Christoph Dembowski kämpft vor Ort für ein gesundes Klima - VON GUIDO MENKER

Die Hitze macht krank

Ein Spaß, hinter dem aber auch etwas Ernstes steckt: Dr. Christoph Dembowski als Umweltdetektiv vor drei Jahren beim Krimi-Shopping in Rotenburg.
 ©Menker

Rotenburg – Mindestens 15 000 Menschen sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO allein in diesem Jahr aufgrund der Hitze in Europa gestorben, darunter Tausende in Deutschland. In den nächsten Jahrzehnten werde die wachsende Anfälligkeit für Hitzewellen und andere Extremwetterereignisse zu mehr Krankheiten und Todesfällen führen, bis die Länder im Kampf gegen den Klimawandel wirklich drastische Maßnahmen ergriffen. Das erklärt WHO-Regionaldirektor Hans Kluge anlässlich der in Ägypten stattfindenden Weltklimakonferenz. Und er spricht damit dem Rotenburger Mediziner Dr. Christoph Dembowski aus der Seele.

„Die Klimakrise ist die größte Gefahr für die Gesundheit von uns allen. Es handelt sich um eine Notfallsituation, das erfordert sofortiges und umsichtiges Handeln“, sagt Dembowski, der in Sachen Klimaschutz unterwegs und aktiv ist. Alte Menschen und Kinder seien schon jetzt besonders gefährdet durch Herz-Kreislauferkrankungen, Infektionen und Allergien. „Sommerliche Hitze ist jetzt eben nicht mehr Freibad oder Eisdiele.“

Man könnte vermuten, Dembowski selbst wäre jetzt gerne in Ägypten dabei. Aber dem ist nicht so: „Oh nein, lieber nicht! Bei 35 000 dort aktiven Teilnehmern würde ich wohl untergehen in dieser Menschenmasse.“ Er engagiert sich vor Ort um das Thema und lässt dabei nicht locker. In den vergangenen Jahren ist er schon mehrmals bei Kundgebungen in der ersten Reihe zu sehen gewesen. Und selbst die Premiere vom Krimi-Shopping in Rotenburg nutzte er vor drei Jahren, um als Umweltdetektiv dem Spaß in der Innenstadt zumindest vorsichtig einen ernsthaften Anstrich zu verleihen.

„Ich denke, viele Menschen haben noch nicht wirklich verstanden, dass es mit unserem bisherigen Lebensstil nicht mehr so weitergeht.“ Damit hätten wir alle in den vergangenen 50 Jahren enorme Freiheiten genossen, aber die naturgegebenen Grenzen unseres Planeten rücksichtslos überschritten. „Es geht jetzt einfach nicht mehr so weiter, und etwas Neues ist nur ansatzweise in Sicht.“ Viele Menschen fragen sich natürlich, was hier vor Ort zu tun ist und welchen Beitrag jeder von uns leisten kann. Dembowski: „Das ist eine persönliche Frage an jeden von uns: Mobilität, Ernährung und Konsum muss jeder von uns so verändern, damit unser Planet nicht noch weiter Schaden nimmt.“

Mit Blick auf die bisherigen Anstrengungen der Stadt Rotenburg, in Sachen Klimaschutz aktiv zu werden beziehungsweise ein klares Signal zu senden, unterstreicht der Mediziner gegenüber unserer Redaktion: „Signale werden da nicht mehr reichen. Klimaschutz muss Vorrang haben in der Kommunalpolitik, städtebauliche Anpassungsmaßnahmen an die häufiger auftretenden Hitzewellen müssen auf den Weg gebracht werden.“ Es brauche einen Hitzeaktionsplan für Stadt und Landkreis, der von allen Beteiligten zu erarbeiten sei.

Mit mehr Krankheiten und Todesfällen aufgrund der zunehmenden Klimaereignisse rechnet WHO-Regionaldirektor Kluge. Es muss aus Sicht der Experten etwas geschehen – und so sehr sich jeder selbst einzubringen hat, so sehr sei nach Meinung von Christoph Dembowski eben auch die Politik gefordert: „Änderungen bei Mobilität, Konsum und Ernährung sind die Stellschrauben, wo jeder bei sich anfangen kann.“ Das bedeute: weniger Autos, mehr Fahrräder, Busse und Bahnen, weniger Fleischkonsum, mehr saisonale und regionale Ernährung. Dembowski: „Die Politik hat aber die Aufgabe, die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.“

Dennoch ist immer wieder zu vernehmen, dass Menschen meinen, sie könnten doch gar nichts an den fatalen Entwicklungen ändern. „Ich würde ihnen sagen: ,Lasst uns gemeinsam darüber sprechen, um der Resignation entgegenzuwirken. Gemeinsam können wir etwas erreichen, Gemeinschaft ist der wichtigste Faktor, um in dieser Krise bestehen zu können’.“ Alleinsein dagegen birgt seiner Meinung nach eine große Gefahr. „Das haben wir in der Pandemie gemerkt.“

Christoph Dembowski selbst hat in seinem Leben schon sehr viel geändert. „Mein neuester persönlicher Beitrag ist, dass ich jede Woche mit Freude im Rotenburger Unverpackt-Laden am Neuen Markt einkaufe. Da staune ich, wie viel sich an Verpackungsmüll einsparen lässt.“

Zunehmende, ja zum Teil unerträgliche Hitze – und das gepaart mit der Sehnsucht nach Regen. Was macht das mit uns Menschen? „Da sind zum einen emotionale Spuren: Traurigkeit über das fehlende Wasser im Bullensee oder am Stadtstreek. Oder der fehlende Schnee im Winter und dass man nicht mehr Eislaufen kann auf dem Bullensee. Zum anderen konkrete Belastungen: in Hitzeperioden nimmt die Leistungsfähigkeit von uns allen ab. Das ist besonders gefährlich für das Personal im Krankenhaus oder in Pflegeheimen.“

Dembowski, der lange Zeit eine eigene Kinderarztpraxis an der Gerberstraße betrieben hat, ist immer noch als Arzt tätig, er engagiert sich in Sachen Anti-Atomkraft und kämpft für das Klima. Es dürfte nicht leicht sein, das alles unter einen Hut zu bringen. Wie geht das? Seine Erklärung: „Vielleicht, weil es mein Lebensthema ist: gesunde Menschen auf einem gesunden Planeten. Schon in meiner Schulzeit war ich entsetzt über die Müllkippen in der Natur. Später kam die Generationenfrage dazu: Welche Lebensbedingungen hinterlassen wir unseren Kindern?“

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