DFB-Präsident erklärt nach „Uhr-Affäre“ seinen sofortigen Rücktritt - Von Dennis Bartz

Grindels Zeit ist abgelaufen

Reinhard Grindel als DFB-Präsident im Kreise der Nationalspieler.
 ©Archiv-Foto: Philipp Reinhard

Frankfurt/Rotenburg. Der Rotenburger Reinhard Grindel ist am Dienstagmittag nach nur drei Jahren mit sofortiger Wirkung von seinem Amt als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zurückgetreten. Damit reagierte der 57-Jährige auf die Korruptionsvorwürfe gegen ihn. Seinen Posten übernehmen bis zum DFB-Bundestag im September Ligapräsident Reinhard Rauball und Vizepräsident Rainer Koch.

Grindel hatte vor eineinhalb Jahren eine wertvolle Uhr als Geschenk des ukrainischen Oligarchen Grigori Surkis im Wert von 6.000 Euro angenommen. Ein luxuriöses Geburtstagsgeschenk, das Grindel nun teuer zu stehen kommt. Er droht nun zusätzlich die gut dotierten Ämter im Exekutivkomitee des europäischen Dachverbands und im Council des Weltverbands zu verlieren.

Nach den zunächst vom Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ erhobenen Vorwürfen, dass Grindel 2016 und 2017 Zusatzeinkünfte in Höhe von 78.000 Euro als Aufsichtsratschef der DFB-Medien Verwaltungs-Gesellschaft geheim gehalten haben soll, besiegelte nun der Skandal um die teure Luxusuhr Grindels Aus. Der umstrittene DFB-Präsident war untragbar geworden und räumte vorsorglich selbst seinen Platz.

Grindel trat mit ruhiger Mine vor die Kameras und ließ bereits im ersten Satz die Katze aus dem Sack: „Ich trete vom Amt des DFB-Präsidenten zurück. Ich entschuldige mich dafür, dass ich durch mein wenig vorbildliches Handeln in Zusammenhang mit der Annahme einer Uhr Vorurteile gegenüber haupt- oder ehrenamtlich Tätigen im Fußball bestätigt habe.“

Jeder, der ihn kennt, wisse, dass er nicht geldgierig sei und sich seit Jahren mit Compliance-Fragen befasst habe. Erst seit dem vergangenen Wochenende wisse er den Wert der Uhr in Höhe von 6.000 Euro und habe deshalb am Montagvormittag die Lage mit dem Generalsekretär und dem Compliance-Beauftragten erörtert.

Grindel betonte weiter, dass Surkis keinerlei wirtschaftliche Interessen im Zusammenhang mit dem DFB habe: „Er hat mich niemals davor oder danach um irgendeine Unterstützung gebeten. Es war zum damaligen Zeitpunkt auch schon klar, dass er nicht wieder für das Uefa-Exko kandidieren wird, dem er auch nicht mehr angehört. Es war und ist für mich keinerlei Interessenkonflikt erkennbar.“

Die Uhr sei für ihn ein reines Privatgeschenk gewesen, ohne jeden Bezug zum ukrainischen Verband oder gar einem Wirtschaftsunternehmen. „Es war für mich ein Gebot der Höflichkeit, dieses Geschenk anzunehmen. Ich bin mit der Annahme des Geschenks offen umgegangen“, so Grindel, der die Marke der Uhr nach eigenen Angaben nicht kannte und deshalb selbst keine Vorstellung von ihrem Wert gehabt haben will.

Grindel gestand jedoch ein „schweres Versäumnis“ ein, den Wert nicht sofort ermittelt zu haben: „So hätte ich bereits den Anschein unredlichen Handelns vermeiden können.“ Er sei selbst fassungslos über den Fehler, der ihm unterlaufen ist und bat darum, „nicht zuletzt im Interesse meiner Familie, die sehr unter der Situation leidet, jetzt die Untersuchungen der Compliance-Beauftragten in den verschiedenen Verbänden abzuwarten. Die Uhr wird so schnell wie möglich zurückgegeben“.

Grindel betonte abschließend, er sei tief erschüttert darüber, wegen eines solchen Vorgangs seine Funktion als DFB-Präsident aufgeben zu müssen. Er habe diese gerne ausgeübt, vor allem, um dem Amateurfußball in Deutschland Impulse zu geben: „Ich habe dafür gesorgt, dass die Leistungen für unsere Landesverbände erheblich verbessert wurden und damit die Arbeit an der ehrenamtlichen Basis gestärkt wurde. Ich freue mich, dass ich einen Beitrag leisten konnte, um die Europameisterschaft 2024 nach Deutschland zu holen.“Das sei eine hervorragende Perspektive für den Fußball an der Spitze und der Basis.

„Am Ende frage ich mich: Warum ist das passiert? Ich kann es mir nur so erklären, dass ich zutiefst davon überzeugt war, dass ich nichts Unrechtes tue und im Stress des Amtes einfach zu wenig hinterfragt habe. Noch mal: Dass ich wegen eines solchen Vorgangs öffentlich so dastehe, macht mich fassungslos und traurig, und ich bitte einfach um eine faire Beurteilung meiner am Ende leider nur dreijährigen Amtszeit“, so Grindel. Fragen über seine Zukunft lässt der Rotenburger auf Nachfrage der Rundschau unbeantwortet. „Ich bitte um Verständnis, dass es noch zu früh ist, diese zu beantworten.“

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
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