Das MGH steht in der Coronakrise vor Herausforderungen - Von Jens Loes

Von Masken und Schlangen

"Ich habe selbst eine Nähmaschine und kann nähen", sagt "Bufdi" Gesa Grünig.
 ©Foto: Jens Lou00ebs

Waffensen. Auch im Mehrgenerationenhaus Worthmanns Hoff in Waffensen (MGH) sind die Folgen der Corona-Pandemie spürbar. Die Kinderbetreuung musste schließen, der Kindergarten bietet nur noch eine Notbetreuung an, und seit Mai gilt auch für Leiterin Ilka Holsten-Poppe und Stellvertreterin Manuale Thies Kurzarbeit.

Seit August vergangenen Jahres ist Gesa Grünig Freiwilligendienstleistende im MGH. Die Idee zum Dienst kam ihr in den letzten Monaten ihrer Schulzeit auf dem Sottrumer Gymnasium. „Ich wusste nicht so genau, was ich nach der Schule machen wollte, und als meine Mutter mich auf die Anzeige des MGH hingewiesen hat, habe ich mich dort gemeldet und konnte einen ganzen Tag meine Vorgängerin bei der Arbeit begleiten“, sagt Grünig. Die Arbeit habe ihr allein durch die Vielseitigkeit sowie die verschiedenen Personengruppen, die sie kennenlernen durfte, gefallen. „Der Entschluss, im August vergangenen Jahres meinen Dienst anzutreten, fiel mir leicht“, sagt die junge Frau aus Bötersen, für die der heimatnahe Einsatzort ein zusätzlicher Beweggrund war.

Jeden Tag ist sie jetzt von 8.30 bis 15 Uhr im MGH tätig, vormittags zumeist in Büro und Küche, bis dann die Kinder zur Betreuung kommen. „Dann gebe ich das Mittagessen raus, und anschließend betreuen wir die Kinder mit Hausaufgaben, Spielen und anderem.“

So war das jeden Tag, bis die Corona-Pandemie allem einen Riegel vorschob. Seitdem ist nichts mehr, wie es vorher war. Der Kindergarten hat lediglich noch eine Notfallbetreuung, die Kinderbetreuung und Hausaufgabenhilfe musste die Einrichtung komplett einstellen, und auch der Mittagstisch ist weggefallen. „Jetzt gibt es den Mittagstisch nur noch to go“, so Grünig. Über eine kontaktlose Ausgabe wird Essen sowie Bezahlung geregelt, die Gäste bringen dafür ihre eigenen Behälter mit. „Da nun nicht mehr so viele Personen essen, mussten wir den Preis für ein Essen neu kalkulieren und leicht anheben“, erklärt Thies. Die Essensausgabe werde aber vermutlich nach der Coronazeit beibehalten, wenngleich das Hauptaugenmerk weiter auf dem gemeinsamen Essen im Haus liegen soll.

Sämtliche Veranstaltungen im MGH sind wegen der Pandemie ausgefallen. So musste das Team unter anderem das Hoffest absagen. „Dabei hätte alles so gut gepasst. Bestes Wetter, der Umbau schreitet voran, an Interessierten mangelte es auch nicht“, so Thies. Um den Bewohnern des Ortes zumindest etwas bieten zu können, hatte sich das MGH-Team in den vergangenen Wochen einiges einfallen lassen. Es veranstaltete eine Schatzsuche für Kinder quer durch die Ortschaft und lädt alle Bewohner des Ortes ein, an der Corona-Schlange im Garten mit zu wirken: Dazu können die Bürger aufgefundene Steine selbst gestalten und an die Schlange im Garten des MGH anfügen.

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit für die älteren Bewohner des Ortes, an einem Buch der Erinnerungen mitzuwirken, und MGH-Leiterin Ilka Holsten-Poppe lud alle Kinder zu einem gemeinsamen Gottesdienst ein: „Aus der Küche in die heimische Küche“, erklärt Thies.

Mit den Landfrauen bietet das MGH derzeit Masken an, die gegen eine kleine Spende abgegeben werden. Einen Mindestbeitrag gäbe es dabei nicht. „Jeder gibt, so viel er kann und will“, so Thies. Bei dieser Arbeit unterstützt auch Grünig die Landfrauen nach bestem Können. „Ich hatte zuhause noch eine Nähmaschine und bin selbst nicht unbegabt, was das textile Werken angeht“, so die Abiturientin. Trotz aller Probleme, die die ungewohnte Situation bietet, und obwohl vermutlich zwei ihrer Seminare ausfallen werden, würde Grünig den Freiwilligendienst jedem empfehlen. „Auf dem Weg zur Entscheidungsfindung hat es mir sehr geholfen, hier einmal in den kompletten Alltag hineinzuschauen“, sagt sie. Ab Oktober möchte die junge Frau dann in Münster oder Osnabrück Ökotrophologie studieren. „Viele der Bufdis finden hier ihren Weg oder festigen ihre Entscheidung. Nach einer kurzen Phase der Akklimatisierung ist es immer ein harmonisches Zusammenwirken“, sagt Thies. Am Ende habe es vielen weiter geholfen. Grünigs Vorgängerin trat eine Lehrstelle in Rotenburg an: als Altenpflegerin.

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