Ein Jahr „Stück vom Glück“ in der Rotenburger Fußgängerzone - Von Dennis Bartz

Auf’s Gramm genau

Antje (links) und Anja Doil setzen die Anregungen von Kunden um.
 ©Foto: Dennis Bartz

Rotenburg. Seit einem Jahr gibt es den Unverpackt-Laden „Stück vom Glück“ in der Rotenburger Fußgängerzone. Ende April 2020 haben die Zwillingsschwestern Anja und Antje Doil ihr Geschäft am Neuen Markt eröffnet. Ihr Ziel: Sie wollen Verpackungsmüll vermeiden und einen Beitrag zur ausgewogenen Ernährug leisten – dabei setzen sie, wann immer es geht, auf lokale und regionale Partner. „Seit Juni sind wir biozertifiziert“, freuen sich Antje und Anja Doil.

Trotz der schwierigen Bedingungen aufgrund der Corona-Pandemie ziehen die beiden Rotenburgerinnen ein durchweg positives Fazit: „Es war für uns die richtige Entscheidung. Wir haben jeden Tag viel Spaß in unserem Kleinod. Die Anzahl unserer Stammkunden wächst. Auch unser Mitgliedskonzept kommt an. Wir freuen uns nun darauf, hoffentlich bald wieder unser Café eröffnen zu dürfen, das ebenfalls sehr gut angenommen worden war.“ Dann soll auch das Team weiter wachsen. Mit Kerstin Röhr beschäftigen die Inhaberinnen bereits eine Mitarbeiterin.

Wer entscheidet sich für einen Einkauf im „Stück vom Glück“? „Den typischen Kunden gibt es bei uns nicht. Es geht den Menschen vor allem darum, Plastik zu vermeiden und sich ausgewogen zu ernähren“, erklärt Anja Doil. Das Einzugsgebiet gehe dabei weit über Rotenburg hinaus: Aus dem gesamten Landkreis kommen die Menschen und nutzen das umfangreiche Angebot an Lebensmitteln und Drogerieprodukten, Deko und Geschenkideen. Frisches Obst und Gemüse, Molkereiprodukte sowie, jetzt neu, Brot von der Bio-Bäckerei Ährenvoll in Schneverdingen runden das Angebot ab. „Besonders gefragt sind die fair gehandelten Nüsse sowie Müsli und Haferflocken“, ergänzt Antje Doil.

Im Stück vom Glück gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Die beiden Schwestern halten selbst die Augen nach neuen Produkten offen und freuen sich über Anregungen von Kunden. Voraussetzung: Neue Produkte müssen in das Konzept passen und die hohen Ansprüche an Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit erfüllen. „Wir freuen uns besonders über Partner vor Ort wie den Hartmannshof, die Biologische Schutzgemeinschaft Wümmeniederung und die Tagesförderstätten der Rotenburger Werke“, sagt Anja Doil.

Neu im Sortiment sind Decken aus Merinowolle von Wollzeit aus Unterstedt, die besonders gerne von Kunden verschenkt werden. „Außerdem werden wir bald das Angebot an Damenhygieneartikeln ausbauen. Wir werden oft danach gefragt“, so die Doil-Schwestern. Regelmäßig wechselt außerdem das Angebot im neuen Mietregal, das von privaten Produzenten für mindestens einen Monat gebucht werden kann.

Der Einkauf im „Stück vom Glück“ sorgt aufgrund der entspannten Atmosphäre dafür, dass die Kunden den Alltagsstress vergessen. „Man kann bei uns gar nicht hektisch einkaufen“, betont Anja Doil. Im Gegenteil: Die Kunden schlendern die Gänge entlang und entdecken dabei die vielen kleinen Besonderheiten aus der Region.

Es gibt viele gute Gründe für einen Einkauf im Stück vom Glück. So nutzen einige Kunden die Chance, von Produkten auf das Gramm genau so viel zu kaufen, wie sie benötigen. „Sie bringen dafür ihr Wunschrezept einfach mit zum Einkauf und wiegen die Zutaten ab. So müssen sie keine großen Packungen kaufen und Lebensmittel landen nicht mehr im Abfall“, erklärt Antje Doil.

Das Mitgliedskonzept kommt an: Erwachsene zahlen pro Haushalt ein einmaliges zinsloses Darlehen in Höhe von 50 Euro sowie je zwölf Euro monatlich. „Sie erhalten dafür bei jedem Einkauf einen Rabatt von bis zu 20 Prozent. Das Darlehen erhalten sie in voller Höhe nach Beendigung der Mitgliedschaft zurück“, erklären die Schwestern.

So funktioniert der Einkauf im „Stück vom Glück“: Kunden bringen ihre Gefäße von zu Hause mit. Das können Tupperdosen sein, Beutel, Glasbehälter oder auch ausgediente Haferflocken-Tüten. Es ist zudem möglich, Gläser, Beutel und Baumwoll-Säckchen im Unverpackt-Laden zu kaufen. Außerdem gibt es Gläser kostenlos zum Mitnehmen.

Im ersten Schritt legen die Kunden ihre Behälter auf eine Waage und notieren das Ausgangsgewicht. Danach kann der Einkauf starten. Die Kunden füllen hinein, was sie brauchen. Sie gehen anschließend zur Kasse, wo die Behälter noch einmal gewogen werden, um den Preis zu ermitteln.

Lose Lebensmittel befinden sich in sogenannten Bins und rieseln direkt ins Gefäß des Kunden. Was nicht „rieselfähig“ ist, befindet sich in Behältern, die durch einen Spuckschutz vor der Verunreinigung mit Tröpfchen geschützt sind. Durch Abfüllhilfen wie Schaufeln, Handschuhe, Zangen und Trichter kommen Lebensmittel zudem nicht in Kontakt mit den bloßen Händen.

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
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 dennis.bartz@rotenburger-rundschau.de

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