Frank Westermann setzt sich für das Tierheim Mulmshorn ein - Von Dennis Bartz

„Wir drehen uns im Kreis“

Der Mulmshorner Gastronom Frank Westermann fordert von den Kommunen, zu ihrem Tierheim zu stehen.
 ©Foto: Dennis Bartz

Mulmshorn. Das Jahr neigt sich dem Ende, und noch immer weiß das Team vom Rotenburger Tierheim nicht, wie es das kommende finanziell überstehen soll. Spätestens im September sind die finanziellen Mittel aufgebraucht. Danach droht die Schließung. Um diese zu verhindern, hatte Tierheimleiterin Silke Wingen bei den Kommunen im Südkreis einen Antrag auf (Wieder-)Aufnahme der Fundtiere gestellt. Bislang war diesem Angebot nur die Stadt Rotenburg gefolgt, Scheeßel, Sottrum, Visselhövede, Fintel und Bothel lassen Fundtiere dagegen weiterhin vom Tierheim in Brinkum versorgen. Und dabei wird es aller Voraussicht nach auch bleiben, obwohl die Verträge Ende des Jahres auslaufen.

Denn nachdem zunächst Sottrum Wingen eine Absage erteilt hatte, hat nun auch der Verwaltungsausschuss in Visselhövede entschieden, den Vertrag mit dem Bund gegen Missbrauch der Tiere, der das Tierheim Arche Noah in Brinkum betreibt, zu verlängern. Von den weiteren Gemeinden hat Wingen bislang nichts gehört. „Mir liegt nur die schriftliche Absage aus Sottrum vor.“

Nun macht sich der Rotenburger Ratsherr Frank Westermann (CDU) für das Tierheim stark und kritisiert die Einstellung der Gemeinden: „Sie können ihre Entscheidung nicht damit begründen, die Entwicklung im Tierheim in Mulmshorn noch ein weiteres Jahr abwarten zu wollen. Denn dann gibt es das Tierheim womöglich gar nicht mehr.“ Wingen und er selbst hätten viele Gespräche geführt und alle Bedenken aus dem Weg geräumt. „Die Gemeinden hätten ja nicht einmal eine Kündigung aussprechen müssen. Trotzdem hat es irgendwie nicht gefruchtet“, so Westermann.

Der Mulmshorner Gastronom unterstützt Wingen, seit diese die Leitung übernommen hat. „Wir hatten das Tierheim im vergangenen Jahr mit der CDU-Fraktion besucht. Damals hatte sich dort zwar schon viel getan, aber die Liste der Dinge, an denen es noch haperte, war lang. Ich habe viel telefoniert und konnte auf diesem Weg Baustoffe und andere Hilfe organisieren. Im Oktober 2018 haben wir bei einer großen Aufräumaktion dann Tabula rasa gemacht. Wir haben bis heute einen riesigen Schritt nach vorne gemacht.“

Westermann kritisiert, dass Wingen dennoch viele Steine in den Weg gelegt werden. „Bei ihrem Besuch in Visselhövede wurden ihr gegenüber Bedenken geäußert, was passiert, wenn sie einmal ausfällt. Diese Argumentation finde ich schwach. Da kann ich jeden Verein nehmen, jeden Sport-, Schützen- und Kegelverein. Wenn dort einer aufhört, wird der Verein ja auch nicht gleich aufgelöst. Dann rückt jemand nach. Und genauso würde das hier auch sein.“

Wingen habe sich ein engagiertes Team aufgebaut. Mit Nadine Berg und Franziska Kutzke haben zwei Mitarbeiterinnen den Sachkundenachweis nach Paragraf 11 Tierschutzgesetz abgelegt und sind somit berechtigt, ein Tierheim zu führen.

Für Westermann ist klar: „Weil es vor Ort einen geeigneten Anbieter gibt, können die Gemeinden die Fundtiere nicht dauerhaft in einen anderen Landkreis geben: „Sie würden vor Ort Kosten und Aufwand einsparen, weil sie am Wochenende keine Mitarbeiter mehr für den Notdienst bereitstellen müssten. Das würde alles wegfallen, weil das Tierheim diese Aufgabe übernimmt.“

Um die Existenz für das Jahr 2020 zu sichern, hat das Tierheim einen Antrag beim Landkreis Rotenburg gestellt, um das zu erwartende Defizit auszugleichen. „Sonst kann das Tierheim nicht überleben. Aber was würde dann passieren? Dann hat der Landkreis auch ein Problem. Es geht ja nicht nur um Fundtiere. Der Tierschutzverein übernimmt viele weitere Aufgaben für den Landkreis, trotzdem zahlt dieser aktuell selbst nichts. Er gibt lediglich auf Antrag einen Zuschuss auf Investitionen wie zuletzt für den Bau des Zauns für den Hundeauslauf.“

Die Forderung danach, dass das Tierheim Fundtiere künftig einzeln abrechnen soll, sorgt bei Westermann für Kopfschütteln: „Das funktioniert doch nicht, weil die Dienstleistung an 365 Tagen im Jahr geboten werden muss. Ich kann doch nicht erst dann damit anfangen, die nötige Infrastruktur aufzubauen, wenn ich einen Fall habe.“

Die Kommunen hatten in Gesprächen ebenfalls Bedenken dahingehend geäußert, dass das Tierheim über zu wenig Personal verfüge. Westermann erklärt dazu: „Frau Wingen hat das Personal doch nur deshalb runtergefahren, weil kein Geld da ist. Wenn die Gemeinden wieder bezahlen, ist auch Geld für mehr Personal da. Da drehen wir uns im Kreis.“

Dass Wingen das Tierheim zudem komplett ehrenamtlich leiten müsse, bezeichnete Westermann als „grenzwertig“. Er fordert, dass die Gemeinden wieder zu ihrem Tierheim stehen: „Sie müssen sich endlich einen Ruck geben.“ Der Bevölkerung sei es nicht vermittelbar, dass die Fundtiere derzeit ganz nach Brinkum gebracht werden müssen, obwohl es ein Tierheim vor Ort gibt.

Und das soll in Zukunft für den gesamten Landkreis zuständig sein: „Ich habe Gespräche mit einem Spender geführt, der dazu bereit ist, für einen Tierheimneubau eine Summe in Höhe von zwei Millionen Euro bereitzustellen. Der ideale Ort wäre zentral im Bereich zwischen Mulmshorn, Brockel und Gyhum.“

Doch dafür müsse das Tierheim zunächst das kommende Jahr überstehen: „Es darf bei der Entscheidung nicht um Eifersüchteleien, Ängste und Streit um Zuständigkeiten gehen. Die Frage danach, was für die Bürger und die Tiere am besten ist, kommt viel zu kurz.“

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
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