Almuth Quehl veröffentlicht Sammlung - Von Dennis Bartz

Sagen und Geschichten

Almuth Quehl
 ©Foto: Dennis Bartz

Landkreis Rotenburg. „Sagen gibt es nicht nur dort, wo Burgen auf Bergen stehen und kühne Ritter Drachen töten, auch bei uns in der Region gibt es zahlreiche Geschichten, die früher mündlich überliefert wurden, jetzt aber oft in Vergessenheit geraten sind. Sie handeln von eigentümlichen Begebenheiten, von Bräuchen, von besonderen Orten oder Personen, oft auch von übernatürlichen Erscheinungen.“

Mit diesen Worten startete Gästeführerin Almuth Quehl jeden Teil ihrer beliebten Serie „Sagenhaftes aus Rotenburg und umzu“ in der Rundschau. Alle dort erschienenen sowie zahlreiche weitere Geschichten stehen in dem Buch, das in dieser Woche im Falkenberg-Verlag erschienen ist. Am kommenden Donnerstag, 21. November, um 16 Uhr, stellt die Kirchwalsederin ihr Erstlingswerk im Rotenburger Heimathaus vor.

Die Rundschau hat die Gästeführerin wenige Tage vorher auf ihrem urgemütlichen Hof besucht, der idyllisch in der Nähe der Fischteiche in Kirchwalsede liegt. Dort lebt sie mit ihrem Mann, zwei Hunden, vier Katzen, einem Esel sowie Laufenten und Hühnern. „Die Advents- und Weihnachtszeit ist traditionell wie gemacht für Sagen und Geschichten – von daher passt die Veröffentlichung meines Buches sehr gut in diese Zeit. Ich hoffe, dass viele Familie daraus an den Festtagen vorlesen“, sagt Quehl.

Die Autorin ist in Lüneburg geboren und in der Lüneburger Heide aufgewachsen. Nachdem sie in Göttingen Geschichte und Volkskunde studiert hatte, zog sie mit ihrem Ehemann zunächst nach Verden und von dort vor fast 20 Jahren in den Süden des Landkreises Rotenburg. „Wir wollten zusammen aufs Dorf ziehen“, erinnert sich Quehl, die in Kirchwalsede ihren langjährigen Traum verwirklichte: „Ich wollte immer einen eigenen Esel. Unsere Else ist ein sehr intelligentes und witziges Tier.“

Auch im Landkreis Rotenburg entbrannte schnell ihr Interesse für Heimatkunde. Sie startete 2006 ihre Ausbildung zur Gästeführerin und schloss diese ein Jahr später ab. „Es war zunächst gar nicht mein Ziel, als Gästeführerin aktiv zu werden. Aber dann packte mich doch die Lust“, erinnert sich Quehl. Sie begann mit Führungen in Rotenburg und baute ihr Engagement später auf Visselhövede aus. „Das macht mir bis heute unheimlich viel Spaß“, so Quehl.

Etwa 30 bis 50 mal pro Jahr zieht sie in historischer Kleidung los und erzählt ihren Gästen von historischen Begebenheiten. Seit Kurzem bildet sie selbst die nächste Generation Gästeführer aus. Zusätzlich spielte sie in den vergangenen Jahren im historischen Theaterstück „Weiberspeck & Herrengedeck“ sowie in der Kinderversion „Burgspektakel & Hexenorakel“ am Rotenburger Heimathaus. „Außerdem engagiere ich mich im Förderverein Cohn-Scheune – das ist ein sehr spannendes Thema für mich“, so Quehl.

Bei ihrer Recherchearbeit für ihre Arbeit als Gästeführerin stieß sie immer wieder auf Sagen und baute diese in ihre Führungen ein. „Wenn man da ein bisschen buddelt, stößt man auf so viele spannende Geschichten. Die Region hat viel zu erzählen“, sagt Quehl. Ihre Sammellust ist mit der Veröffentlichung ihres ersten Buches noch nicht gestillt, verspricht sie: „Ich habe bereits von einer weiteren Geschichte gehört, die besagt, dass im Bullensee ein U-Boot versunken sein soll.“ Leser, die weitere Sagen und Geschichten kennen, können sich bei ihr per E-Mail an wenschkequehl@gmx.de melden. „Wer weiß, vielleicht reicht es ja für einen zweiten Teil“, so Quehl.

