EWE und Telekom schließen die ganze Stadt an - VON MICHAEL KRÜGER

Glasfaser für Rotenburg

In den ersten Wohngebieten Rotenburgs wie im Imkersfeld stehen die Arbeiten kurz vor dem Abschluss: Die bunten Leitungen liegen bald vor allen Haushalten in Rotenburg. Foto: Michael Krüger
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Rotenburg – „Wir haben einiges vor“, sagt Andreas Mayer an diesem trüben Dienstagmorgen auf einem Lagerplatz am Rotenburger Hirtenweg. Dabei ist das Vorhaben auch in Rotenburg längst in Gange: Seit vergangener Woche läuft unter der Regie des Gemeinschaftsunternehmens „Glasfaser Nordwest“ von Telekom und EWE, dessen Geschäftsführer Mayer ist, der Anschluss von mehr als 9 000 Haushalten und Unternehmen mit Glasfaser. In vielen Wohngebieten sind bereits die Bautrupps unterwegs. Mehr als 65 Mitarbeiter des Bauunternehmens „Mam-Bau“ aus Ibbenbüren sind damit beschäftigt, im gesamten Stadtgebiet rund 130 Kilometer Glasfaserkabel zu verlegen. Das Ziel ist ehrgeizig: 500 Meter am Tag sollen geschafft werden.

Rotenburgs Bürgermeister Torsten Oestmann bezeichnet es als „Bonbon“, das er von seinem Vorgänger Andreas Weber übernommen habe. Erst im Oktober seien die Gespräche mit „Glasfaser Nordwest“ abgeschlossen worden, nur wenige Woche passend zum Antritt seiner Dienstzeit gehe es schon los. „Es gibt keine andere Kommune, die so schnell die Genehmigung erteilt hat“, freut sich Projektleiter Dominik Pähler. Anders als bei der mehr als 100 Millionen Euro schweren „Gigabitstrategie“ des Landkreises, die mit Fördergeldern und technischen Partnern dazu dienen soll, bislang vom schnellen Netz nicht erreichbare Gebiete anzuschließen, setzt „Glasfaser Nordwest“ komplett auf eigene Kalkulation. Man sei auch im ländlichen Raum unterwegs – noch in diesem Jahr sollen in Sottrum die ersten Glasfaserkabel verlegt werden, betont Mayer –, aber die Investitionskosten müssten sich über spätere Verträge wieder einspielen. Bis 2030 möchten EWE und Telekom gemeinsam bis zu 1,5 Millionen Haushalte und Unternehmen im Nordwesten mit zukunftsfähigen Internetanschlüssen versorgen. Investitionssumme: rund zwei Milliarden Euro. Das Projekt sei „eigenwirtschaftlich“, betont Mayer. „Fördergelder bekommen wir nicht.“ Wie viel genau allein in Rotenburg investiert wird, sagt Mayer indes nicht. Betriebsgeheimnis. Nur kleine Bereiche der Stadt waren bislang direkt an ein Glasfasernetz angeschlossen.

Technisch gesehen geht es um „Fiber to the Home“ (FTTH) oder „Fiber to the Building“ (FTTB) – also Glasfaser, die auch auf der letzten Strecke bis zur Wohnung oder zumindest bis zum Gebäude liegt und nicht nur bis zum grauen Schaltschrank an der Straße. Solche Verbindungen gelten als besonders schnell und stabil. Die alten Verteilerkästen der Telekom können dafür nicht mehr genutzt werden, zudem haben die alten Kupferkabel bis zu den Häusern ausgedient, wenn man sich denn fürs viel schnellere Glasfaser entscheidet. Soll das dann ins Haus, muss noch einmal gebuddelt werden: Vielleicht gibt es schon ein Leerrohr, ansonsten muss ein Loch gebohrt werden. Dann wird der Hausanschluss montiert. Diesen Teil der Arbeit erledigen die Anbieter bei vielen Vermarktungsaktionen ohne weitere Kosten. In anderen Fällen ist der Ausbau kostenlos, wenn gleich auch Glasfaseranschlüsse mitgebucht werden – es kommt auf den Einzelfall an. „Glasfaser Nordwest“ ist dabei nur für die Infrastrukturmaßnahmen zuständig. Im April, so heißt es, könnten die ersten Werbebroschüren von EWE und der Telekom mit den Preisen für die Nutzer im Briefkasten liegen. Branchenüblich sind derzeit Preise zwischen 40 und 45 Euro monatlich für 250 bis 300 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) und 80 bis 90 Euro für den echten Gigabitanschluss (1000 Mbit/s). Ans neue schnelle Netz gehen könnten die ersten Haushalte nach dem Anschluss Ende des Jahres 2022, heißt es.

„Das neue Glasfasernetz schafft einen echten Standortvorteil und wird für viele Jahrzehnte die digitale Infrastruktur der Stadt absichern“, betont Mayer. Das sieht auch Bürgermeister Oestmann so, besonders für viele Firmen sei es „existenziell“, Gigabitleitungen zu bekommen. Dass dafür dann mitunter auch in Neubaugebieten wie an der Brockeler Straße gerade erst fertiggestellte Fußwege wieder aufgenommen werden müssten, sei zwar etwas ärgerlich, aber für das Projekt notwendig und akzeptabel. Zumal die Mitarbeiter des beauftragten Tiefbauunternehmens natürlich genau wüssten, was sie tun. Sollte es dennoch hier und da mal zu Kritik oder Problemen kommen, bittet „Mam-Bau“-Geschäftsführer Hyseni Ali darum, die Kollegen vor Ort einfach anzusprechen. „Wir beißen nicht.“ Tatsächlich hatten sich einige Anwohner zuletzt im Rotenburger Rathaus beschwert, weil sie sich nicht genug informiert fühlten über die Baumaßnahmen. Man finde aber immer auch individuelle Lösungen, wenn die Verlegung des Glasfasers mal zu Schwierigkeiten führe, so Ali. Dass die Rotenburger Ortschaften nicht in dem Projekt berücksichtigt werden, bedauert Bürgermeister Oestmann zwar. Aber er kann umgehend trösten: Im Rathaus liegen bereits sechs Ausbauanträge von EWE über andere Programme für Mulmshorn, Waffensen und Unterstedt vor.

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