am Hintern vorbei.“ Doch auch Tannous freut sich dann darüber, dass diese öffentlichen Kommentare im Internet von Fans des Duos sofort gekontert werden. „Wir mussten noch nie auf so etwas antworten. Unsere Leser übernehmen das“, so Hachmöller.

Wie lange die beiden noch weiterschreiben, ist offen. Ein Ende ist nicht in Sicht. „Wir dachten, dass der Spiegel, die Leser oder wir irgendwann keine Lust mehr haben. Aber das ist alles nicht der Fall“, erklärt Hachmöller. Und Tannous fügt an: „Ich fühle mich wie ein Bäcker, der Brot backen muss. Die Leute warten auf uns. Wir müssen weiter unser Brot backen und Geschichten schreiben.“ Für ein drittes Buch wäre in der Vitrine von Tannous auch noch ein Platz frei.

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