Alfred Meyer zeigt Skulpturen im Königin-Christinen-Haus

Einfach tierisch

Mit seinen eigenwilligen Skulpturen drückt Alfred Meyer einen individuellen Kunststil aus. Foto: Elke Keppler-Rosenau
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Zeven. „Herr Hagemann“ steht hinten im Flur. Er ist fast lebensgroß dargestellt und sieht ein wenig bedrohlich aus. Seine Figürlichkeit wird allerdings durch den orangefarbenen Acryllack gemildert. Ein kleines Schild neben der Skulptur weist den Betrachter darauf hin, welchen Bezug er zu dem Künstler hat. Ebenfalls im Flur steht ein imposanter Hahn. Viel größer, als seine lebendigen Vertreter und noch prächtiger im Gefieder. Er ist eher der gegenständlichen Arbeitsweise von Alfred Meyer zuzuordnen, aber imposant und ein absoluter Hingucker. Wer durch die neueste Ausstellung im Zevener Königin Christinen-Haus, der städtischen Galerie, geht, wähnt sich in einem Zoo, dessen Tiere sich wie eine Mischung aus Fabelwelt und Realität darstellen.

Hamster, Flugsaurier, ein Pferd, eine überdimensionierte Libelle, ein Tiger, ein Leopard, Wildschwein, Känguru, Eisbär, und Nashorn, alle in einer speziellen Technik aus Pappmaschee, Sisal, Holz, Draht im Unterbau und Acryllack sowie einer Versiegelung mit Bootslack gemacht, ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Alfred Meyer, 78 Jahre alt, Schweißer von Beruf, verbrachte sein Arbeitsleben als gehandicapter Handwerker in den Bassumer Delme-Werkstätten. Seine Affinität gehört den Tieren, und alle seine Skulpturen bezeichnet er als seine Freunde, was sich in der detailreichen Ausgestaltung widerspiegelt.

Der Adler, der sich aus dem Gebälk im oberen Geschoss des Christinen Hauses herabzustürzen scheint, ist ihm so gut gelungen, dass Betrachter glauben, er sei lebensecht. Ein fast lebensgroßer Eisbär, aufgerichtet und mit aufgerissenem Maul zeigt, wie intensiv der Künstler die Bewegungen der Tiere studiert, um sie dann mit seinen Stilmitteln zu formen. Es gelingt ihm immer, eine realistische Darstellung herauszuarbeiten und das Wesentliche der Tiere, die Charaktere und richtige Körperhaltung auszudrücken. Alfred Meyer ist Autodidakt und kam über seine Tierliebe zur Kunst, wobei es ihm wichtig ist, alle auch mit einer gehörigen Prise Humor darzustellen. Der Mix zwischen fabulös und echt ist gewollt und drückt seine Lust an der Gestaltung aus. Meyer gehört zu den Kunstschaffenden, die ohne künstlerische Ausbildung, frei und unbedarft, ohne Rücksicht auf jegliche Kunststile seinen Weg geht und dabei authentische Werke schafft, die Menschen berühren.

Eine Vernissage mit Gästen war wegen der Corona-Pandemie nicht möglich. Zevens Bürgermeister Norbert Wolf hatte es sich aber dennoch nicht nehmen lassen, unter Einhaltung der Hygienevorschriften ein Paar Grußworte zur Ausstellungseröffnung zu sagen, und beglückwünschte den Künstler für seine Arbeiten. Ausstellungsmacher und Kurator Jan Jaap Roosing vom Museum Kloster Zeven stieg danach mit einführenden Worten in die Eröffnung ein und informierte über die Persönlichkeit und die Arbeitsweise von Alfred Meyer, der im Lebenshilfe-Wohnheim in Bassum ein eigenes Atelier betreibt. Dort könne er spontan seinen Eingebungen folgen. Dabei sei er selbst sein strengster Kritiker, der seine lustig daherkommende Kunst durchaus mit großem Ernst erschaffen würde. Immer wieder würde er Figuren verwerfen, überarbeiten oder neu erschaffen, wenn sie seinen Ansprüchen nicht genügen würden, sagte Kurator Jan Jaap Roosing.

2019 ging für Meyer ein Traum in Erfüllung. Durch den Verkauf seiner Werke und eine großartige mehrjährige Spendenaktion konnte er mit Betreuung eine Reise nach Afrika antreten, um Löwen, Elefanten, Zebras und andere Wildtiere hautnah zu erleben. Insbesondere war für ihn ein Aufeinandertreffen mit Geparden, die er auf der Daktari-Farm in Namibia sogar füttern durfte. Eindrücke von diesen Tieren setzte er in den neuesten Arbeiten in seinem Atelier um.

• Die Herbstausstellung mit dem Titel „Tierisch“ ist bis zum 29. November im Christinen-Haus in der Zevener Lindenstraße 11 unter Berücksichtigung der geltenden Hygiene- und Abstandsregeln sonntags und donnerstags von 14.30 bis 17.30 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. Gruppen bis zehn Personen sind zugelassen oder können unter 04281/999800 einen Termin außerhalb der Öffnungszeiten vereinbaren.

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