Das Mehrgenerationenhaus Waffensen in Lockdownzeiten

Chancen in der Krise

Ilka Holsten-Poppe freut sich, wenn die schwierige Zeit der Pandemie überwunden sein wird. Foto: Judith Tausendfreund
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Unter dem Titel „Verwaiste Orte“ stellen wir regelmäßig beliebte Einrichtungen und Treffpunkte vor, die in diesen Tagen coronabedingt weitgehend menschenleer sind. Für den achten Teil haben wir uns im Mehrgenerationenhaus Waffensen umgesehen.

Von Judith Tausendfreund

Waffensen. Ziemlich genau vor einem Jahr wollte das Team des Waffenser Mehrgenerationen Haus alle Gäste und Besucher des Hauses zu einem „Frühlingserwachen“ einladen. „Es war kurz vor dem ersten Lockdown und die erste Veranstaltung, die wir absagen mussten“, erinnert sich Koordinatorin Ilka Holsten-Poppe (43). „In diesem Jahr hatten wir die Hoffnung, dieses Frühlingsfest nun als erste Veranstaltung wieder anbieten zu können – doch jetzt sieht die Situation leider wieder ganz anders aus“, führt sie fort. Noch geht wenig in dem beliebten Treffpunkt. „Ich fühle mich ausgebremst und desillusioniert“, gibt die Mitarbeiterin zu. Seit 13 Jahren ist sie hier aktiv, doch seitdem Corona den Alltag beherrscht, ist vieles anderes geworden. „Es gibt dabei auch viele Entwicklungen, die durchaus positiv sind“, führt sie weiter aus. In den langen Monaten der Zwangspause ist viel renoviert worden, der Ausbau der Kreativwerkstatt wurde vorangetrieben. „Nur die Einweihung, die konnten wir noch nicht feiern“, berichtet die Koordinatorin.

In 2020 war sie mit den anderen sechs Angestellten Mitarbeitern einige Monate in Kurzarbeit, doch inzwischen konnte diese Maßnahme aufgehoben werden. Aktuell findet die Notbetreuung der Grundschulkinder im Haus statt – alle Grundschüler, die aufgrund des Wechselunterrichts dann gerade keine Schule haben, können in das geräumige Haus kommen. Es wird viel gekocht, dabei werde ein Großteil der Gerichte außer Haus verkauft. „Das machen wir allerdings nur, weil wir ohnehin für die Kindergartenkinder kochen. Das Außer-Haus-Geschäft alleine würde sich nicht lohnen“, berichtet Holsten-Poppe. Finanziell überleben kann die Einrichtung vor allem aufgrund der Förderung, die von Bund, Land und dem Landkreis kommt. „Das Bundesaktionsprogramm ist glücklicherweise in 2020, auch aufgrund der Krise, aufgestockt worden“, erklärt sie.

Die zwangsläufige Umstrukturierung der Angebote führt dazu, dass den Gruppenleitern, die regulär Angebote im Haus umsetzen, momentan angeboten wird, ihre Online-Kurse von Waffensen aus anzubieten. Die technische Infrastruktur wurde geschaffen und wird weiter ausgebaut. Ein großes, auch im Aufbau befindliches Thema ist das Thema „Co-Working“. „Wir bieten hier Räume für Menschen, die im Home-Office arbeiten, auch für Existenzgründer und ähnliche Zielgruppen“, erklärt Holsten-Poppe das Programm. Real umgesetzt werden die Konzepte ab dem Zeitpunkt, an dem dann Lockerungen in Frage kommen, momentan sind es noch Ideen, die entwickelt werden. So soll mithilfe eines Projektantrags an die Gesund-Region Wümme-Wieste ein weiteres Gebäude gebaut werden, auch hier werden dann „Coworking-Spaces“ entstehen. Der Antrag soll in diesem Jahr eingereicht werden, gebaut wird dann wohl ab 2023. Im Moment sind dies Ideen für die Zukunft. „Durch die Krise entstehen auch Chancen, gerade im ländlichen Raum“, weiß die Mitarbeiterin zu berichten. Einige Zukunftsideen hätten richtig Fahrt aufgenommen. „Das Landleben hat ja viele Vorteile, gerade jetzt wollen die Menschen weniger denn je in Ballungsräumen leben und auch arbeiten“, so Holsten-Poppe. Diese Impulse will man hier aufgreifen.

Doch neben diesen positiven Aspekten bleiben auch Sorgen und Probleme. Gerade die ältere Generation ist nun seit gut einem Jahr nicht mehr im „Mehrgenerationen-Haus“ gewesen. Das Team des Hauses würde die betroffenen Personen gerne wieder stärker einbinden, zum Beispiel wenn durch Impfungen und Teststrategien mehr Sicherheit gewährleistet werden kann. „Die Verunsicherung der Menschen ist groß. Wir brauchen entsprechenden Grundlagen, um solche Angebote umsetzen zu können“, führt sie weiter aus. Neben den sechs Angestellten Mitarbeitern wären hier normalerweise an die 70 ehrenamtliche Mitarbeiter aktiv.

Es hätte im Sommer ein großes Hoffest gegeben und jetzt in den Osterferien ein Kinderbetreuungsprogramm. Seminare würden stattfinden, viele Musikgruppen würden in den Räumen proben und auch Aufführungen anbieten. Sportgruppen wären aktiv, auch die Schüler der Berufsbildenden Schulen würden sich hier auf ihre Prüfungen vorbereiten. All dies fehlt. „Das Haus wird wieder voll werden, da bin ich sicher. Aber die Dinge verändern sich“, so der Eindruck von Holsten-Poppe. Sie persönlich ist dankbar für die Unterstützung vonseiten der Bevölkerung, der Institutionen, auch der Politik, „das gibt uns ein gutes Gefühl – trotz der oben benannten Desillusionierung“.

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