Förderverein Cohn-Scheune zeigt Dokumentarfilm im Ratssaal

Die Rettung der Zehntausend

Inge Hansen-Schaberg, Vorsitzende des Fördervereins Cohn-Scheune, und Paul Matthias Bantz zeigen einen Dokumentarfilm im Ratssaal.
 ©Dennis Bartz

Rotenburg (db). 80 Jahre nach der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938, in der auch die Familie Cohn lebensbedrohlicher Verfolgung ausgesetzt war, erinnert der Förderverein Cohn-Scheune mit dem Film „Rettung der Zehntausend – Die Kindertransporte“ an die historischen Ereignisse und ihre Folgen. Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 14. November, um 19 Uhr im Rotenburger Ratssaal statt. Paul Matthias Bantz führt ins Thema und lädt anschließend zur Diskussion ein.

1938 ermöglichte Großbritannien die Einreise für 10.000 jüdische Kinder und Jugendliche im Alter bis 17 Jahre aus Deutschland, Österreich, Polen und der Tschechoslowakei, um sie vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu retten. Die Aufnahme unbegleiteter Kinder ohne Visum oder Reisepass basierte auf einem Statement des Home Secretary an das House of Commons vom 21. November 1938 und sah einen vorübergehenden Aufenthalt vor, bis eine Familienzusammenführung oder zum Beispiel die Ausreise nach Palästina möglich wurde.

Pro Kind musste eine Bürgschaft in Höhe von 50 Pfund Sterling hinterlegt werden, die von jüdischen Gemeinden, den Quäkern oder Privatpersonen gestellt wurde.

Die „Kindertransporte“ wurden in Wien von der „Kultusgemeinde“ und in Berlin von der „Reichsvertretung der Juden“ organisiert und fanden von Dezember 1938 bis September 1939, also bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs, statt.

Die Kinder wurden mit Zügen nach Holland gebracht und mit Fährschiffen nach Harwich, wo sie in Sammelunterkünfte kamen, bis sie in Pflegefamilien vermittelt werden konnten oder Aufnahme in Kinderheimen fanden.

„Einige hatten viel Glück und wollten später gar nicht mehr zurück – für andere war aber auch die Kindheit vorbei und sie mussten hart arbeiten“, berichtet Inge Hansen-Schaberg, Vorsitzendes des Fördervereins Cohn-Scheune.

Der Film „Rettung der Zehntausend – Die Kindertransporte“ dauert 44 Minuten und lief ursprünglich in der Dokumentationsreihe „History“ des ZDF. Der Film zeigt anhand von einzelnen Lebensgeschichten, welche Probleme und Konflikte die Kinder zu bewältigen hatten, die in den meisten Fällen ihre Eltern nie wiedersahen.

Eine Ausnahme wird in dem vom Förderverein Cohn-Scheune herausgegebenen Buch „Bleib immer mit deinem Bruder zusammen!“ von Lisa Seiden geschildert. Lisa und ihr Bruder gehören zu den wenigen der „Kindertransport“-Kinder, deren Eltern sich durch Flucht nach Buenos Aires retten konnten, wo sie sich nach dem Kriegsende wiedertrafen.

Es gibt einen direkten inhaltlichen Bezug des Films zu Rotenburg: Hildegard Cohn, 1919 geboren, fand ihre erste Anstellung in einem Heim für „Kindertransport“-Kinder, nachdem es ihr im März 1939 gelungen war, als Hausangestellte nach England zu emigrieren und auf diese Weise ihr Leben zu retten.

• Erwachsene zahlen drei Euro Eintritt, Jugendliche haben freien Eintritt. Weitere Informationen über den Verein gibt es unter www.cohn-scheune.de.

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
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 dennis.bartz@rotenburger-rundschau.de

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