Feldrundfahrt: 1.765 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche

Landwirtschaft im Fokus

Auf 13 Gespannen reisten die 200 Teilnehmer durch die landwirtschaftlich genutzten Flächen in Rotenburg und erfuhren dabei Wissenswertes über die Arbeit auf dem Feld.
 ©Rotenburger Rundschau

Unterstedt. Was für Aussichten! Der Vorteil einer Feldrundfahrt ist nicht nur, dass Landwirte dem Bürger Landschaft, Feldfrüchte und ihren Beruf erklären. Die erhöhte Sitzposition auf Anhängern verschafft Mitfahrenden auch eine ganz andere Perspektive. Vielleicht wäre sonst der Rebhahn unentdeckt geblieben, der auf dem ersten Stoppel das Weite suchte, als kürzlich die 13 Gespanne der Feldrundfahrt die Straße „Zum Brook“ in Unterstedt Richtung Rotenburg entlang rollten.

Rebhühner sind vom Aussterben bedroht und selten anzutreffen. Sie stehen auf der Roten Liste und gelten als „stark gefährdet“. Ein echtes Kleinod erleben die Teilnehmer also gleich zum Auftakt der jährlich stattfindenden Feldrundfahrt des Landwirtschaftlichen Vereins Rotenburg-Sottrum. Etwa 200 Gäste waren der Einladung gefolgt, vermutlich Rekord der bisherigen Touren.

Der Rebhahn war auf einem abgeernteten Roggenschlag unterwegs. Das Getreide wurde vor der Reife und als sogenannte Ganzpflanzensilage eingefahren. Verwendet werden kann sie sowohl als Futter für Rinder oder, wie in diesem Fall, für Biogas. Die Gasausbeute ist ähnlich hoch, erfahren die Zuhörer, doch der Ertrag je Hektar gegenüber Mais liegt nur bei gut 60 Prozent.

5.250 Hektar groß ist die Gemarkung Rotenburg – ohne Unterstedt. Die Aufsplittung ist wie folgt: 1.959 Hektar bebaute Fläche, 1.965 Hektar Wald, 1.765 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 868 Hektar Grünland, der Rest Ödland und Gewässer.

Während der Tross sich durch das Landschaftsschutzgebiet Grafeler Holz bewegt, gibt es Daten über die landwirtschaftlichen Betriebe Heilemann und Sondermann. Ersterer sitzt in Hohenesch, hat 720 Milchkühe, weibliche Nachzucht, Biogas, Putenaufzucht und -mast. Gerd Sondermann sitzt auf der anderen Seite der Wümmestadt, ist von der Harburger Straße vor zig Jahren an die Nordumgehung ausgesiedelt. Dort hält er 120 Milchkühe sowie weibliche Nachzucht und betreibt den dafür notwendigen Futterbau auf 100 Hektar.

Am Hartmannshof ging es zwar nicht vorbei, die Informationen gab es dennoch: Mutterkuhhaltung und Legehennen sowie Gemüseanbau. Der Betrieb ist Bioland-zertifiziert, betreibt Direktvermarktung sowie ein Hofcafé.

Ein weiterer seltener Anblick, der sich auf er Fahrt bot: Hafer. Ein Getreide, das in dieser Region kaum mehr angebaut wird. Die beiden Kraniche dagegen dürften mittlerweile ein gewohntes Bild sein.

Ann-Cathrin Schröder stellte ihre gleichnamige GbR vor. 60 Mutterkühe der Rasse „Angus“ mit Nachzucht stehen derzeit auf den Weiden. 130 Mastbullen befinden sich auf der Hofstelle, genauso wie 30 Pensionspferde. „Die derzeit älteste Kuh ist 2007 geboren. Bei uns werden die Kühe aber durchaus auch 20 Jahre und älter“, sagte Schröder.

Der Betrieb ist QS zertifiziert. 30 Prozent der Bullen geht vor der marktüblichen Schlachtreife (700 bis 750 Kilogramm Lebendgewicht), mit 650 Kilogramm zum örtlichen Schlachtbetrieb Hollmann. Erstaunlich ist, wie wenig von so einem 750-Kilo-Koloss nachher übrig bleibt: „Etwa 450 Kilogramm Ausschlachtgewicht“, lässt Schröder ihre Gäste wissen.

Beim Abstecher zur Grewe-Unternehmensgruppe erfahren die Durchreisenden, dass das ursprüngliche Baumschulgeschäft schwierig geworden ist und nur noch einen kleinen Teil ausmacht. Neben veränderten Marktbedingungen ist der Klimawandel und der hohe Aufwand der Bewässerung mit ein Hauptgrund. Interessant war für die Teilnehmer die Erkenntnis, dass Grewe Großbäume auf vier Hektar in Containern und im Topf aufzieht.

In Unterstedt existiert einer der Peilbrunnen, die zum deutschlandweiten Nitratmonitoringnetz gehören. Laut Verein schwanken die Nitratwerte, „die in der Zeitachse eine natürliche Dynamik aufweisen“, im Zeitraum von 1975 bis heute durchweg unterhalb der Grenzgröße von 50 Milligramm pro Liter auf einem mittleren Niveau von zirka zehn bis 20 Milligramm, ohne erkennbaren Trendanstieg. Der gästeführende Landwirt auf dem Gespann: „Die Nitratbelastung ist meiner Meinung nach eine Altlast von vor 30 Jahren. Die Düngeverordnung, die im vergangenen Jahr rausgebracht wurde, kann jetzt noch keine Auswirkung zeigen, sondern auch erst in 20 bis 30 Jahren. Deshalb ist es in meinen Augen Dummheit, jetzt schon wieder eine neue Düngeverordnung erlassen zu wollen.“

Der Spargelanbauer „Kettenburg’s Hof“ mit seiner Biogasanlagen, 210 Hektar Ackerland, den 1.800 Schweinen und 28.000 Hähnchen konnte noch vorgestellt werden. Dann hieß es nach dreieinhalb Stunden doch so langsam, wieder Richtung Ausgangspunkt zu fahren. Auf der Hofstelle der Familie Kettenburg gab es dann Stärkung und viel Fachsimpelei.

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