Worin liegt der Unterschied zwischen Sagen und Märchen? „Die meisten Sagen haben zumindest einen wahren Kern, der aber tief im Verborgenen liegen kann. Das ist kein geschichtliches Phänomen. Heute gibt es moderne Sagen – das sind beispielsweise Geschichten, die bei Facebook veröffentlicht, von anderen verändert und weiter verbreitet werden. Oft wird dabei der Ort des Geschehens verändert, man spricht dann von Wandersagen“, erklärt Quehl.

Sie hat die Geschichten zusammengetragen und in moderner Sprache verpackt, damit die historischen Sagen, die etwa in der Zeit des Mittelalters bis in das 19. Jahrhundert entstanden sind, nicht in Vergessenheit geraten. „Sie wurden immer weitererzählt und haben dabei zum Teil eine eigene Dynamik entwickelt. ,Der Teufel in der Ölmühle‘ ist ein gutes Beispiel. Davon gibt es drei Versionen. Der Ursprung der Geschichte geht zurück auf eine Familie von Wilderern. Einer von ihnen lieferte sich eine Schießerei mit dem Förster im Grafel und versteckte sich danach in der alten Ölmühle in Federmühlen. Dort entdeckte ihn der Knecht des alten Müllers am Feuer und hielt die schwarze Figur für den Teufel“, erzählt Quehl.

Besonders weit verbreitet seien Schatz-Sagen. „Wenn der Landkreis all das Gold, den Schmuck und die Münzen heben würde, hätte er keine Geldsorgen mehr.“ Quehl habe bei ihren Recherchen festgestellt, dass sich Themen in einigen Orten auffällig häuften: „In Sittensen gibt es einen Hexenschwerpunkt. Viele Schätze liegen den Sagen nach in Scheeßel verborgen, und in Rotenburg dreht sich vieles um den Bullensee, in dem es beispielsweise ein versunkenes Schloss geben soll“, so Quehl.

Ihrer Meinung nach verdienen die alten Geschichte noch heute viel Aufmerksamkeit: „Ich denke, dass uns Sagen etwas über die Lebenswelt unserer Vorfahren vermitteln. Wie sind die Menschen gereist, welchen Tätigkeiten sind sie nachgegangen – die Sagen erzählen nebenbei etwas über den Alltag in früheren Zeiten.“

Auch über Moralvorstellungen und Verhaltensregeln, Tabus und Bräuche könne der Leser durch die Sagen viel lernen. Das sei dann also lebendige Sozialgeschichte. „Außerdem gibt es immer noch den Gruselfaktor, der uns auch heute noch in den Bann zieht.“ Zusätzlich malten die Sagen ein Landschaftsbild: „Unsere Region bestand aus Heide und Moor. Es war viel wilder als heute. Viele Geschichten beschreiben die Veränderung der Kulturlandschaft – dass der Spuk auf der Heide endete, als sie zu Ackerland geworden war.“

• „Dieses Buch ist lesenswert, denn es gibt einen nachhaltigen Einblick in das Leben auf dem Lande in früheren Zeiten. Es zeigt, warum es in unserer Region lebenswert ist“, sagt Udo Fischer, Geschäftsführer des Touristikverbandes Landkreis Rotenburg, der einleitende Worte für Quehls Werk verfasst hat.

Über das Buch

Das Buch „Sagen und Geschichten aus dem Landkreis Rotenburg (Wümme)“ von Almuth Quehl ist im Rotenburger Falkenberg-Verlag erschienen und kostet 12,90 Euro. Es ist in allen Buchhandlungen erhältlich und unter ISBN: 978-3- 95494-197-1 bestellbar. Auf 112 Seiten finden die Leserinsgesamt 54 Sagen. Die Rundschau verlost drei Exemplare. Wer am Gewinnspiel teilnehmen möchte, sollte am kommenden Donnerstag, 21. November, um 11 Uhr unter Telefon 04261/72400 anrufen.

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
 04261 / 72 -430
 dennis.bartz@rotenburger-rundschau.de

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