Diakonissen feiern ihre Einsegnung vor 50 Jahren

Aus einer anderen Zeit

Oberin Sabine Sievers (Mitte) gratuliert Ingrid Prigge (links) und Margrit Merker. Foto: Klaus Brünjes
 ©

Rotenburg (r/db). „Festliches Geläut in der Kirche Zum Guten Hirten, in Zweierreihen schreiten mehr als 100 Diakonissen in ihrer Sonntagstracht über die Elise-Averdieck-Straße, werden von ihrem Vorsteher und der Oberin des Mutterhauses angeführt und betreten unter vollem Orgelklang das reichlich gefüllte Gotteshaus. Ein feierlicher Anlass lässt an diesem Sonntag die große Gemeinde zusammenkommen: Einsegnung zweier junger Frauen in das Amt der Diakonissen-Zunft.“

Es ist lange her, dass sich so viele Diakonissen auf den Weg in die Kirche machten. Aber so war es 1970, vor genau 50 Jahren, als Margrit Merker (80) und Ingrid Prigge (83) in das Amt der Diakonisse eingeführt und gesegnet wurden. Die Zeit hat sich gewandelt, Diakonissen gehören mittlerweile einer aussterbenden Art an. „Ganz so deutlich sagte es am Pfingstsonntag Oberin Sabine Sievers in ihrer Predigt im Rahmen des Jubiläumsgottesdienstes nicht, aber allen Anwesenden war bewusst, dass die Zeit der Diakonisse enden wird“, teilt Henrik Pröhl von den Rotenburger Werken mit und erklärt: „Keine junge Frau entscheidet sich heutzutage für diese konsequente und hingebungsvolle aber auch ehe- und kinderlose Lebensform in Schwestern-Gemeinschaft.“

Die inzwischen 91-jährige Diakonisse Christa Godemann beschrieb es mit einem Augenzwinkern, als sie einst sagte: „Wir sind ein Auslaufmodell.“

Am Pfingstsonntag kamen wegen der Coronapandemie gerade einmal 20 Personen in der Kirche Zum Guten Hirten. Sie trugen Mundschutz, hatten sich die Hände am Eingang desinfiziert und saßen weit auseinander auf ihren Stühlen und lauschten der Musik von Kantor Stephan Orth.

Die Stimmung in der Kirche lud dazu ein, über die Tradition und Bedeutung der Diakonie in Rotenburg nachzudenken und sich die Frage zu stellen: Was wäre diese Stadt ohne Diakonie?

Bereits 1880 kam es zur Gründung der Rotenburger Werke, die in diesem Jahr ihr 140-jähriges Bestehen erleben. Doch erst 1905 kam es unter Führung der Diakonisse Helene Hartmeyer und ihren etwa 60 Mitschwestern, die aus Hamburg angereist waren, zur entscheidenden Initialzündung für den großen Diakonie-Standort Rotenburg.

Bis heute bietet er 4.500 Menschen Arbeit. Das Kreuz, das jede Diakonisse seit ihrer Einsegnung um den Hals trägt, wurde zum Anlass des Jubiläums aufpoliert und zusätzlich graviert. Jetzt wird es den Schwestern Margrit und Ingrid aus den Händen von Oberin Sievers noch einmal überreicht. Es wird Psalm 100 gesprochen, der das Motto der Schwesternschaft zum Ausdruck bringt: „Jauchzet dem Herrn, alle Welt! Dienet dem Herrn mit Freuden.“

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
 04261 / 72 -430
 dennis.bartz@rotenburger-rundschau.de

17.09.2020

Sponsorenlauf Ahausen

26.08.2020

Kinder machen Theater

13.07.2020

In Krieg und Frieden

03.07.2020

Kettensäge und Kreativität