Friedrich und Gudrun Klingeberg feiern diamantene Hochzeit - Von Dennis Bartz

„Wir reden und lachen viel“

Ein Herz und eine Seele: Friedrich und Gudrun Klingeberg sind heute noch genauso verliebt wie am ersten Tag.
 ©Foto: Dennis Bartz

Rotenburg. Der gepflegte Seefahrerbart ist das Markenzeichen von Friedrich Klingeberg. Früher, als der Wuchs noch schwarz war, genau wie heute, schlohweiß, mit 83 Jahren. „Es war damals mein Wunsch, dass er sich einen Bart wachsen lässt – ich finde immer noch, dass er ihm sehr gut steht“, sagt Ehefrau Gudrun, 79, die bis zur Hochzeit den Namen Neumann trug. Am heutigen Samstag feiert das Rotenburger Paar seine diamantene Hochzeit im Rotenburger Stadtidyll mit Familie und Freunden.

Die Rundschau hat das Paar an ihrem Hochzeitstag besucht. Die beiden erinnern sich noch genau an den 8. Januar 1960, den Tag, an dem sie sich das Ja-Wort gegeben haben. Er war damals 23 Jahre alt, sie gerade 18 und damit noch nicht volljährig. Deshalb brauchten die beiden eigentlich die Unterschriften ihrer Eltern, doch der Vater war im Krieg umgekommen. „Bis wir alle Genehmigungen zusammen hatten, war es ein langer Weg“, erinnert sich Friedrich Klingeberg.

Das Wetter war an diesem Tag nasskalt, mit Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, dazu regnete es gelegentlich. Aber das konnte dem jungen Brautpaar seinen perfekten Tag nicht vermiesen. „Wir wollten unbedingt heiraten“, betont Gudrun Klingeberg. Die junge Friseurin hatte ihren Friedrich im Jahr zuvor kennengelernt, als sie ihre Mutter unterstützte. Diese arbeitete damals in der Kantine des Bundesgrenzschutzes in Lüneburg. „Ich habe hinter dem Tresen gestanden, als er rein kam. Bei uns war es wirklich Liebe auf den ersten Blick – und wir sind immer noch glücklich“, betont sie.

Drei Monate nach der Hochzeit kam Tochter Marina zur Welt. „Aber wir haben nicht deswegen geheiratet. Meine Mutter war damit ganz entspannt umgegangen. Sie war eine sehr ruhige, verständnisvolle Frau und hat uns tatkräftig unterstützt, als eine Mitarbeiterin des Jugendamts zu uns kam, weil die Behörde wegen meines Alters das Kindeswohl gefährdet sah. Man kann sagen, dass sie mich bereits emanzipiert erzogen hat, bevor es das Wort überhaupt gab“, sagt Gudrun Klingeberg und lächelt.

Von Lüneburg aus bezog die junge Familie zunächst in Schwachhausen eine kleine Ein-Zimmer-Wohnung, ehe sie schließlich 1965 ein Haus in Moordeich bei Stuhr fand.

Nach seiner Zeit beim Bundesgrenzschutz arbeitete Friedrich Klingeberg zunächst als LKW-Fahrer und später als Disponent in einer Spedition, bis seine Firma schloss und er sich dazu entschied, seine große Leidenschaft zum Beruf zu machen und sich zum Koch umzuschulen.

Gemeinsam mit seiner Ehefrau, die zwischenzeitlich Erfahrung im Service gesammelt hatte, übernahm er Bischoffs Gasthof in Bassen. „Wir haben unsere Tochter mit ins Boot geholt und den Betrieb als Familie geleitet. Eine tolle Zeit“, erinnert sich das Ehepaar. Zehn Jahre lief das gut, aber dann erkrankte die Tochter. „Sie musste aufhören. Danach wurde es uns zu viel und wir beschlossen deshalb, damit aufzuhören“, berichtet Gudrun Klingeberg, die wie ihr Mann leidenschaftlich gerne kocht. „Das ist eines unserer gemeinsamen Hobbys. Wir probieren viel aus, von Hausmannskost bis Chinesisch. Deswegen waren wir als Gastgeber immer sehr beliebt.“

Seit 1996 leben sie in Rotenburg und fühlen sich dort sehr wohl. „Die Innenstadt ist schön, die Menschen sind nett. Ich habe in Behörden, Ämtern und bei Ärzten noch nie ein unfreundliches Wort gehört. Außerdem kommen wir von hier aus schnell nach Hamburg, Bremen und Hannover – das war wichtig für uns“, so Gudrun Klingeberg.

Denn Reisen sei lange ein weiteres Hobby gewesen, das die beiden verbunden hat. Sie waren unter anderem in Spanien, Italien, Griechenland, Dänemark und Bulgarien. „Wir haben uns dort vom Essen inspirieren lassen. Es war überall gut, aber in der Bretagne hat es uns am besten geschmeckt“, so Friedrich Klingeberg.

Das Reisen haben sie inzwischen aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben. „Aber das ist nicht schlimm. Wir haben daran viele schöne Erinnerungen, und nun mehr Zeit für unseren tollen Freundeskreis. Außerdem lesen wir viel, Bücher genauso wie Zeitungen. Von der Bibel bis zur Micky Maus war schon alles dabei, auch in den Koran habe ich schon reingelesen“, erzählt Gudrun Klingeberg.

Das diamantene Ehepaar hat in guten wie in schwierigen Zeiten immer zusammengehalten. „Man kann sagen, dass wir positive Fatalisten sind, Pessimismus kennen wir dagegen gar nicht.“

Ihre besondere Stärke sei dabei auch heute noch, dass sie viel zusammen lachen und immer etwas zu erzählen haben. „Wir sehen oft Paare in Restaurants, die sich nur anschweigen. Das ist uns noch nie passiert“, erklärt Gudrun Klingeberg, die stolz auf ihr Alter ist.

Zwar hätten sich inzwischen die ein oder anderen „Wehwehchen“ eingestellt, „aber uns geht es gut, wir haben uns“, stellt Friedrich Klingeberg klar und fügt scherzend hinzu: „ Jetzt ist eben die Zeit, in der wir morgens aufstehen, unsere Hörgeräte einsetzen, danach die Zähne und schließlich nach der Brille suchen.“ Seine Ehefrau ergänzt: „Wir sind gemeinsam alt geworden – aber das ist doch schön.“

Eine Ehe sei wie ein Meer, betont sie: „Es gibt Tiefen und sie ist nicht berechenbar. Man muss sie so lieben, wie sie ist. Mein Mann und ich gehen nie im Streit schlafen. Es gibt immer einen Gute-Nacht-Kuss.“ Sie betont, dass es in all den Jahren ohnehin kaum Streit gegeben hätte. „Weil ich immer das mache, was sie sagt“, scherzt Friedrich Klingeberg, und seine Frau erklärt: „Man kann mit ihm gar nicht streiten. Wenn ich mal sauer war, hat er mich in den Arm genommen und etwas Liebes gesagt. Dann war die Wut sofort weg.“

Die 79-Jährige muss nicht lange darüber nachdenken, was sie an ihrem Mann am meisten liebt: „Noch bevor ich die Augen richtig aufhabe, muss ich zum ersten Mal lachen, weil er beim Wecken immer wieder einen neuen Spruch auf Lager hat.“ – „Ich bin schon ein Guter!“, sagt ihr Mann mit einem Lächeln und nimmt seine Gudrun für das gemeinsame Foto in den Arm.

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
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